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Gesprächsabend mit Erzbischof Josef Grünwidl in Perchtoldsdorf
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24.04.2026

Gesprächsabend mit Erzbischof Josef Grünwidl in Perchtoldsdorf: „Wir krempeln die Ärmel auf und machen das Beste daraus“

Auf Einladung des Hochbergkreises sprach Erzbischof Josef Grünwidl in der Burg Perchtoldsdorf unter dem Titel „Von Perchtoldsdorf zum Stephansdom – Kirche im Aufbruch“.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Präsidenten des Hochbergkreises, Martin Eichtinger und den Vizepräsidenten Roland Adrowitzer, sprach Erzbischof Grünwidl über seine beruflichen Stationen. Seine „ersten pastoralen Gehversuche“ durfte er 1987 in Perchtoldsdorf machen. Später war er dann neun Jahre lang in Perchtoldsdorf Pfarrer.

 

Grünwidl betonte, dass ihm auch jetzt, da er am Stephansplatz arbeite, die Seelsorge enorm wichtig sei. Am Sonntag versuche er immer einen Gottesdienst in einer der vielen Kirchen der Diözese zu feiern. Einmal in der Woche nimmt er sich auch Zeit für besondere Besuche wie etwa in einem Pflegeheim oder einem Wohnheim für ehemalige Obdachlose. Er möchte Seelsorger, Brückenbauer und Teamplayer sein und unterstrich noch einmal den Satz des Heiligen Augustinus: „Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ.“

 

Barbara Krenn, die Leiterin der Abteilung „Religion und Ethik – multimedial“ im ORF führte durch den Abend. Dabei spannten ihre Fragen einen Bogen von (welt-)kirchlichen Herausforderungen bis zu Themen, die in der Erzdiözese Wien anstehen. Zwischendurch sorgten persönlichere Fragen für humorvolle Stimmung.

 

Auf die Frage nach der drängendsten Herausforderung in der Diözese führte Erzbischof Grünwidl den rasanten Kulturwandel an. Er meinte damit, dass man früher in der Regel katholisch zu sein hatte und heute sei es eine persönliche und bewusste Entscheidung. Man solle nicht immer nur von der guten alten Zeit reden. „Es wird nie wieder so sein, aber es ist gut wie es heute ist.“

 

Auch das engmaschige Netz der Pfarren werde in Zukunft nicht mehr aufrechterhalten werden können. Es brauche neue Leitungsmodelle, das etwa ein Team aus Getauften und nicht mehr ein Priester eine Pfarre leite. Der Erzbischof zeigte sich angesichts der vielen Herausforderungen aber zuversichtlich: „Wir krempeln die Ärmel auf und machen das Beste daraus.“

 

Bei welchen gesellschaftlichen Themen der Erzbischof Stellung nehmen möchte, beantwortete er folgendermaßen: „Laut muss ich Stellung beziehen, wo es um den Schutz des Lebens, Menschenrechte und die Spaltung der Gesellschaft geht.“ Zukünftig möchte er gerne ein Format entwickeln, bei dem er verschiedene Menschen aus den Bereichen Politik, Kultur und Gesellschaft zusammenbringt und über die Frage diskutiert, wie sie sich eigentlich das Miteinander in der Zukunft vorstellen. Dafür sei die Kirche da: Menschen in Dialog zu bringen und Brücken zu schlagen.

 

Auf einen Kaffee mit Johann Sebastian Bach

Auf Barbara Krenns Frage mit welcher Person aus der Geschichte oder der Gegenwart er einen Kaffee trinken würde, fiel die Antwort klar aus: Johann Sebastian Bach. „Es ist für mich völlig unbegreiflich, wie ein Mensch in einem Leben eine solche Fülle komponieren kann. Er hat sicher gewusst, dass er ein Genie ist und sich trotzdem wie ein Handwerker behandeln und bezahlen lassen.“

 

Die Person der Gegenwart, die Erzbischof Grünwidl im Mai treffen wird, ist Papst Leo. „Ich habe die Gelegenheit einer Privataudienz, darauf freue ich mich schon sehr.“

 

Im Anschluss an das Gespräch mit Barbara Krenn gab es für das Publikum die Möglichkeit Fragen zu stellen. Wenn der Erzbischof einen Wunsch frei hätte, den er an den Papst richten dürfte, welcher wäre das? „Dass wir als Kirche eine Sprache finden, die die Menschen verstehen,“ so Erzbischof Grünwidls Antwort, die mit spontanem Applaus aufgenommen wurde.

 

Musikalisch umrahmt wurde der Abend von der Franz-Schmidt-Musikschule mit Orgel, Klavier, Blockflöte und Gesang.