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24.08.2026

Zwischen Trümmern und Hoffnung: Wiener Hilfsaktion für den Libanon

Mehr als eine Million Menschen sind im Libanon auf der Flucht. Der Nahost-Experte Manuel Baghdi berichtet von zerstörten Dörfern, großer Hilfsbereitschaft und einer Hoffnung, die trotz aller Angst nicht verstummt. Erzbischof Josef Grünwidl unterstützt eine Spendenaktion aus der Erzdiözese Wien.

Wenn die Menschen im Südlibanon in ihre Heimatorte zurückkehren, stehen viele von ihnen vor den Trümmern ihrer Häuser. Dörfer, in denen Christen, Sunniten, Schiiten und Drusen über Jahrhunderte zusammengelebt haben, sind schwer zerstört. „Bomben unterscheiden nicht zwischen Christen und Nichtchristen“, sagt Manuel Baghdi, Nahost- und Flüchtlingsbeauftragter von Kardinal Christoph Schönborn.

Im Interview mit der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“ beschreibt Baghdi die Stimmung unter den Christen im Libanon, in Syrien und im Irak als ein Leben zwischen Hoffnung und Angst: Hoffnung, weil ihr Glaube sie darauf vertrauen lasse, dass es morgen besser werden könne; Angst angesichts einer Wirklichkeit, die täglich neue Gewalt und Unsicherheit bringe.

 

Nach Angaben Baghdis sind derzeit rund 1,2 Millionen Menschen innerhalb des Libanon auf der Flucht. Die kriegerischen Auseinandersetzungen treffen vor allem jene, die an den politischen und militärischen Entscheidungen keinerlei Anteil haben. Die meisten Opfer seien „unschuldige Menschen, vor allem Frauen und Kinder“. Zugleich erlebt Baghdi eine bemerkenswerte Hilfsbereitschaft. Christliche Familien nehmen Vertriebene auf, Kirchen und kirchliche Einrichtungen stellen Räume zur Verfügung. Viele Helfende besitzen selbst kaum genug zum Leben. „Diese Menschen haben wenig, aber sie haben die Bereitschaft, anderen zu helfen“, berichtet Baghdi. Gerade deshalb dürfe auch Europa nicht wegsehen.

 

Der gebürtige Syrer kennt Flucht und Heimatverlust aus eigener Erfahrung. Ende 1989 musste er Syrien verlassen und kam nach Österreich. Hier begegnete er der Flüchtlingshelferin Maria Loley und engagierte sich bald selbst in der „Bewegung Mitmensch“. Später lernte er den damaligen Wiener Weihbischof Christoph Schönborn kennen. Seit Schönborn 1995 Erzbischof von Wien wurde, begleitete Baghdi zahlreiche Hilfsprojekte und Reisen in den Irak, nach Syrien und in den Libanon. Im Mittelpunkt stehen bis heute zwei Anliegen: Schulen sollen Kindern auch unter schwierigsten Bedingungen Bildung und Zukunftschancen ermöglichen. Zudem werden alleinstehende Frauen unterstützt, deren Männer im Krieg getötet wurden oder als vermisst gelten.

 

Nun hat Baghdi gemeinsam mit dem Wiener Erzbischof Josef Grünwidl erneut zur Hilfe für die Menschen im Libanon aufgerufen. Eine von der Pfarre Baden-St. Stephan und weiteren Pfarren getragene Spendenaktion läuft bis 30. September. „Helft uns helfen“, appelliert Grünwidl.

Baghdi und der künftige Wiener Generalvikar Andreas Kaiser wollen die gesammelten Spenden persönlich in den Libanon bringen. Für Baghdi ist die unmittelbare Begegnung entscheidend: Die Menschen in den Krisengebieten sollten erfahren, dass sie nicht vergessen sind. „Wir dürfen einfach nicht wegschauen.“

 

Spendenkonto:
Bewegung Mitmensch – Maria Loley
IBAN: AT26 1100 0086 1580 0300
Verwendungszweck: „Spendenaktion Libanon 2026“
[www.baden-st-stephan.at](https://www.baden-st-stephan.at)