Dieser Satz des geistlichen Autors Johannes Bours steht am Beginn von Andreas Batloggs neuem Buch „Heilig sein 2.0“. Er bringt zugleich dessen Grundgedanken auf den Punkt: Heiligkeit ist keine religiöse Höchstleistung, sondern eine Weise zu leben.
Der Jesuit und Publizist wendet sich gegen das verbreitete Bild von Heiligen als nahezu makellosen Menschen. Wer Heiligkeit mit Perfektion, Tugendrekorden oder asketischen Spitzenleistungen verbindet, macht sie für den Alltag unerreichbar. Batlogg versteht sie anders: als ehrliches und aufrichtiges Leben, das nicht ständig um die eigene Person kreist, sondern den Blick für andere öffnet.
Die biblischen Bilder vom „Salz der Erde“ und vom „Licht der Welt“ werden für ihn erst durch konkrete Lebensgeschichten verständlich. Heilige sind demnach keine entrückten Ausnahmegestalten. Es sind Menschen mit Brüchen, Grenzen und Fehlern, deren Leben dennoch etwas von Gott erkennen lässt. Auch Vorbilder müssen deshalb nicht unkritisch verehrt werden. Batlogg nennt Heilige, die ihn persönlich geprägt haben – darunter Franz von Assisi, Ignatius von Loyola, Teresa von Ávila, Charles de Foucauld und Mutter Teresa. Zugleich hinterfragt er die auffallend zahlreichen Heiligsprechungen von Päpsten im 20. Jahrhundert.
Anschaulich wird sein Zugang an einer ungewöhnlichen Aktion in der Propstei St. Gerold in Vorarlberg. Während einer Renovierung ließ der Benediktiner Martin Werlen Heiligenfiguren buchstäblich von ihren Sockeln holen und mitten im Haus aufstellen. Eine Marienfigur erhielt einen Besen, eine Pietà fand ihren Platz auf einem Schutthaufen. Die vertrauten Figuren erschienen dadurch plötzlich in einem neuen Licht: nicht fern und unberührbar, sondern nahe an den Erfahrungen des menschlichen Lebens. Die Kirchenzeitung veröffentlicht dazu derzeit eine vierteilige Serie Batloggs.
„Heilig sein 2.0. Christliche Lebenskunst im 21. Jahrhundert“ umfasst 192 Seiten und ist im August bei Herder erschienen. Batlogg, 1962 in Vorarlberg geboren und seit 1985 Jesuit, lebt heute in Wien.
Am 3. Oktober folgt sein Buch über Erzbischof Josef Grünwidl. Das gemeinsam von Tyrolia und dem Wiener Dom-Verlag herausgegebene Porträt trägt den Titel „Für euch Bischof, mit euch Christ“. Eine Präsentation ist für 15. Oktober im Wiener Dominikanerkloster angekündigt. Weitere Informationen