Der kürzlich erschienene Kinofilm „Grünes Licht“ von Pavel Cuzuioc war Anlass für eine Podiumsdiskussion im Stadtkino zum assistierten Suizid und was das mit einer Gesellschaft macht. Nicole Meissner, Geschäftsführerin der St.Elisabeth-Stiftung und Lebensschutzbeauftragte der Erzdiözese Wien debattierte mit dem Juristen und Ethikberater Michael Halmich, dem Intensivmediziner und Medizinethiker Rainer Thell und dem Patientenombudsmann der Wiener Ärztekammer Thomas Holzgruber. Die Chefredakteurin der Furche, Doris Helmberger-Fleckl führte durch die Diskussion.
Vor der Diskussion wurde gemeinsam mit dem Publikum der Film angeschaut, wobei dieser trotz der Schwere des Themas, immer wieder für Lacher sorgte. Der Film setzt sich damit auseinander, was „grünes Licht“ für das Ende eines Lebens bedeutet und wer entscheidet, wann es erteilt wird. Der Film folgt Dr. Spittler, einem Neuropsychiater in Deutschland, der an der Schnittstelle von Medizin, Recht und Eigenverantwortung Menschen bei Ihrem Wunsch nach einem selbstbestimmten Lebensende begleitet – ein Alltag, in dem es keine einfachen Antworten gibt.
Im Anschluss wurde kurz erläutert, dass in Österreich, im Unterschied zu Deutschland, der Gutachter nicht der Ausführende Arzt ist. In Österreich benötigt man zwei unabhängige Gutachten und eine Ärztin oder Arzt, die bei der Durchführung des assistierten Suizids unterstützt.
Nicole Meissner wies darauf hin, dass die Thematik viele Fassetten aufweise. Die Gründe, warum ein Mensch sein Leben beenden möchte, reichen von Einsamkeit über Verlust eines geliebten Menschen bis hin zu unheilbaren Schmerzen.
„Mein großer Blick ist auf das Leben davor gerichtet.“ Da müsse man hinsehen und den Menschen Hilfe anbieten. Sie schilderte aus ihrer täglichen Arbeit in der St. Elisabeth-Stiftung mit misshandelten und traumatisierten Müttern und ihren Kindern, die dringen Psychotherapie benötigen.
Meissner sprach sich „gegen die Normalisierung des assistierten Suizids“ aus. So müsse man die Menschen, die Schlimmes erlebt haben „in unsere Mitte nehmen,“ damit für sie der assistierte Suizid nicht zur Option werde.
Der Ethikberater Michael Halmich stellte klar, dass der assistierte Suizid „nach wie vor ein absolutes Minderheitenprogramm“ sei und gab den Ausblick, dass es in Kürze eine Novelle des Gesetzes geben werde.
Thomas Holzgruber von der Ärztekammer stellte klar, dass man als Medizinerin und Mediziner nicht verpflichtet werden kann den assistierten Suizid durchzuführen. Daher gebe es eine Liste von rund 30 Personen, die sich bereit erklärt haben bei der Verabreichung zu helfen. Diese Liste sei jedoch aus Schutz für die Personen nicht öffentlich einsehbar.
Das Podium war sich einig, dass sich durch die Möglichkeit den assistierten Suizid in Anspruch zu nehmen die Einstellung in der Gesellschaft verändere. So berichtete der Medizinethiker Rainer Thell von einem Fall einer Person in Kanada, die sich seit einem schweren Unfall im Rollstuhl befindet. Sie wurde von ihrer Krankenversicherung angeschrieben, ob sie, um dem Gesundheitssystem nicht zur Last zu fallen, den assistierten Suizid in Anspruch nehmen möchte.
Nicole Meissner sprach sich für den Ausbau der Hospiz- und Palliativbetreuung in Österreich aus. Halmich betonte, dass hier schon viel passiere aber natürlich noch Luft nach oben sei.
Einig waren sich alle, dass Filme wie „Grünes Licht“ die Chance bieten über dieses heikle Thema zu sprechen und eine breite gesellschaftliche Diskussion anzustoßen.
In nächster Zeit sind noch zwei ähnliche Abende geplant: