Menschen dürften sich durch kirchlichen Dienst nicht „zerquetscht“ fühlen, sondern sollten „ermuntert, aufgebaut und gesammelt werden“. Diesen Auftrag gab Weihbischof Franz Scharl drei Zisterziensern mit auf den Weg, die er am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel in der Abteikirche Heiligenkreuz zu Diakonen weihte.
Pater Wilhelm Mauser OCist, Pater Melchisedek Langhammer OCist und Pater Clemens Maria Spranger OCist empfingen die Weihe durch Handauflegung und Gebet. Zahlreiche Angehörige, Freunde und junge Menschen feierten den Gottesdienst mit der Klostergemeinschaft.
In seiner Predigt stellte Scharl das Vorbild Jesu in den Mittelpunkt. Dieser sei gekommen, „zu dienen, sich nicht bedienen zu lassen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“. Damit sei das Wesentliche über den Auftrag eines Diakons bereits gesagt: Die Weihe bedeute Dienst vor Gott, mit den Menschen und an den Menschen. Als weiteres Vorbild verwies der Weihbischof auf den heiligen Diakon Laurentius, der die Armen als den wahren Reichtum der Kirche bezeichnet habe. Einen Heiligen zu feiern sei schön, ihn nachzuahmen jedoch noch schöner – und zugleich eine große Herausforderung. Auch Maria habe ihr ganzes Leben in den Dienst Gottes gestellt. Ihr Ja zu Gottes Plan sei der Beginn eines Weges gewesen, auf dem sie ihre ganze Existenz eingesetzt habe. Das Hochfest ihrer Aufnahme in den Himmel zeige gleichsam den Zieleinlauf dieses Weges. Im Magnificat verkünde Maria einen Gott, der die Niedrigen erhöhe und die Mächtigen vom Thron stürze. Gott habe es nicht nötig, die Niedrigen noch weiter zu erniedrigen, betonte Scharl. Vielmehr richte er sie auf. Ausführlich ging der Weihbischof auf die Bereitschaftserklärungen der Weihekandidaten ein. Diakone seien nicht für sich selbst da, sondern sollten gemeinsam mit Bischof und Priestern zum Wohl der Menschen wirken. Der Glaube sei dabei ein Schatz, der treu gehütet werden müsse. Schätze seien jedoch nicht dazu bestimmt, versteckt oder vergraben zu werden. Vielmehr gelte es, diesen Schatz in Menschen zu investieren und sie dadurch aufzubauen.
Das Gebet bezeichnete Scharl als unverzichtbare Verbindung zu Gott. Wie ein Oberleitungsbus ständig den Kontakt zur Stromleitung brauche, benötigten auch Diakone einen dauernden „Energieanschluss“. Gerade das Stundengebet helfe ihnen, in den Herausforderungen des Lebens nicht den Halt zu verlieren. Zu den zentralen Aufgaben des Diakons gehöre außerdem, Armen und Kranken beizustehen sowie Heimatlosen und Notleidenden zu helfen. Menschen seien in solchen Situationen besonders verletzlich. Was ihnen an Gutem getan werde, bleibe sowohl bei ihnen als auch vor Gott unvergessen.
Schließlich rief Scharl die Weihekandidaten dazu auf, ihr Leben nach dem Bild Jesu Christi zu gestalten. Christus mache den Menschen nicht klein, sondern eröffne ihm eine große Weite – bis hin zum Auftrag, sogar die Feinde zu lieben. Dieser Lebensstil könne Gemeinschaft und Gesellschaft verändern, brauche aber Geduld und gegenseitige Unterstützung. Auf die Bereitschaftserklärungen antworteten die drei Kandidaten jeweils: „Mit Gottes Hilfe bin ich bereit.“ Darin zeige sich der Realismus der Kirche, sagte Scharl: Der Mensch trage Verantwortung für sein eigenes Leben und für andere, sei dabei aber auf Gottes Hilfe angewiesen. Den entscheidenden Schlusspunkt bilde deshalb die Zusage: „Gott selbst vollende das gute Werk, das er in dir begonnen hat.“