Donnerstag 23. April 2026

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KH Seelsorge Donaustadt
23.04.2026

Leben in Fülle „trotz allem“ – Wie Glaube im Pflegeheim stärken kann

Wie der zweijährige Florian im Pflegeheim Donaustadt getauft wurde und welche Rolle dabei ein Anruf beim lieben Gott spielte.

Seit zwei Jahren wohnt Claudia Glammer in der Pflege Donaustadt. Von Anfang an durfte Pflegemeheimseelsorgerin Andrea Krist mit ihrem Team nicht nur Glammer, sondern auch die Angehörigen – ihre Eltern, ihren Lebensgefährten und ihren damals noch nicht einjährigen Sohn Florian – begleiten.

 

Der Anruf mit der Bitte um seelsorgliche Begleitung kam an einem Sonntag im Mai 2023 von der betreuenden Ärztin. Medizinisch und pflegerisch war Claudia Glammer damals – wie heute – bestens versorgt. Jedoch wollten ihre Tränen nicht aufhören zu fließen. Das Sprechen fiel ihr schwer, Worte hätten das Leid von Claudia Glammer auch gar nicht ausdrücken können.

„Durch das Jammertal der Tränen hindurch machte Claudia die Erfahrung, dass sie diesen Weg nicht allein zu gehen braucht. Mit einer starken, unverwüstlichen Familie im Hintergrund, einer liebevollen medizinischen und pflegerischen Betreuung und unaufdringlicher seelsorglicher Begleitung fühlt sie getragen und geborgen in Gottes Hand“ so Andrea Krist.

 

Jeden Tag zum besten Tag des Lebens machen

Glammer entschied sich dafür, ihr Schicksal anzunehmen. Diese Phase des Annehmens war für die begleitende Seelsorgerin Andrea Krist eine bewegende Zeit: „Nach und nach kehrte das Leben in Claudias Seele zurück. Seither ist sie jeden Tag aufs Neue darum bemüht, diesen einen kostbaren Tag zum besten Tag ihres Lebens zu machen. Tränen dürfen dabei nicht fehlen. Immer öfter fließen Tränen der Dankbarkeit, der Freude, auch des Kummers. Seelentränen eben. Claudia hat sich für ein Leben in Fülle ‚trotz allem‘ entschieden“, so Krist.

Bewundernswert empfindet Andrea Krist die Stärke, den unerschütterlichen Mut und den tiefen Glauben von Claudia Glammer. Dieser Glaube ließ in ihr auch den Wunsch nach der Taufe ihres mittlerweile fast dreijährigen Sohnes Florian wachsen. „Den Florian lass ma jetzt taufen. Es wird Zeit. Ein bissl wird´s noch dauern, bis ich soweit mobil bin, dass ich in meine Heimatpfarre in die Kirche gebracht werden kann.“

Glaubensfamilie im Pflegeheim

Andrea Krist stellte die Frage in den Raum, wo die Heimatpfarre – die Glaubensfamilie – denn aktuell sei. Schließlich besucht Claudia mit ihren Eltern, Sohn Florian und Lebensgefährten regelmäßig den wöchentlichen Gottesdienst im Pflegeheim Donaustadt. „Hier ist Claudia nun zu Hause, hier feiern alle zusammen wöchentlich Gottesdienst in einer liebevollen Gemeinschaft. Eine Pfarrgemeinde der besonderen Art“, sagt Krist.

Die Taufe wurde für Mitte April vereinbart. Die treue Orgelspielerin der Pflegeheimkapelle stellte einen Chor aus ihrem privaten Umfeld auf die Beine, das Taufkleid nähte eine ehrenamtliche Abholerin mit gestickten Symbolen für Florian.

Einen Tag vor der Taufe jedoch kam alles anders: Krist erhielt von den Großeltern den Anruf, die Taufe müsse verschoben werden, die gesamte Familie sei krank und am Ende ihrer Kräfte. Verschiedene Möglichkeiten wurden durchgesprochen, die „Rückorganisation“ des Festes begonnen. Überraschend kam am Nachmittag nochmals ein Anruf: „Du Andrea, wir haben uns jetzt entschieden, wir werden die Taufe morgen wie geplant feiern“, waren die Worte von Großmutter Rosi.

Wie kam es zu der spontanen Wendung? „Ich hab mit dem lieben Gott telefoniert,“ war die Antwort von Rosi, „er hat mir gesagt, was zu tun ist und darauf vertraue ich.“ Und so wurde der zweijährige Florian Mitte April in der Kapelle des Pflegeheims Donaustadt in einer bewegenden, familiären Atmosphäre getauft.

„Auferstehungs-Erlebnis“

Pflegeheimseelsorgerin Krist: „Glaube stärkt und trägt, gibt Hoffnung in ausweglos erscheinenden Situationen. Christliche Gemeinschaft ermöglicht ein Leben in Fülle ganz nah beim Menschen trotz Gebrochenheit, Krankheit, Leid und Schmerz. Die Taufe war für mich ein Auferstehungs-Erlebnis und ein Wunder des Alltags, das ich konkret erlebt und erfahren durfte in einem Pflegeheim des 21. Jahrhunderts.“