Wie kann Kirche so beraten und entscheiden, dass möglichst viele wirklich gehört werden – ohne dass am Ende die Lautesten bestimmen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Kurses für Synodalität, den das Pastoralamt der Erzdiözese Wien gemeinsam mit der Fokolar-Bewegung Österreich veranstaltete.
In fünf Präsenzmodulen und zwei Online-Einheiten beschäftigten sich die Teilnehmenden mit theologischen Grundlagen, kirchenrechtlichen Fragen und vor allem mit der Praxis: dem „Gespräch im Geist“, dem Umgang mit Spannungen, dem Aufbau von Vertrauen und der Rolle von Facilitatorinnen und Facilitatoren. Diese begleiten Gruppen neutral, schaffen einen geschützten Raum und helfen, Hindernisse für gutes gemeinsames Arbeiten aus dem Weg zu räumen. Hauptreferent war Andrew Spiteri aus Malta, der bei der Weltsynode in Rom Gesprächsgruppen moderiert hatte. Seine Erfahrung prägte den Kurs: Synodalität ist kein zusätzlicher Programmpunkt und keine bloße Gesprächstechnik. Sie ist eine geistliche Haltung. Sie fragt nicht zuerst: Wer setzt sich durch? Sondern: Was nimmt die Gruppe wahr, wenn sie einander wirklich zuhört und gemeinsam auf den Heiligen Geist hört?
Teilnehmer Gerhard Tomicek brachte es auf den Punkt: „So ist es die Aufgabe des Facilitators nicht, ein Ergebnis zu forcieren, sondern alle Hindernisse, die einer gedeihlichen Zusammenarbeit entgegenstehen, zu identifizieren, um diese letztlich gemeinsam überwinden zu können.“
Im Mittelpunkt stand das Gespräch im Geist. Es verbindet persönliche Vorbereitung, Stille, aufmerksames Zuhören und mehrere Gesprächsrunden. Jede und jeder soll zu Wort kommen; nicht Gegenargumente und schnelle Erwiderungen stehen im Vordergrund, sondern die Frage: Was hat mich im Beitrag der anderen berührt? Welche gemeinsame Richtung wird sichtbar?
Dabei geht es keineswegs um Harmonie um jeden Preis. Auch Spannungen, unterschiedliche Erfahrungen und kontroverse Positionen gehören dazu. Gerade dann braucht es klare Regeln, gute Vorbereitung und eine Leitung, die nicht Partei ergreift. Die Kunst besteht darin, Konflikte nicht zu übergehen, aber auch nicht in ihnen stecken zu bleiben.
Bettina Demblin, die den Kurs zusammenfasste, formuliert es so: „Wenn du es eilig hast, deine Meinung oder Idee durchzusetzen, gehe alleine. Wenn du weit kommen willst, gehe gemeinsam.“ Dieser gemeinsame und beziehungsvolle Weg brauche „Zeit, Geduld, Güte, Demut und auch klare Regeln“. Die Resonanz in der Gruppe war entsprechend stark. Sebastian Hoogewerf betont, der gut konzipierte und moderierte Kurs habe das Vertrauen in diese Methode gestärkt: „Für mich steht fest, dass diese Methode auch weiterhin das Mittel schlechthin sein wird, um eine polarisierte Welt einander näherzubringen.“ Sr. Edith Sauschlager beschreibt ihre Erfahrung als geistlich und persönlich bereichernd: „Wir lernen den Anderen besser zu verstehen und auch seine Beweggründe zu erkennen. Das Wichtigste aber ist, dass wir dem Heiligen Geist Raum geben.“
Der Kurs hat Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Erzdiözese miteinander vernetzt und befähigt, synodale Prozesse vor Ort anzustoßen und zu begleiten. Das kann in Pfarrgemeinderäten, Leitungsteams, pastoralen Entwicklungsprozessen, Gemeinschaften oder diözesanen Gremien konkret werden: bei der Klärung einer gemeinsamen Frage, beim Umgang mit Konflikten, in Beratungen und bei Entscheidungen.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Die Gruppe wirkt an der Entscheidungsfindung mit; die Person, die ein Amt und damit Verantwortung trägt, trifft schließlich die Entscheidung. Synodalität schwächt Leitung nicht, sondern gibt ihr eine breitere, ehrlichere und geistlich verantwortete Grundlage. Für die Erzdiözese Wien ist der Kurs damit ein konkreter Schritt auf dem Weg der Umsetzung der Weltsynode. Synodalität wird dann glaubwürdig, wenn sie nicht nur in Dokumenten vorkommt, sondern in Sitzungen, Gesprächen, Pfarreien und Einrichtungen eingeübt wird. Hedi Schnitzer-Voget fasst die Perspektive treffend zusammen: „Ich halte es für die Zukunft der Kirche für sehr wichtig, dass sich alle Ebenen mit dem Schlussdokument der Weltsynode beschäftigen und dieses auch entsprechend umsetzen.“
Die Österreichische Bischofskonferenz hat der Erzdiözese Wien 1.800 Exemplare des Abschlussdokuments der Bischofssynode zur Verfügung gestellt. Sie können kostenlos in Mamas Werkstatt abgeholt werden. Das Dokument bietet eine wichtige Grundlage, um Synodalität in Pfarren, Gemeinschaften und kirchlichen Einrichtungen weiter zu vertiefen und konkret umzusetzen.