Papst Leo XIV. hat den österreichischen Theologen, Philosophen und Sozialethiker Peter G. Kirchschläger zum Berater des vatikanischen Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen ernannt. Der 49-Jährige gehört dem zwölfköpfigen Expertengremium für eine Amtszeit von fünf Jahren an.
Die päpstliche Behörde befasst sich unter anderem mit Entwicklungszusammenarbeit, Migration, Umweltschutz und humanitären Krisen. Ebenfalls neu in den Beraterkreis berufen wurde der deutsche Priester Peter Klasvogt, Rektor des Campo Santo Teutonico in Rom. Kirchschläger sprach gegenüber Kathpress von einer außerordentlichen Ehre, die zugleich mit großer Verantwortung verbunden sei. Das ihm von Papst Leo XIV. entgegengebrachte Vertrauen wolle er durch seine wissenschaftliche Arbeit rechtfertigen und damit zur Erfüllung der Aufgaben des Dikasteriums beitragen. Von der Zusammenarbeit im international besetzten Gremium erwartet er einen fruchtbaren Austausch unterschiedlicher fachlicher, kultureller und geografischer Sichtweisen.
Schwerpunkt auf weltweiter KI-Regulierung
Ein zentrales Arbeitsfeld Kirchschlägers ist die ethische Gestaltung künstlicher Intelligenz. Zu diesem Thema hatte der Wissenschaftler bereits eng mit dem Vatikan zusammengearbeitet. Papst Franziskus griff während seines Pontifikats zwei Forderungen aus Kirchschlägers Forschung auf: die Schaffung einer menschenrechtsbasierten weltweiten Regulierung von KI und die Einrichtung einer Internationalen Agentur für datenbasierte Systeme bei den Vereinten Nationen.
Auch UN-Generalsekretär António Guterres unterstützte entsprechende Überlegungen. Papst Leo XIV. führt diese Linie fort. Die Forderungen finden sich ebenfalls in seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“, die den Schutz des Menschen im Zeitalter künstlicher Intelligenz behandelt.
Kirchschläger will sich im vatikanischen Beratungsgremium dafür einsetzen, den technologischen Fortschritt aus der Abhängigkeit weniger globaler Großkonzerne zu lösen. KI müsse allen Menschen zugutekommen und zugleich dem Schutz des Planeten dienen. Neben der Technikethik möchte er seine Expertise in den Bereichen Menschenwürde, Menschen- und Kinderrechte, Wirtschafts- und Finanzethik sowie verantwortungsvolle Unternehmensführung einbringen.
Entwicklungszusammenarbeit nicht für Eigeninteressen nutzen
Handlungsbedarf sieht der Sozialethiker auch bei der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Staaten des Globalen Nordens dürften diese nicht zunehmend zur Förderung ihrer eigenen Wirtschaft oder zur Durchsetzung nationaler Interessen verwenden. Ihr eigentliches Ziel müsse es bleiben, weltweit gerechtere Lebensbedingungen zu schaffen.
Der katholischen Kirche schreibt Kirchschläger bei diesen Fragen eine wichtige Orientierungsfunktion zu. Gemeinsam mit anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften könne sie ethische Maßstäbe vermitteln und sich dabei auf Prinzipien wie Menschenwürde, Menschenrechte, Solidarität und Subsidiarität stützen. Die religiöse und spirituelle Perspektive des Dikasteriums versteht er als Ergänzung seiner wissenschaftlichen Arbeit. Zwischen Glauben und Wissenschaft sieht der Theologe keinen Widerspruch.
## Enkel des früheren Bundespräsidenten
Peter G. Kirchschläger wurde 1977 in Wien geboren. Er ist der Sohn des Bibelwissenschaftlers Walter Kirchschläger und damit ein Enkel des früheren österreichischen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger. Dieser stand von 1974 bis 1986 an der Spitze der Republik und hatte zuvor als Außenminister und Diplomat gewirkt.
Seit 2017 ist Peter G. Kirchschläger Ordinarius für Theologische Ethik und Leiter des Instituts für Sozialethik an der Universität Luzern. Seit 2023 lehrt er zudem als Gastprofessor an der ETH Zürich und arbeitet am dortigen ETH AI Center – als erster Theologe in dieser Funktion. Frühere Forschungsstationen führten ihn unter anderem an die University of Chicago und die Yale University. Kirchschläger ist verheiratet und Vater zweier Töchter.
Quelle kap