Eingeleitet werden die "Heiligen drei Tage" von der Liturgie des letzten Abendmahls, bei dem auch die Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums gefeiert wird und das Ritual der Fußwaschung an ein entscheidendes Zeichen Jesu vor seinem Tod erinnert.
Im vollen Wiener Stephansdom feierte Erzbischof Josef Grünwidl die Liturgie des Gründonnerstags und wusch zwölf Personen die Füße, darunter einem schwer kranken Mann, einem Flüchtling aus dem Irak und einer Mutter mit ihren beiden Kindern, die von der St.-Elisabeth-Stiftung betreut werden. Die zwölf stünden stellvertretend für alle, betonte der Erzbischof: "Uns alle will der Herr rein machen für das Osterfest." Die Nächstenliebe beginne "ganz unten bei den Füßen, im Schmutz, im Elend und in der Not der Welt", so die Botschaft Jesu, der auf die Menschen zugegangen sei und sich zum Sklaven gemacht habe, um ihre Abgründe und Schattenseiten rein, schön und heilig zu machen.
Dem inhaltlichen Geschehen beim Letzten Abendmahl näherte sich Grünwidl mit einem Verweis auf zwei zeitgenössische Kunstwerke, die Leonardo Da Vincis berühmtes gleichnamiges Bild verfremden: Einerseits auf "The burning supper" von Julia Bornefeld aus dem Jahr 2013, das die biblische Szene mit einem brennenden Tisch zeigt. Die Künstlerin habe damit ausgedrückt, "dass Eucharistie immer dann besonders wichtig ist, wenn die Welt brennt und in Flammen steht und dass sich der Funke der Eucharistie in jedem Augenblick neu entzünden kann und soll", so Grünwidls Deutung. Dass man mit der Eucharistie "Feuer und Geist" empfange, hätten schon die Kirchenväter formuliert.
Auch eine zweite Darstellung sollte nicht vorschnell als "Verunglimpfung der Religion" gesehen werden, so der Wiener Erzbischof. Das Bild "Last SMS" einer Münchner Künstlergruppe zeigt die Apostel am Tisch vor ihren Laptops und Smartphones, in soziale Medien vertieft und dabei nur virtuell verbunden statt dem anderen wirklich nahe. Grünwidl sah darin einen Hinweis auf den Kern der Eucharistie: "In der Heiligen Kommunion geht es um reale Begegnung, um wirkliche Kommunikation und Gemeinschaft mit Jesus Christus und untereinander." Der Gründonnerstag zeige, Jesus wolle "hier und jetzt mit uns kommunizieren und nicht nur Brot und Wein, sondern uns alle verwandeln".