Angesichts von Krieg, Hunger und Klimakrise hat Michael Landau zu einem umfassenderen Verständnis von Sicherheit aufgerufen. Wer Fluchtbewegungen verhindern und Frieden ermöglichen wolle, müsse bei den Lebensbedingungen der Menschen ansetzen. Wo Familien keine Zukunft sehen, staatlicher Schutz fehlt und zugleich am Waffenhandel verdient werde, würden Menschen weiterhin ihre Heimat verlassen – auch in Richtung Europa.
Landau verband damit eine klare politische Botschaft: Humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit, Friedensarbeit und Klimaschutz dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die großen Krisen der Gegenwart verstärkten einander und verlangten daher nach gemeinsamen Antworten.
Besonders deutlich werde dieser Zusammenhang beim weltweiten Hunger. Nach den von Landau genannten Zahlen verfügen rund 645 Millionen Menschen nicht über ausreichend Nahrung. Hinter dieser Zahl stünden keine anonyme Masse, sondern einzelne Frauen, Männer und Kinder mit ihren persönlichen Lebensgeschichten. Kein Mensch und keine Organisation könne das Problem allein lösen. Viele einzelne Beiträge könnten jedoch konkrete Veränderungen bewirken.
Anlass des Gottesdienstes war die österreichweite Sammlung für die Afrika-Hilfe der Caritas. Auch im Stephansdom wurden Spenden gesammelt. Für Landau ist dieses Engagement mehr als eine punktuelle Hilfsaktion: Die Kirche müsse selbst handeln, bevor sie Forderungen an Politik und Gesellschaft richte. Die Unterstützung erreiche die Menschen und eröffne ihnen Chancen auf Gesundheit, Bildung und eine gesicherte Zukunft.
Zugleich erinnerte der Caritas-Europa-Präsident an das Vermächtnis von Papst Franziskus. Dessen Enzyklika „Laudato si’“ habe gezeigt, dass soziale Not und die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen nicht voneinander zu trennen seien. Der „Schrei der Armen“ und der „Schrei der Schöpfung“ verlangten nach derselben Aufmerksamkeit.
Eine solche öko-soziale Umkehr beginne beim persönlichen Lebensstil, erschöpfe sich aber nicht darin. Auch kirchliche Einrichtungen müssten ihren Umgang mit Ressourcen überprüfen. Vor allem brauche es politische Rahmenbedingungen, die den Schutz der Umwelt mit sozialer Gerechtigkeit verbinden. Die Kirchen sollten diese Veränderungen gemeinsam mit allen Menschen guten Willens beharrlich einfordern.
Seinen Appell stellte Landau in den Horizont christlicher Hoffnung. Sie verspreche keine Welt ohne Krisen und verlange auch keine makellosen Menschen. Entscheidend sei die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen: „Gott braucht uns nicht perfekt, sondern verfügbar.“ Das Vertrauen darauf, dass das Böse nicht das letzte Wort behält, sei dabei kein Grund zur Passivität, sondern ein Auftrag zum Handeln.
red/quelle:kap
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