Mit einem Festgottesdienst im Veitsdom hat am Samstag die Erzdiözese Prag ihren neuen Erzbischof Stanislav Pribyl willkommen geheißen. Papst Leo XIV. hatte den 54-jährigen bisherigen Bischof von Leitmeritz (Litomerice) und früheren Bischofskonferenz-Generalsekretär im Februar zum Nachfolger von Jan Graubner (77) an der Spitze der tschechischen Hauptstadt-Diözese ernannt. An der feierlichen Amtseinführung nahm u.a. der tschechische Präsident Petr Pavel, der Apostolische Nuntius, Erzbischof Jude Thaddeus Okolo, sowie der Wiener Kardinal Christoph Schönborn und zahlreiche weitere Würdenträger und Vertreter der anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie des öffentlichen Lebens teil.
In seiner Predigt unterstrich der neue Erzbischof Pribyl seine Bereitschaft und seinen Wunsch, "Brücken" zwischen Tradition, Glaube und moderner, säkularer Gesellschaft zu bauen. Als Bischof sei es seine Aufgabe, Kirche und Menschen gleichermaßen zu dienen und auch die Gemeinschaft innerhalb der eigenen Diözese zwischen Priestern und Laien zu stärken. Glaube, Bildung, Authentizität und missionarische Offenheit seien "Grundlage jeder kirchlichen Erneuerung", so Pribyl.
Seine eigene Firmung 1983 im Prager Veitsdom durch den damaligen Prager Erzbischof Frantisek Tomásek (1899-1992) bezeichnete Pribyl als Beginn seiner eigenen Berufungsgeschichte. Im Rückblick erkenne er seither deutlich eine Spur göttlicher Führung - eine Spur, der er auch künftig weiter folgen wolle, so Pribyl.
Kardinal Christoph Schönborn, den Pribyl um Grußworte gebeten hatte, weil er ihn als Vorbild bischöflicher Amtsführung erachtet, unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung des "Vertrauens zwischen Hirte und Herde": "Gegenseitiges Vertrauen, aufeinander hören, beides ist wesentlich", so Schönborn.
Der Auftrag, aufeinander zu hören, ergehe jedoch letztlich an jeden Christen: "Wir können alle voneinander lernen, wenn wir aufeinander hören. Was Christsein heute heißt, das lernen wir auf diesem Weg". Abschließend gab Schönborn dem neuen Erzbischof den persönlichen Rat, besonders auf jene Stimmen zu hören, die auch unbequeme Wahrheiten aussprechen.
Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Okolo, überbrachte Grüße von Papst Leo XIV. Er bezeichnete die aktuelle Situation der Kirche in Tschechien als "wichtige Knotenstelle" ihrer Geschichte. Mit dem Amtsantritt Pribyls und dem Abschied seines Vorgängers gehe eine Ära zu Ende. Zugleich verwies er auf die Herausforderungen einer technisierten Gesellschaft, die aber trotz aller Schwierigkeiten vom Heiligen Geist begleitet werde. Die Zukunft verlange Glaubensmut, Ausdauer und Einheit im Gebet, so Okolo.
Präsident Petr Pavel beschränkte sich auf kurze, protokollarische Worte. Er gratulierte Erzbischof Pribyl zu seiner neuen Aufgabe und unterstrich die Bedeutung eines respektvollen und konstruktiven Verhältnisses zwischen Staat und Kirche. Die Zusammenarbeit müsse auf gegenseitigem Respekt und gemeinsamer Verantwortung für die Gesellschaft beruhen.
Der feierlichen Amtseinführung ging eine mehrtägige Novene voraus, die als geistliche Vorbereitung auf den Amtsantritt diente. Im Mittelpunkt standen Gebet, Besinnung und die Bitte um den Heiligen Geist für den neuen Erzbischof sowie die gesamte Erzdiözese. Diese spirituelle Vorbereitung unterstrich den Charakter des Wechsels nicht als rein organisatorischen Akt, sondern als geistliches Ereignis innerhalb der Kirche.
