Genau zehn Jahre nach der Heiligsprechung von Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997) wird am Freitag im Wiener Stephansdom mit einem Festgottesdienst um 18.30 Uhr an die Ordensfrau und Gründerin der "Missionarinnen der Nächstenliebe" erinnert. Papst Franziskus sprach Mutter Teresa am 4. September 2016 in Rom heilig. Johannes Paul II. hatte sie am 19. Oktober 2003 seliggesprochen und dabei als "eine der größten Missionarinnen des 20. Jahrhunderts" bezeichnet. Als weltweiter Gedenktag wurde ihr Todestag, der 5. September, festgesetzt.
Der Festgottesdienst wird vom ehemaligen Arzt und Priester Ignaz Hochholzer zelebriert, und auch die in Wien tätigen Mitglieder der Missionarinnen der Nächstenliebe werden anwesend sein. Der Orden kam noch zu Lebzeiten Mutter Teresas auf Einladung des damaligen Wiener Kardinals Franz König (1905-2004) nach Österreich. Der erste Sitz der Schwestern war ein Caritas-Obdachlosenheim in Favoriten, später übersiedelten sie in die Pfarre St. Leopold. 1990 eröffneten sie in einem ehemaligen Stundenhotel am Mariahilfer Gürtel ihr bis heute bestehendes Kloster.
Festprediger Hochholzer verwies im Vorfeld auf den Stephansdom als einen Ort, an dem die Heilige selbst gesprochen hatte: Im Rahmen des Weltfamilienkongresses sprach Mutter Teresa am 23. Oktober 1988 mit eindringlichen Worten über die Bedeutung des Gebets und über die Unantastbarkeit menschlichen Lebens. Hochholzer erinnerte zudem auf die Herz-Jesu-Spiritualität Mutter Teresas: Die Ordensfrau wuchs in einer von Jesuiten betreuten Herz-Jesu-Pfarre auf und fühlte sich dieser Spiritualität zeitlebens besonders verbunden.
Mutter Teresa wurde als Agnes Gonxha Bojaxhiu am 26. August 1910 im damaligen osmanischen Skopje als Tochter einer albanischen Familie geboren. Bereits als Zwölfjährige fasste sie den Entschluss, Missionsschwester zu werden. 1928 trat sie in den von Mary Ward (1585-1645) gegründeten Schulorden der "Englischen Fräulein" ein und reiste 1929 nach Dublin. Noch im selben Jahr wurde sie nach Indien geschickt. In Darjeeling absolvierte sie ihr Noviziat und nahm den Ordensnamen Maria Teresa vom Kinde Jesu an. 1931 legte sie ihre ersten Gelübde ab und unterrichtete in Kalkutta. Nach ihrem ewigen Gelübde 1937 leitete sie die St. Mary's School.
Die Not in den Armenvierteln Kalkuttas, die Hungersnot in Bengalen und die religiösen Unruhen von 1946 prägten sie. Am 10. September 1946 erlebte sie auf einer Zugfahrt nach Darjeeling nach eigener Aussage eine Berufung, den Orden zu verlassen und den "Ärmsten der Armen" zu dienen. Nach zweijährigem Ringen erhielt sie die kirchliche Erlaubnis dazu.
Am 17. August 1948 legte Teresa erstmals den weißen Sari mit den drei blauen Streifen an. Sie zog in das Armenviertel Entally, unterrichtete Kinder und kümmerte sich um Kranke. Bald errichtete sie eine Station für Lepra-Kranke und gewann erste Helferinnen. Mit ihnen gründete sie die "Missionarinnen der Nächstenliebe", einen Orden, der 1950 vom Papst approbiert wurde. Die Mitglieder verpflichteten sich zu Armut, Keuschheit, Gehorsam und zum Dienst für die "Ärmsten der Armen von ganzem Herzen ohne Gegenleistung". 1953 wurde das heutige Mutterhaus des Ordens in Kalkutta gegründet.
