Den ersten Palmsonntag, 29. März 2026, seiner Amtszeit als neuer Erzbischof von Wien feierte Josef Grünwidl mit einer großen Festgemeinde im vollbesetzten Wiener Stephansdom. Wegen des Regens konnte die traditionelle Segnung der Palmzweige und die anschließende Prozession nicht wie üblich bei der Pestsäule am Graben beginnen, sondern musste in den Dom verlegt werden.
In seiner Predigt griff Erzbischof Grünwidl die Umstellung auf die Sommerzeit und das rauere Wetter auf: “Friede in Europa, Demokratie, Menschenrechte, Sicherheit - vieles ist fragwürdig und brüchig geworden. Die Welt taumelt, die Zeiten haben sich geändert, das Klima ist rauer.”
Der raue Klimawandel beginne oft mit der Verrohung der Sprache: “Aggressive, menschenverachtende, abwertende Worte schaffen Wirklichkeit. Der raue Ton verschiebt unsere Werteskala, kann rücksichtslos und gewaltbereit machen.” Die Karwoche, die mit dem Palmsonntag beginnt und mit dem Ostersonntag endet, zeige aber, wie sich das “Klima in der Menschheitsfamilie” zum Guten und zum Besseren verwandeln könne: “durch Liebe und Hingabe, durch Gewaltlosigkeit und Versöhnung”. Eben jener Weg, den Christus in der Karwoche konsequent gegangen sei, bis zum Tod am Kreuz, dem zu Ostern die Auferstehung gefolgt ist.
Während der Körper sich bald an die Sommerzeit gewöhnt haben werde, so der Wiener Erzbischof, bräuchten wir “ein Leben lang, um unsere innere Uhr, unser Innerstes, unser Herz, immer wieder neu auf Osterzeit und Hoffnungszeit umzustellen”. Diese Tage seien eine Einladung, “uns von der österlichen Dynamik der Hoffnung anstecken und erfassen zu lassen.”