Der 54-jährige Stanislav Pribyl ist der 38. Erzbischof von Prag und 26. Primas von Böhmen. Er wurde 1996 zum Priester geweiht und ist Mitglied des Redemptoristen-Ordens, dessen Provinzial er von 2002 bis 2011 war. Von 2004 bis 2008 war Pribyl Caritaspräsident der Erzdiözese Prag. Neben Doktortiteln in Theologie und Kunstgeschichte hat der Geistliche auch einen Master-Abschluss in Ökonomie und Management.
2009 kehrte Pribyl als Generalvikar in seine nordböhmische Heimatdiözese Litomerice zurück. Ab 2016 war er Generalsekretär der Tschechischen Bischofskonferenz, bevor ihn ernannte Papst Franziskus (2013-2025) Ende 2023 zum neuen Diözesanbischof von Litomerice ernannte. Die Bischofsweihe fand am 2. März 2024 statt. Seit April 2025 ist Pribyl auch stellvertretender Bischofskonferenz-Vorsitzender.
Das Diözesangebiet der Erzdiözese Prag umfasst den Zentralraum um die tschechische Hauptstadt, wo nach kirchlichen Angaben rund 580.000 Katholiken unter den 2,4 Millionen Einwohnern leben. In seiner bisherigen Diözese Leitmeritz fand dieser Tage ein Gottesdienst zum Abschied Pribyls als Diözesanbischof statt. Seiner Heimatdiözese bleibt Pribyl aber vorerst auch als Übergangs-Administrator bis zur Ernennung eines neuen Bischofs erhalten.
Der neue Prager Erzbischof Stanislav Pribyl hat den Wiener Kardinal Christoph Schönborn als sein Vorbild in Fragen der Amtsführung und Haltung bezeichnet. Schönborn sei ein "Mann der Mitte", der über Jahrzehnte hinweg unterschiedliche Strömungen in der Kirche zusammengehalten hat. So wolle er selber sein Amt als Vertreter einer "mittleren Position" anlegen: "Ich will nicht in irgendwelche Schubladen gesteckt werden", sagte Pribyl in einem Interview für das Tschechische Fernsehen, das im Anschluss an seine Amtseinführung am Samstag, 25. April, ausgestrahlt wurde.
In einer polarisierten kirchlichen Situation wolle er auf Ausgleich setzen. Sein Amt verstehe er daher auch als Dienstamt: "Nur ein Verrückter würde sich nach diesem Posten sehnen", so Pribyl unter Verweis auf die ständige öffentliche Beobachtung, unter der man stehe - und die Erwartungshaltung, sich auch zu politischen Fragen zu äußern. Hier werde er jedoch zurückhaltend auftreten: "Von mir wird keine technische Politik erwartet, sondern eine wertmäßige Orientierung".
Beispiele der künftigen Gratwanderung stellten etwa die in dem Interview angesprochenen Themen LGBTIQ+ und Familie dar: Einerseits bete er "für alle Menschen" und halte die Einordnung in sexuelle Kategorien für "zweitrangig". Andererseits sei die kirchliche Lehre in Fragen der "Ehe für alle" eindeutig und lehne dies ab. Die Ehe sollte der Beziehung von Mann und Frau vorbehalten bleiben und ein geschützter Raum für die Erziehung von Kindern sein.
Kritisch zeigte sich Pribyl gegenüber jeder Form der Instrumentalisierung von Religion - etwa durch US-Präsident Donald Trump. "Einen Messias in der Politik finden wir nicht", sagte der neue Prager Erzbischof. Auftrag der Kirche sei es, den Menschen Orientierung in einer unübersichtlicher werdenden Welt zu bieten - allerdings ohne dabei Druck auszuüben. Insbesondere junge Menschen würden rasch das Interesse verlieren, wenn man zu forsch auftrete. Stattdessen gelte es, persönliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen - nicht zuerst im digitalen Raum, sondern "offline": "Das Leben des Glaubens ist ein Offline-Leben", mahnte Pribyl abschließend.