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17.04.2026

Anselm von Canterbury (21. April)

Anselm von Canterbury gehört zu den bedeutendsten Gestalten des mittelalterlichen Christentums. Er war nicht nur ein tiefgläubiger Mönch, sondern auch ein scharfsinniger Denker, der versuchte, den Glauben mit der Vernunft zu durchdringen.

Anselm von Canterbury, der um 1033 in Aosta geboren wurde und 1109 in Canterbury starb, war ein bedeutender Denker des Mittelalters, der als Mönch, Gelehrter und Erzbischof wirkte. Er stammte aus einer adligen Familie, wobei sein Vater langobardischer Herkunft war und seine Mutter aus Burgund kam. Schon früh zeigte sich sein Wunsch, ein geistliches Leben zu führen, doch dieser Weg wurde ihm zunächst verwehrt, vermutlich weil sein Vater andere Pläne für ihn hatte. Daraufhin verließ Anselm seine Heimat und verbrachte mehrere Jahre auf Wanderschaft in Frankreich, bis er schließlich in die Benediktinerabtei Bec eintrat, die damals ein Zentrum des Lernens war.

 

Dort wurde er Schüler des berühmten Theologen Lanfranc von Bec, dessen Schule viele Studenten aus ganz Europa anzog. Anselm entwickelte sich rasch zu einem herausragenden Schüler, wurde Mitarbeiter seines Lehrers und übernahm später selbst Verantwortung im Kloster, zunächst als Prior und schließlich als Abt. Anders als viele erwartet hatten, konzentrierte er sich nicht darauf, die Schule weiter auszubauen, sondern richtete das Leben der Gemeinschaft stärker an der klösterlichen Regel aus und widmete sich intensiv dem Studium und der geistlichen Betrachtung.

 

In dieser Zeit entstanden seine wichtigsten Werke, in denen er versuchte zu erklären, wie Glaube und Vernunft zusammengehören. Sein Grundgedanke lässt sich einfach ausdrücken: Wer glaubt, möchte auch verstehen, was er glaubt. Besonders bekannt wurde sein Versuch, die Existenz Gottes allein durch Nachdenken zu begründen, indem er Gott als das Größte beschreibt, was überhaupt gedacht werden kann, und daraus folgert, dass Gott nicht nur im Denken, sondern auch in der Wirklichkeit existieren muss. Seine Überlegungen beeinflussten viele spätere Philosophen und Theologen.

 

Später wandte sich sein Leben stärker der Politik zu, als er 1093 zum Erzbischof von Canterbury ernannt wurde. In diesem Amt geriet er in Konflikte mit den englischen Königen, unter anderem mit Wilhelm II. von England und Heinrich I. von England, weil er die Unabhängigkeit der Kirche gegenüber der weltlichen Macht verteidigte. Diese Auseinandersetzungen führten dazu, dass er zeitweise ins Exil gehen musste. Trotz dieser Schwierigkeiten blieb er seiner Überzeugung treu und setzte sich für eine gerechte Ausübung seines Amtes ein.

 

Anselm starb im Jahr 1109 in Canterbury. Später wurde er heiliggesprochen und als Kirchenlehrer geehrt. Heute gilt er als einer der wichtigsten Wegbereiter der Scholastik, also jener Denkweise, die versucht, den Glauben mit Hilfe der Vernunft verständlich zu machen. Sein Leben zeigt eindrücklich, wie eng im Mittelalter geistliches Leben, Denken und politische Verantwortung miteinander verbunden sein konnten.