Caritas und Erzdiözese Wien haben am Donnerstag in Wien-Margareten das österreichweite Pilotprojekt "Kirchenschiff" eröffnet. Die denkmalgeschützte, nicht profanierte Pfarrkirche "Auferstehung Christi" wird nach Umbauarbeiten seit November 2025 auf rund 1.100 Quadratmetern künftig als Gotteshaus sowie als Sozial- und Begegnungszentrum genutzt. Erzbischof Josef Grünwidl sprach von einem "Flaggschiff und Pionierprojekt" für Kirche und Caritas. Ziel sei es, kirchliche Angebote und Caritas-Projekte in einem dicht bebauten Stadtgebiet zu bündeln und neue Formen der Nutzung kirchlicher Räume zu erproben, so der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner.
An der Eröffnung nahmen neben Erzbischof Josef Grünwidl u.a. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, Caritas-Botschafterin Doris Schmidauer sowie Propst Anton Höslinger und Caritas-Europa-Präsident Michael Landau teil.
Als ein "offenes Sozial- und Begegnungszentrum für die Stadt" bezeichnete Erzbischof Grünwidl das "Kirchenschiff", das er am Donnerstag auch feierlich segnete. Das Pilotprojekt bleibe Gottesdienstraum, bewahre den sakralen Charakter, entwickle ihn aber "zu einem Ort der konkreten Nächstenliebe" weiter - "was in barocken oder gotischen Kirchengebäuden so nicht möglich wäre". Grünwidl zeigte sich überzeugt, dass das Modell "in der Erzdiözese Wien Schule machen wird".
Das "Kirchenschiff" führe vor Augen, wie man als Kirche, Räume und Kulturschätze öffnen und so nutzen könne, dass Menschen gerne hereinkommen, so der Wiener Erzbischof über das Projekt in einem der am dichtesten bebauten Gebiete Österreichs. "Am Altar feiert die Gemeinde die Liebe Gottes und hier wird die Liebe konkret in Sozialprojekten gelebt", fasste Grünwidl das Konzept zusammen. Menschen sollen hier den "Hunger des Körpers und der Seele stillen können." Er wünsche sich, "dass die Menschen die Caritas und die Kirche als konkrete Hilfe für ihr Leben erfahren. Und dass Kirche als notwendig und notwenden" erfahren werde, so Grünwidl.
Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nicht. Ich wünsche mir, dass die Menschen die Caritas und die Kirche als konkrete Hilfe für ihr Leben erfahren.
Und dass Kirche erfahren wird als notwendig und notwendend.
Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sieht im Projekt Vorbildcharakter. Das "Kirchenschiff" zeige "sehr konkret, wie wir in Wien mit knappen Flächen in einer wachsenden Stadt umgehen können". Es verbinde Hilfe, Gemeinschaft und Kultur und sei ein "Symbol des Optimismus" sowie ein Modell für den Umgang mit kirchlichen Räumen angesichts sinkender Katholikenzahlen.
Caritas-Botschafterin Doris Schmidauer betonte, die Kirche bleibe spiritueller Ort und öffne sich zugleich für Menschen, "die sonst nicht den Weg hineinfinden würden". Das "Kirchenschiff" sei ein Ort der Begegnung, für Hilfsangebote und für Rückzug. Sie verwies zudem auf die zentrale Rolle Ehrenamtlicher im sozialen und kirchlichen Bereich.
Das "Kirchenschiff" sei "Hafen und Anlegestelle" für die Nachbarschaft sowie "für alle, die Hilfe und Unterstützung brauchen, und für jene, die Stille und Spiritualität suchen", erklärte Schwertner. Das Projekt verbinde damit den sozialen Grundauftrag der Kirche mit ihrer Funktion als spiritueller Ort. "Der Platz der Kirche ist zuallererst an der Seite der Armen", wies Schwertner hin
Europaweit würden Kirchen als Kletterhallen oder Museen genutzt, mit dem "Kirchenschiff" wolle man einen Kontrapunkt setzen und die Pfarrkirche weiternutzen, für Caritasarbeit genauso wie für Gottesdienste, so der Wiener Caritasdirektor. Erzdiözese, Pfarre und Caritas hätten gemeinsam mit Unterstützern wie dem Stift Klosterneuburg das Projekt erst möglich gemacht.

Das Projekt verstehe sich auch als Stadtentwicklungsprojekt, aus dem sich aus dem Grätzl neue Angebote entstehen sollen, erklärte "Kirchenschiff"-Projektmitarbeiter Klemens Lesigang. So werden die Pastoralassistentin Theresia Weiss und P. Siluan Gall, Kaplan des Pfarrverbands Margareten, künftig die Gäste vor Ort begleiten und ein offenes Ohr für ihre Anliegen, Sorgen und Nöte haben.
"In dieser Form kennen wir das noch nicht", meinte dazu die Projekt- und PfarrCaritas-Leiterin Katharina Renner. Neu sei, dass die Seelsorgenden "nicht bedienen", sondern gemeinsam mit anderen etwas entwickeln. Damit könne man anbieten, was gerade vor Ort gebraucht werde.
"Allem Anfang wohnt ein Zauber inne, und es benötigt eine Zeit des Zusammenwachsens. Die Synergien von Caritas und Pfarre ermöglichen der Gemeinde Werkzeuge, im Sinne des Christseins weiterhin ihrer pastoralen Tätigkeit nachzugehen und in der Zusammenarbeit mit den caritativen und kulturellen Angeboten des Kirchenschiffs ins Grätzl hineinzuwirken", so Gall anlässlich der Eröffnung.
Das Projekt wird von der PfarrCaritas gemeinsam mit der Erzdiözese Wien umgesetzt und gilt als Pilotmodell für eine neue Nutzung kirchlicher Räume. Die Kirche werde aber nicht profaniert, "sie bleibt als Ort für Gottesdienst bestehen", stellte die Caritas klar.