Ein vergessener Glaubensort erwacht zu neuem Leben
Die Geschichte der kleinen Mariengrotte reicht vermutlich bis um 1800 zurück. Im Laufe der Jahre geriet sie zunehmend in Vergessenheit und war schließlich so stark überwuchert, dass sie vom Pfarrgarten und von der Straße aus kaum noch zu sehen war. Eine engagierte Gruppe nahm sich der Gebetsstätte an und investierte neben finanziellen Mitteln rund 750 ehrenamtliche Arbeitsstunden. Etwa zehn Tonnen Material mussten über einen schmalen Weg zur Grotte transportiert werden. Ermöglicht wurde die Renovierung vor allem durch Eigenleistungen und Spenden. Eine Staatzer Familie stellte zudem eine Marienstatue zur Verfügung, die mit einem Schutzglas versehen wurde. Dank zahlreicher Helfer entstand so wieder ein gepflegter und einladender Ort des Glaubens.
Maria als Vorbild für unser „Ja“
In seiner Predigt zum Fest Mariä Aufnahme in den Himmel rückte Weihbischof Turnovszky Maria und die Leibhaftigkeit in den Mittelpunkt. Maria sei nicht allein deshalb selig zu nennen, weil sie die Mutter Jesu war. Entscheidend sei ihre Bereitschaft gewesen, sich auf Gottes Wort einzulassen und ihm zu vertrauen, ohne ihren weiteren Weg zu kennen. Ihr „Ja“ zu Gott könne daher auch den Menschen heute als Vorbild dienen. Gerade im Alltag sei dieses Vertrauen eine Herausforderung. Jeder Mensch stoße an zeitliche, körperliche und persönliche Grenzen. Maria könne helfen, diese anzunehmen und zugleich darauf zu vertrauen, dass Gott den eigenen Weg begleitet. Die Grotte solle deshalb auch ein Ort sein, an dem Menschen ihre Sorgen, Bitten und Gebete der Gottesmutter anvertrauen und auf ihre Fürsprache hoffen können.
Ein konkreter Ort des Glaubens
Der zweite Gedanke der Predigt galt der leibhaftigen Aufnahme Mariens in den Himmel. Die christliche Hoffnung richte sich nicht nur auf ein Weiterleben in der Erinnerung, sondern auf die Vollendung des ganzen Menschen mit Leib und Seele. Glaube finde daher nicht ausschließlich in Gedanken statt, betonte Turnovszky. Menschen pilgern, feiern gemeinsam Gottesdienst und empfangen in der Eucharistie Christus selbst. Auch die Mariengrotte sei ein solcher konkreter Ort – für Gebet und stille Einkehr, für Dank und persönliche Anliegen.
Im Rahmen des Gottesdienstes wurde die Grotte mit Gebet und Weihwasser feierlich ihrer neuen Bestimmung übergeben. Die Gläubigen konnten außerdem eine persönliche Segnung empfangen. Anschließend klang der Festtag bei einer Agape im Pfarrgarten aus.
Künftig soll die Grotte regelmäßig für Mai- und Marienandachten sowie gelegentliche Gottesdienste genutzt werden. Damit ist in Staatz ein beinahe vergessener Platz neu entstanden – als Ort des Gebets, der Begegnung und der Hoffnung.