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Osterempfang: Ministerin Bauer für konfessionellen Religionsunterricht
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28.04.2026

Osterempfang: Ministerin Bauer für konfessionellen Religionsunterricht

Kultusministerin Bauer würdigte Kirchen und Religionen als "Brückenbauer, Vorbilder und Stimmen der Versöhnung und der Hoffnung". Bischof Scheuer warnt vor Vereinnahmung von christlichen Werten von Macht und Kommerz.

Die österreichische Regierung wird am bewährten Modell des konfessionellen Religionsunterrichts nicht rütteln. Das hat Kultusministerin Claudia Bauer Montag, 27. April 2026, beim Osterempfang im Bundeskanzleramt betont. Bauer kritisierte vor den Vertreterinnen und Vertretern der Kirchen und Religionsgemeinschaften, dass der Religionsunterricht dieser Tage durch den Europarat wieder in Frage gestellt wurde; und damit auch das "bewährte österreichische Modell". Bauer: "Wir stehen zu diesem Modell des konfessionellen Religionsunterrichts. Aus voller Überzeugung." Die zahlreich anwesenden Repräsentanten der Kirchen und Religionen reagierten darauf mit spontanem Applaus.


Nur wer einen Standpunkt hat, könne in den Dialog gehen, so die Kultusministerin weiter. Dialog ohne eigene Position sei hingegen bestenfalls ein Austausch von Höflichkeiten. Konfessioneller Religionsunterricht sei keine Abschottung, sondern ganz im Gegenteil die Voraussetzung dafür, "dass junge Menschen einander auf Augenhöhe begegnen können, auch über Glaubensbekenntnisse hinweg", so die Ministerin. Der konfessionelle Religionsunterricht trage zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei, "weil er ermöglicht, die Unterschiede zu erkennen, zu benennen, und zu reflektieren; kritisch und fundiert."


Dem bereits traditionellen "Empfang zur Osterzeit" war ein Arbeitsgespräch der Spitzenvertreterinnen und -vertreter der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften mit Ministerin Bauer vorausgegangen. Dabei informierte die Ministerin auch über das Ansinnen von zwei Bekenntnisgemeinschaften - die "Pfingstkirche Gemeinde Gottes in Österreich" und die "Frei-Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich" -, die den Status der gesetzlichen Anerkennung anstreben. Diesen Status vergebe die Republik nicht leichtfertig, es gebe ein genaues und umfassendes Verfahren, weil mit diesem Status besondere Rechte und besondere Pflichten verbunden seien, so Bauer; u.a. eben auch die Erteilung des konfessionellen Religionsunterrichts.


Sie sei sehr dankbar für den guten Austausch und den aktiven Dialog zwischen Staat und Religionen, so die Kultusministerin in ihrer Rede. Dies sei nicht selbstverständlich. In vielen Ländern der Welt wäre man froh "um ein Verhältnis, wie es für uns in Österreich normal ist".


Österreich brauche die Kirchen und Religionsgemeinschaften mehr denn je als "Brückenbauer, Vorbilder und Stimmen der Versöhnung und der Hoffnung", zeigte sich Bauer überzeugt. Und in Richtung der anwesenden Religionsvertreter sagte sie: "Sie erreichen den Menschen dort, wo Politik selbst nicht hinkommt. Sie haben eine Stimme mit Gewicht."


Und die Ministerin fügte hinzu: "Was uns in dieser Runde verbindet - über alle Konfessionen hinweg, ist das gemeinsame Vertrauen auf einen Sinn des Lebens. Es ist die Sicherheit, dass es etwas gibt, das größer und wichtiger ist als wir selbst. Und es ist der gemeinsame Auftrag, sich für den Frieden einzusetzen."


Scheuer: Solidarität mit Papst Leo XIV.

Bei der Unterredung der Ministerin im kleinen Kreis mit den Spitzen der Kirchen und Religionen ergriff für die Katholische Kirche der Linzer Bischof und stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Manfred Scheuer, das Wort. Auch er würdigte das gute Verhältnis von Staat und Kirche bzw. Religionen in Österreich und hob zugleich den universellen Friedensauftrag der Kirche hervor. Diesbezüglich hielt er auch wörtlich fest: "Wir möchten unsere Solidarität mit Papst Leo XIV. in den Auseinandersetzungen und in der Kritik der letzten Wochen äußern."


