Fünfzig Tage nach Ostern feiert die Kirche Pfingsten. Nach Weihnachten und Ostern gehört es zu den großen Festen des Christentums. Im Mittelpunkt steht nicht ein Brauch, sondern eine Erfahrung: Die Jünger Jesu, verunsichert nach Tod und Auferstehung ihres Herrn, werden vom Heiligen Geist erfüllt. Aus einer kleinen, ängstlichen Gruppe wird eine Gemeinschaft, die hinausgeht und die Frohe Botschaft verkündet. Darum wird Pfingsten auch als „Geburtstag der Kirche“ bezeichnet. Nicht, weil an diesem Tag eine Institution gegründet wurde wie ein Verein. Sondern weil hier sichtbar wird, was Kirche im Innersten meint: Menschen lassen sich von Gottes Geist bewegen, finden Sprache für ihren Glauben und tragen Hoffnung in die Welt.
Der Name Pfingsten kommt vom griechischen „pentekoste“, der fünfzigste Tag. Die Wurzeln des Festes reichen in das jüdische Wochenfest zurück, das ursprünglich mit Ernte und Erstlingsfrüchten verbunden war und später auch an den Bund Gottes mit seinem Volk erinnerte. Die Apostelgeschichte erzählt das christliche Pfingstereignis mit starken Bildern: Sturm, Feuerzungen und das Wunder, dass Menschen einander über Sprachgrenzen hinweg verstehen.
Wer am Pfingstsonntag, 24. Mai, keinen Gottesdienst besuchen kann, hat heuer auch über Fernsehen und Radio die Möglichkeit mitzufeiern. ServusTV überträgt ab 8.55 Uhr die Heilige Messe aus der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Rain/ihpolje in Kärnten. Pfarrer Ulrich Kogler feiert den Gottesdienst, musikalisch gestaltet von der rhythmischen Gruppe „MariLu“.
Von 10 bis 11 Uhr senden die ORF-Regionalradios österreichweit den Pfingstgottesdienst aus der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Leonhard im Lavanttal. Dechant Martin Edlinger stellt dabei die Frage in den Mittelpunkt, wo Menschen heute Halt, Mut und Zuversicht finden. Beide Gottesdienste greifen damit zentrale Pfingstthemen auf: Hoffnung, Erneuerung, Frieden und die Kraft des Heiligen Geistes im Alltag.
Besonders sichtbar wird Pfingsten auch heuer bei den Pfingstfesten der katholischen Loretto-Gemeinschaft. Von 23. bis 24. Mai werden mehrere Tausend Jugendliche und junge Erwachsene an 32 Standorten in Österreich, Deutschland, Südtirol und der Schweiz erwartet. In Österreich wird unter anderem in Linz, Klagenfurt, Wien, Bregenz, Innsbruck, Salzburg, Graz, Wiener Neustadt und im Mostviertel gefeiert. Das „Fest der Jugend“ entstand im Jahr 2000 im Salzburger Dom und versteht sich heute als überregionales Glaubensfestival. Neben Lobpreis und Gottesdiensten gibt es Vorträge, Gebet, Freizeitangebote und Livestream-Verbindungen zwischen den Standorten. Beim Salzburger „Mutterevent“ werden rund 600 Teilnehmende erwartet. Ein Höhepunkt ist der „Abend der Barmherzigkeit“ im Salzburger Dom mit Eucharistischer Anbetung und Beichtmöglichkeit.
In Innsbruck steht Pfingsten unter einem gesellschaftspolitischen Vorzeichen. Bischof Hermann Glettler und Superintendent Olivier Dantine laden am 21. Mai zum ökumenischen Pfingstempfang ins Haus der Begegnung. Anlass ist das 25-jährige Bestehen der Allianz für den freien Sonntag. Im Zentrum steht die Frage, warum gemeinsame freie Zeiten für Familien, Gesellschaft, Glauben und seelische Gesundheit wichtig bleiben.
Auf Schloss Seggau in der Steiermark widmet sich der Pfingstdialog „Geist & Gegenwart“ am 20. und 21. Mai dem Thema „EUROPA(s)STÄRKEN“. Mit dabei sind unter anderem Bischof Wilhelm Krautwaschl und Kardinal Ladislav Német. Diskutiert wird, welche Kräfte Europa heute braucht: Demokratie, Menschenrechte, Religionsfreiheit, Wissenschaft, Rechtsstaatlichkeit und ein tragfähiges Miteinander.