In einem ehemaligen Pilgerhospiz im Tempelbezirk Kalighat, das zuletzt ein Bordell war, gründete Mutter Teresa 1954 das Sterbehaus "Nirmal Hriday", in dem laut Schätzungen bisher über 100.000 Menschen in Würde gestorben sind. Zweifel und Proteste der Brahmanen-Priester im benachbarten Kali-Tempel, die Mutter Teresa anfangs Zwangstaufen vorhielten, zerstreuten sich - u.a. als man sah, wie die Ordensfrau einen todkranken, von allen Spitälern abgewiesenen Brahmanen aufnahm und ihn später nach Hindubrauch am Ganges verbrennen ließ. Unzählige weitere Einrichtungen in Indien für Waisen, Leprakranke und Bedürftige folgten.
1965 wurde in Venezuela das erste Haus außerhalb Indiens eröffnet, 1968 folgte das erste europäische Haus der Gemeinschaft in Rom und hunderte weitere in vielen anderen Ländern. Mutter Teresa reiste viel und war längst zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten ihrer Zeit geworden. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Templeton-Preis, den Balzan-Preis und 1979 den Friedensnobelpreis. 1996 wurde sie Ehrenbürgerin der USA, nachdem sie schon 1951 indische Staatsbürgerin geworden war.
Auch Österreich besuchte Mutter Teresa auf ihren Reisen mehrfach: Neben Wien war sie unter anderem in Jennersdorf, Marienfeld, Heiligenkreuz, Feldkirch und Traiskirchen zu Gast. 1984 wurde auf Einladung Kardinal Franz Königs eine Wiener Niederlassung gegründet; 1990 bezogen die Missionarinnen der Nächstenliebe ihr heutiges Haus am Mariahilfer Gürtel. Neben dem Frauenorden gründete sie auch einen Brüderzweig, kontemplative Gemeinschaften, einen Priesterzweig und verschiedene Laienbewegungen.
Die intensive Arbeit und die Reisen beeinträchtigten allerdings ihre Gesundheit. Schon 1983 wurden Herzprobleme festgestellt, 1989 erhielt sie einen Herzschrittmacher. Im März 1997 übergab sie die Ordensleitung an Schwester Nirmala Joschi. Am 5. September 1997 starb Mutter Teresa im Alter von 87 Jahren in Kalkutta.
Sie erhielt ein Staatsbegräbnis, bei dem über eine Million Menschen den Trauerzug durch Kalkutta begleiteten und hunderte Staats- und Regierungschefs sowie Spitzenvertreter etlicher Religionen der Ordensfrau die letzte Ehre gaben. Über eine Milliarde Zuseher in 35 Ländern verfolgten das vom vatikanischen Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano geleitete Requiem am 13. September 1997 an den Bildschirmen. Kirchlicherseits folgte das kürzeste Seligsprechungsverfahren der Neuzeit. Johannes Paul II., der dafür eigens die übliche fünfjährige Wartefrist ausgesetzt hatte, sprach Mutter Teresa am 19. Oktober 2003 in Rom selig.
Erst nach ihrem Tod veröffentlichte private Briefe und Aufzeichnungen zeichnen ein differenziertes Bild von Mutter Teresa und dokumentieren eine jahrzehntelange Glaubenskrise und innere Zweifel. Posthum erfuhr sie ebenso wie ihr Orden der Missionarinnen der Nächstenliebe zudem auch Kritik, etwa wegen hygienischer und medizinischer Bedingungen in einzelnen Einrichtungen. In Indien war der Orden zudem seit 2018 mit schweren Kinderhandelsvorwürfen konfrontiert. Der zentrale Prozess gegen eine Ordensfrau und eine Mitarbeiterin endete jedoch im Juni 2026 nach acht Jahren mit einem Freispruch mangels Beweisen.
Dies hatte keinen Einfluss auf den Fortgang des Heiligsprechungsverfahrens und die weitere Verehrung in der katholischen Kirche: Papst Franziskus bestätigte im Dezember 2015 das kirchenrechtlich nötige zweite Heilungswunder und leitete 2016 auch ihre Heiligsprechung, als ein Höhepunkt im damaligen "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit". Als Gedenktag für Mutter Teresa setzte er ihren Todestag fest.
Quelle: kathpress