Scheuer nannte etwa US-Präsident Donald Trump bzw. die politisch Verantwortlichen in den USA nicht direkt beim Namen, zeigte sich aber besorgt, dass es derzeit "in gar nicht so wenigen Ländern eine religiöse Aufladung des Nationalstaates gibt, verbunden mit einer unheilige Ehe zwischen Religion oder Konfession und Nationalismus". Und es gebe "eine Vereinnahmung von christlichen Werten von Macht und Kommerz, die einer Perversion gleich kommen". Glücklicherweise habe man in Österreich einen anderen Umgang miteinander: "Wir sind dankbar sind für das gute Verhältnis zur Republik", so Scheuer: Gleichzeitig sei es auch in Österreich die Aufgabe der Kirche, sich zu äußern, "wenn wir den Eindruck haben, dass uns das Evangelium dazu aufruft".


Der Linzer Bischof machte sich die Worte von Papst Leo in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag (1. Jänner) zu eigen: Es sei ein grundlegender Dienst, den die Religionen der leidenden Menschheit erweisen müssen, "indem sie wachsam bleiben angesichts der zunehmenden Versuche, sogar Gedanken und Worte zu Waffen zu machen". Leider gehöre es zunehmend zum derzeitigen Gesamtbild, "dass Worte des Glaubens Einzug halten in politische Kämpfe, dass Nationalismus gepriesen wird und dass Gewalt und bewaffneter Kampf religiös gerechtfertigt werden". Die Gläubigen müssten diesen "Formen der Blasphemie, die den heiligen Namen Gottes verdunkeln", aktiv entgegentreten, in erster Linie durch ihre Lebensweise, so der Bischof unter Zitierung des Papstes.


Deshalb sei es notwendiger denn je, "zusammen mit dem Handeln das Gebet, die Spiritualität, den ökumenischen und interreligiösen Dialog als Wege des Friedens und als Formen der Begegnung zwischen Traditionen und Kulturen zu pflegen", so Scheuer. Papst Leo plädiere dafür, dass weltweit jede christliche Gemeinde ein "Haus des Friedens" werde, "wo man lernt, Feindseligkeit durch den Dialog zu entschärfen; wo Gerechtigkeit praktiziert wird und Vergebung gelebt wird". Heute sei es mehr denn je nötig, "durch aufmerksame und fruchtbare pastorale Kreativität zu zeigen, dass der Friede keine Utopie ist".


Karfreitag und Ostern

In seiner Ansprache beim Empfang im Kongresssaal des Bundeskanzleramtes ergriff Scheuer nochmals das Wort. Es wäre fatal, so der Vize-Vorsitzende der Bischofskonferenz weiter, wenn das Christentum nur noch als symbolischer Klebstoff in der Gesellschaft dienen würde. Eine Hoffnung ohne Mitleid mit den Schwachen, ein Glaube an die Auferstehung ohne Solidarität mit den Leidenden und Toten wäre hohl und leer. Mit bloßen Forderungen, Kommandos, Postulaten würden die Hungrigen noch nicht gespeist, mit Wunschträumen die Wunden noch nicht geheilt, mit Programmen allein gebe es noch keine Versöhnung.


Freilich, so der Bischof weiter: Ostern ohne Karfreitag wäre eine Illusion, eine billige Vertröstung. Der Karfreitag ohne Auferstehung wäre andererseits aber eine einzige Katastrophe. Scheuer: "Zu Ostern bezeugen Christen und Christinnen den Gott, der ein Freund und Liebhaber des Lebens ist, der die Toten lebendig machen kann und den Opfern der Gewalt Gerechtigkeit widerfahren lässt. Von dieser Hoffnung auf die Schönheit des Lebens und der ganzen Schöpfung, von der Würde des Lebens wollen wir reden."


