Die 400-jährige Geschichte von Barnabiten und Salvatorianern in Wien stand im Mittelpunkt des Symposions "Geteiltes Erbe", das am Samstag im Salvatorianerkloster St. Michael in Wien stattfand. Eine Führung durch die historischen Gebäude, die Präsentation eines neuen Buches sowie wissenschaftliche Vorträge beleuchteten die gemeinsame Geschichte und das geistliche Erbe beider Ordensgemeinschaften.
Das Symposion habe deutlich gemacht, welch bedeutenden Beitrag die Barnabiten über Jahrhunderte zur religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung Österreichs geleistet haben, hieß es in einer Aussendung am Montag. Gleichzeitig sei sichtbar geworden, wie eng die Geschichte von Barnabiten und Salvatorianern miteinander verbunden ist und wie sehr dieses gemeinsame Erbe bis heute nachwirkt. - Die Salvatorianer übernahmen nach der Auflösung der österreichischen Provinz der Barnabiten 1922 zahlreiche Einrichtungen des Ordens.
Den Auftakt der Feierlichkeiten bildete die Führung "Auf den Spuren der Barnabiten" durch die Michaelerkirche und das Kolleggebäude. P. Peter van Meijl, Ordenshistoriker, Leiter des Provinzarchivs und ehemaliger Pfarrer von St. Michael, führte die Gäste, darunter den Generaloberen der Barnabiten, P. Ntale Majaliwa Etienne, durch das geschichtsträchtige Bauwerk. Dabei vermittelte er zahlreiche Einblicke in die gemeinsame Geschichte von Barnabiten und Salvatorianern und erläuterte die historischen Hintergründe dieses besonderen Ortes.
Am Nachmittag stand die historische Barnabiten-Bibliothek im Salvatorianer-Kolleg im Mittelpunkt. Nach der Begrüßung durch Provinzvikar P. Franz Tree stellte Martin Kolozs, Mitarbeiter des Provinzarchivs der Salvatorianer, den neu erschienenen Sammelband "Geteiltes Erbe. 400 Jahre Barnabiten und Salvatorianer in Österreich (1626-2026)" vor. Das Werk vereint Beiträge renommierter Historiker und Kunsthistoriker und widmet sich zentralen Aspekten der gemeinsamen Geschichte beider Ordensgemeinschaften.
Den Reigen der Fachvorträge eröffnete der Kunsthistoriker Prof. Richard Bösel. In seinem Referat präsentierte er neue Forschungsergebnisse zur Baugeschichte der Barnabiten in Österreich. Anhand bislang wenig beachteter Archivbestände aus Mailand und Rom zeigte er die Bedeutung des Ordens für die Entwicklung barocker Architektur in Wien und Niederösterreich auf.
Besondere Aufmerksamkeit galt dem Michaelerkolleg, dessen Baugeschichte durch neu entdeckte Planunterlagen aus dem Jahr 1663 genauer rekonstruiert werden konnte. Bösel machte deutlich, wie eng Architektur, Seelsorge und gesellschaftliche Repräsentation miteinander verbunden waren und welchen Beitrag die Barnabiten zur kulturellen Entwicklung Österreichs geleistet haben.
Der Historiker Benjamino Cantonati widmete sich der Johannes-von-Nepomuk-Bruderschaft in Mistelbach, einer der bedeutendsten religiösen Vereinigungen des 18. Jahrhunderts in Niederösterreich. Die von den Barnabiten gegründete Bruderschaft stellte den Schutz des guten Rufes und die Verehrung des heiligen Johannes von Nepomuk in den Mittelpunkt ihres Wirkens.
Anhand zahlreicher historischer Quellen zeichnete Cantonati nach, wie die Barnabiten das religiöse und gesellschaftliche Leben der Region prägten. Die Bruderschaft entwickelte sich zu einer der wohlhabendsten und einflussreichsten ihrer Zeit und verband Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten. Zugleich zeigte der Vortrag, wie tief die Verehrung des Heiligen Johannes von Nepomuk im religiösen Alltag Niederösterreichs verankert war.
P. Filippo Lovison, Professor für Geschichte und kirchliches Kulturerbe an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, richtete den Blick auf ein wenig bekanntes Kapitel der Ordensgeschichte: die österreichische Provinz der Barnabiten und ihre Auflösung im Jahr 1922. Anhand bislang kaum ausgewerteter Quellen aus dem Generalarchiv des Ordens in Rom zeichnete er die Entwicklung der Provinz nach und zeigte die Herausforderungen auf, mit denen die Gemeinschaft in den letzten Jahrzehnten ihres Bestehens konfrontiert war. Besonderes Augenmerk legte Lovison auf die Frage, ob und unter welchen Bedingungen eine Rückkehr der Barnabiten nach Österreich möglich gewesen wäre.
Mit der Auflösung der österreichischen Barnabitenprovinz begann zugleich ein neues Kapitel. Im Jahr 1923 übernahmen die Salvatorianer die pastorale Verantwortung für die bisherigen Barnabitenhäuser, darunter St. Michael und Mariahilf in Wien sowie St. Martin in Mistelbach. Lovison würdigte die Rolle der Salvatorianer bei der Fortführung der seelsorglichen Arbeit und betonte, dass die Geschichte der Barnabiten in Österreich ohne das Engagement ihrer Nachfolger nicht vollständig verstanden werden könne. Das gemeinsame Erinnern an diese Vergangenheit sei zugleich ein Auftrag für die Zukunft.
Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete am Sonntag ein feierlicher Dankgottesdienst in der Michaelerkirche, den die Salvatorianer gemeinsam mit einer Delegation der Barnabiten begingen Quelle:kap