Die Träger:inneninitiative Elementare Bildung Wien sieht darin eine strukturelle Benachteiligung, die langfristig Qualität, Personal und Chancengleichheit gefährde. Sie fordert von der Stadt Wien rasche Reformen und Gespräche „auf Augenhöhe“.
Die aktuellen Zahlen der Stadt Wien zur Finanzierung von Kindergartenplätzen sorgen erneut für Kritik privater Träger:innen. Laut veröffentlichten Daten kostet ein Platz in einem städtischen Kindergarten durchschnittlich 13.767 Euro pro Jahr, während private Einrichtungen im Schnitt lediglich 9.088 Euro pro Kind erhalten. Für die betroffenen Organisationen ist diese Differenz politisch und sachlich nicht mehr nachvollziehbar.
Die Stadt begründet die höheren Kosten unter anderem mit rund 1.500 Inklusionsplätzen in städtischen Einrichtungen. Private Träger:innen halten dagegen, dass dieser Anteil bei mehr als 30.000 betreuten Kindern rechnerisch kaum ins Gewicht falle. Zudem seien private Betreiber jahrelang von Integrationsgruppen ausgeschlossen gewesen. Erst seit dem Kindergartenjahr 2024/25 dürfen Kinder mit erhöhtem Betreuungsbedarf offiziell auch in Regelgruppen privater Einrichtungen aufgenommen werden.
Damit verbunden sei jedoch ein hoher organisatorischer und finanzieller Aufwand. Für zusätzliche Fördermittel brauche es unter anderem eine ICD-Diagnose sowie individuelle Teilhabepläne. Bis zur Vorlage dieser Unterlagen müssten die Träger:innen die Betreuungskosten selbst tragen, was die Finanz- und Personalplanung erheblich erschwere. Die Organisationen Kinder in Wien (KIWI), Diakonie Bildung, Kinderfreunde Wien und St. Nikolausstiftung kritisieren außerdem die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen. Während in städtischen Einrichtungen eigene Gehaltsschemata gelten, werden Beschäftigte privater Träger:innen meist nach Mindestlohntarifen bezahlt. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit sei mit den derzeitigen Fördermodellen nicht finanzierbar.
Zusätzlichen Zündstoff liefert ein Bericht des Stadtrechnungshofs. Dieser hält fest, dass die Kostenrechnung der städtischen Kindergärten in mehreren Jahren unvollständig gewesen sei und nicht alle Ausgaben berücksichtigt habe. Die tatsächlichen Kosten der Stadt könnten daher noch höher liegen.
Die Träger:inneninitiative fordert deshalb ein neues, transparentes Fördersystem, kleinere Gruppen, bessere Personalschlüssel sowie eine faire und einheitliche Bezahlung aller Beschäftigten. Gleichzeitig warnen die Organisationen vor einer schleichenden Schwächung der Horte, die nicht zu reinen Betreuungseinrichtungen degradiert werden dürften. Auch Hortangebote müssten künftig kostenfrei zugänglich sein.
Die 2020 gegründete Träger:inneninitiative Elementare Bildung Wien vertritt gemeinsam rund 28.000 Kinder und deckt etwa 30 Prozent des elementaren Bildungs- und Betreuungsangebots in Wien ab. Die beteiligten Organisationen arbeiten gemeinnützig und werden jährlich extern geprüft.