Freundschaften als Brückenschläge

Ausdrücklich betonte der Bischof den Wert von Freundschaft unter den christlichen Kirchen, aber auch mit den verschiedenen Religionen. "Ich habe euch Freunde genannt", diese Worte Jesu (Joh 15,15) seien eine bleibende Vorgabe und Auftrag, denn "zur wahren Freundschaft gehört eine positive Sicht der Diversität und der Differenz".


Der Bischof verwies in diesem Zusammenhang auf den Philosophen und Autor Ivan Illich, demzufolge es essentiell für eine Gesellschaft und auch international sei, Freundschaften auch mit "anderen", "fremden", "ungleichen" Menschen zu knüpfen und zu pflegen. Scheuer: "Habe ich Freunde unter Künstlern und aus anderen Milieus, Freunde unter den Armen und Menschen mit Beeinträchtigung, aus anderen Ideologien, Kulturen und Religionen. Habe ich Freunde unter Atheisten und Agnostikern, Freundschaft mit Juden und Muslimen, mit evangelischen und orthodoxen Christen?" Er sei überzeugt, so der Bischof, "dass in der Demokratie persönliche Beziehungen und Freundschaften eine große Bedeutung für Brückenschläge verschiedener ideologischer Ausrichtungen haben".


Metropolit: Auferstehungsglaube verändert Welt

Auf die gesellschaftliche Bedeutung des christlichen Auferstehungsglaubens ging der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) ein. Als ein Ereignis des siegreichen Lebens über den Tod, schenke Ostern Hoffnung und sei "die Offenbarung des Sinnes der menschlichen Existenz". In einer Welt, die von Konflikten, Unsicherheit, Hass und Kriegen geprägt sei, "tritt die Auferstehung Christi als Antwort hervor, die die Grenzen menschlicher Möglichkeiten übersteigt".


Der Vorsitzende der orthodoxen Bischofskonferenz betonte: "Es liegt in unserer Verantwortung als Kirchen und Institutionen der Gesellschaft, uns unablässig für den Frieden und die Wahrung des internationalen Rechtes, das den größtmöglichen Schutz aller Menschen im Hier und Jetzt gewährleisten soll, einzusetzen." Die Auferstehung Christi gehöre nicht der Vergangenheit an. "Sie wirkt in der Gegenwart und eröffnet einen Horizont für die Zukunft. Sie ruft uns dazu auf, die Logik der Angst zu überwinden und den Weg des Vertrauens zu wählen. Sie lädt uns ein, die Gesellschaft nicht durch Zwang, sondern durch die Kraft der Liebe und der Wahrheit zu verwandeln", so der Metropolit.


Gesellschaft braucht Feiertage zum Innehalten

Der evangelische Superintendent Matthias Geist ging in seinen Worten auf den biblischen Bericht von den Begegnungen des Auferstandenen mit Maria Magdalena ein. Diese erkennt Jesus Christus, weil er sie beim Namen angesprochen habe. Diese existentielle Erfahrung sei bedeutsam für das Zusammenleben. "Der Mensch wird Mensch, wo er nicht übersehen oder funktionalisiert wird".


Die Gesellschaft brauche das österliche Hinschauen und Wahrnehmen, so Geist. "Es braucht Räume des Innehaltens. Das ist und will auch der Karfreitag sein." Die Gesellschaft brauche diese Unterbrechung des Alltags und des Innehaltens - "dazu sind Feiertage da", gab der Wiener Superintendent zu bedenken.


Zum Osterempfang gekommen waren seitens der Katholischen Kirche neben Bischof Scheuer auch der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl, der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz, die Wiener Weihbischöfe Franz Scharl und Stephan Turnovszky sowie Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka. Mit Wolfgang Mazal, Ferdinand Kaineder und Matthias Tschirf waren auch die Präsidenten des Katholischen Laienrats, der Katholischen Aktion und der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände anwesend. Unter den Gästen waren auch die Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz, Sr. Christine Rod, und die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung, Angelika Ritter-Grepl.


An der Begegnung nahmen weiters teil u.a. Oberrabbiner Jaron Engelmayer, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Ümit Vural, der Präsident der Buddhistischen Religionsgesellschaft, Gerhard Weißgrab, der syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin und Walter Hessler von der Neuapostolischen Kirche.