Einsamkeit, Hitzebelastung, körperliche und psychische Erkrankungen sowie Beziehungsprobleme zählen derzeit zu den häufigsten Gesprächsthemen bei der Telefonseelsorge Wien. Die Hitze verstärke vorhandene Belastungen - psychische als auch körperliche Erkrankungen - und auch Einsamkeit sei bei der Hitze schwerer zu ertragen, erklärte Antonia Keßelring, Leiterin der Telefonseelsorge Wien, im Ö1-Interview. Es sei immer besser, mit jemandem über die Belastungen zu reden, als still zu leiden, so die Seelsorgerin. Die Telefonseelsorge ist österreichweit kostenfrei und rund um die Uhr unter der Telefonnummer 142 erreichbar. Beratungen werden auch per E-Mail, Chat und WhatsApp angeboten.
"Viele Menschen wohnen in Wien in sehr heißen Wohnungen, die nicht mehr abkühlen. Und das bedeutet auch, dass ihr Schlaf sehr schlecht wird", berichtete Keßelring. Viele Menschen klagten darüber, dass sie müde sind und keinen Antrieb mehr haben. Bei der Telefonseelsorge versuche man zuallererst, durch Zuhören entlastend zu wirken und im Gespräch gemeinsam kleine Schritte der Selbstfürsorge zu finden. "Gibt es ein Getränk, ein gekühltes, was mir hilft? Wo könnte ich einen Ort finden, wo es ein bisschen kühler ist?" Gemeinsam mit den Anruferinnen und Anrufern entwickeln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge Entlastungsstrategien und vermitteln bei Bedarf an professionelle Hilfsangebote.
Hinzu komme, dass viele therapeutische und medizinische Angebote in den Sommermonaten pausieren. Einsamkeit habe daher "Hochsaison" und das Bedürfnis nach einem offenen Gespräch steige, teilte die Telefonseelsorge Wien in einer Aussendung mit. Während andere auf Urlaub fahren, müssen sie den Sommer in ihren aufgeheizten Wohnungen verbringen. "Da fällt vielen die Decke auf den Kopf, weil sie sich zurückgelassen und alleine fühlen", erklärte Keßelring, die gemeinsam mit Carola Hochhauser von der Evangelischen Kirche Wien die ökumenische Einrichtung führt.
Auch das Plaudernetz der Caritas bietet "schnelle Hilfe in Momenten der Einsamkeit" und soll gemeinschaftliche Teilhabe auf Augenhöhe übers Telefon ermöglichen. Österreichweit können sich Generationen, Männer und Frauen und Menschen mit unterschiedlichen Weltanschauungen vernetzen. Da das Plaudernetz ortsunabhängig und zeitlich flexibel funktioniert, können sich auch Menschen, die sich als Plauderpartner engagieren, Einsamkeit vertreiben und sich sozial engagieren. Täglich von 10 bis 22 Uhr, auch am Wochenende und an Feiertagen, erreichen Anrufer Plauderpartner unter der Telefonnummer 05 1776 100. Die Caritas weist darauf hin, dass das Plaudernetz keine Notfallnummer, sondern eine Gelegenheit zum Plaudern ist.
Gegen Einsamkeit, aber auch gegen die große Hitzebelastung wollen die Klimaoasen der Caritas Abhilfe verschaffen. In der Erzdiözese Wien stehen 24 pfarrliche Klimaoasen offen, in denen Menschen soziale Kontakte, Schatten, Getränke und kleine Mahlzeiten finden. Vor Kurzem hat die Caritas Salzburg ihre erste Klimaoase in der Pfarre St. Paul eröffnet. "Die Klimaoase ist ein Ort der Begegnung, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen, neue Kontakte knüpfen und Gemeinschaft erleben können", erklärte der Salzburger Caritas-Direktor Kurt Sonneck. Besonders ältere Menschen, Personen mit geringem Einkommen, Menschen in aufgeheizten Wohnungen oder Personen, die von Einsamkeit betroffen sind, würden von niederschwelligen Angeboten profitieren.
Ein niederschwelliges Angebot gegen Einsamkeit bietet auch die Caritas Wien mit ihren "Plauderbankerln". Die mit einer Plakette gekennzeichneten Sitzbänke laden dazu ein, mit anderen Menschen ungezwungen ins Gespräch zu kommen. Das Konzept wird von Pfarren eigenständig umgesetzt: Manche bieten zu fixen Zeiten Gespräche mit Ehrenamtlichen an, andere verstehen die Bänke als offenen Begegnungsort. Ein besonderes Angebot gibt es am Hernalser Friedhof, wo Freiwillige regelmäßig als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Auf dem Friedhof in Hennersdorf bieten zwei Palliativfachkräfte zu festgelegten Zeiten Gespräche zu Trauer und Abschied an.
Quelle: kathpress