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kathpress/Klingen
13.08.2026

Theologin Zechmeister: Plädoyer für "Zivilisation der Armut"

Österreichisch-salvadorianische Befreiungstheologin und Ordensfrau im Interview mit heimischen Kirchenzeitungen: "Wenn ich das Lebensmodell Europas und erst recht das der USA universalisieren würde, wäre das morgen das Aus der Menschheit"

Für eine "Zivilisation der Armut" hat einmal mehr die österreichisch-salvadorianische Befreiungstheologin und Ordensfrau Martha Zechmeister plädiert. Dass nur Wachstum der Motor der Menschheit ist, also die Anhäufung von Kapital, sei eine "tödliche Logik, die den Suizid der Menschheit bedeutet", so Zechmeister im Interview mit der Kooperationsredaktion der heimischen Kirchenzeitungen (Donnerstag): "Wenn ich das Lebensmodell Europas und erst recht das der USA universalisieren würde, wäre das morgen das Aus der Menschheit. Das hält der Planet einfach nicht aus."

 

Die Grundidee einer Zivilisation der Armut müsse lauten: "Wie leben wir, dass die Grundbedürfnisse aller zu befriedigen sind?" Dazu müsse man die grundlegenden Bedürfnisse zuerst erkennen und benennen. Es reiche nicht, so die Ordensfrau, "weniger Fleisch zu essen und den Müll zu trennen". Sie sei nicht dagegen, "aber das allein ist zu wenig".

Es sei eine Frage der Prioritäten: "Denken Sie zum Beispiel an die Pflege. Es ist uns in Europa wichtig, wie wir wohnen, welches Auto wir haben, wohin wir auf Urlaub fahren und wo wir speisen. Dafür ist uns keine Ausgabe zu teuer. Aber in Pflegeleistungen wollen wir möglichst wenig investieren! Dafür reicht das Geld nicht. Wo bleibt da die Menschlichkeit?"

Trotz aktueller Entwicklungen zeigte sich Zechmeister zuversichtlich: "Wir können Zeichen der Hoffnung setzen. Auch Jesus hat nicht alle Kranken auf der Welt geheilt oder allen Hungernden etwas zu essen gegeben. Er hat mit einigen Menschen das Essen geteilt, ein paar Kranke geheilt." Nachsatz: "Mit sturer Hartnäckigkeit können auch wir messianische Zeichen der Hoffnung setzen."

 

Die Theologin Dorothee Sölle habe es so formulierte: Dem Meer des Todes Inseln des Lebens abgewinnen. Zechmeister dazu: "Das Meer des Todes scheint übermächtig. Ich kann resignieren und sagen, da kann man nichts machen. Oder ich gebe nicht auf, Lebensräume zu schaffen und zu schützen. Das hat politische Sprengkraft. Aber man kann nichts mit Gewalt herbeizwingen."

 

"Ich verkaufe keine naiven Rezepte"

 

Zur Frage, wie die Politik Lebensräume schaffen kann, meinte die Ordensfrau und Theologin, dass sie keine leichten Lösungen anbieten könne. "Angela Merkels christlicher Ansatz, Flüchtlinge nicht einfach auszusperren, hat den Aufschwung der Rechtsautoritären befeuert. Ich verkaufe keine naiven Rezepte." Aber es gebe da wie dort Gestaltungsspielraum, so Zechmeister: "Wir feiern als Christen die Erlösung, die von einem Gescheiterten kommt. Das Modell ist ja kein Erfolgsmodell. Jesus scheitert. Aber von dort kommt Erlösung!"

 

"Theologische Preis" der Salzburger Hochschulwochen

Die aus Österreich stammende Ordensfrau und Theologin Martha Zechmeister wurde vergangene Woche mit dem "Theologischen Preis" der Salzburger Hochschulwochen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Zechmeister wurde 1956 in Kotting/Niederösterreich geboren. Von 1974 bis 1979 studierte sie Theologie und Religionspädagogik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. 1979 trat sie in die "Congregatio Jesu" (Maria-Ward-Schwestern) ein. 1984 wurde sie an der Universität Wien mit einer Arbeit über Ignatius von Loyola promoviert. 1987 legte sie die Ewige Profess ab.

 

In der Folge lehrte sie u. a. an der Philosophisch-theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten, als Lehrbeauftragte für Spirituelle Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck und als Gastprofessorin an der Universidad Centroamericana "José Simeón Cañas" in El Salvador. 1997 habilitierte sie sich an der Universität Wien mit einer Arbeit über Erich Przywara, für die sie den Kardinal-Innitzer-Förderungspreis für Theologie erhielt.

 

Im selben Jahr wurde sie zur Außerordentlichen Universitätsprofessorin ernannt. Von 1999 bis 2008 war sie Professorin für Fundamentaltheologie an der Universität Passau. Seit 2009 ist sie Professorin an der Universidad Centroamericana "José Simeón Cañas" und dort seit 2012 Direktorin des Masterstudiengangs Teología Latinoamericana.

(kap)