Mittwoch 9. September 2026

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Marsch für Jesus
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09.09.2026

"Marsch für Jesus" will starkes ökumenisches Zeichen setzen

Die überkonfessionelle Großveranstaltung findet am 19. September in Wien statt. Die Veranstalter erwarten mindestens 10.000 Teilnehmer. Katholische, evangelische, orthodoxe und freikirchliche Christen beteiligt.

Mit einem großen öffentlichen Glaubensfest wollen Christinnen und Christen unterschiedlicher Konfessionen am 19. September in Wien ein Zeichen für christliche Einheit setzen. Beim überkonfessionellen "Marsch für Jesus" werden Katholiken, Evangelische, Orthodoxe, Angehörige altorientalischer Kirchen sowie Mitglieder von Freikirchen und freien christlichen Gemeinden gemeinsam durch die Wiener Innenstadt ziehen. Mehr als 100 Kirchen, Gemeinden und christliche Organisationen aus ganz Österreich sind beteiligt. Projektleiter Johannes Unosson zeigte sich bei einer Pressekonferenz am Mittwoch mit Blick auf die Teilnehmerzahl zuversichtlich: "Wir werden mindestens zehntausend Menschen sein." Zugleich hoffe er auf ein größeres Echo. Beim bisherigen Rekord 2016 waren bis zu 18.000 Menschen dabei.


Der "Marsch für Jesus" soll nach Angaben der Organisatoren bewusst kein politisches Ereignis sein. Politikerinnen und Politiker seien als Teilnehmer willkommen, sollen aber nicht auf der Bühne auftreten. Im Mittelpunkt stehe vielmehr das gemeinsame Bekenntnis zu Jesus Christus und die Verbundenheit von Christen unterschiedlicher Konfessionen. Laut Projektleiter Unosson haben mehr als 600 Ehrenamtliche insgesamt über 10.000 Stunden in die Planung investiert. Es sei "schön, Glaubensgeschwister von verschiedenen Kirchen" zu sehen, die gemeinsam anpackten und ihre jeweiligen Begabungen einbrächten.


Die Veranstaltung verstehe sich nicht als Marsch oder Demonstration im klassischen Sinn, sondern als "gemeinsames Fest des Glaubens", bei dem der christliche Glaube öffentlich gefeiert und sichtbar gemacht werde, erklärte Johannes Fichtenbauer, Diakon der Erzdiözese Wien und mit ökumenischen Unternehmungen befasst. Das Besondere sei, dass Christen aus unterschiedlichen Kirchen und christlichen "Lagern" mit teils unterschiedlichen Sichtweisen gemeinsam auftreten, so Fichtenbauer, der 1992 Vorsitzender des ersten "Marsches für Jesus" in Österreich war.


Dafür seien im Vorfeld auch klare "Spielregeln" vereinbart worden: Politische Einzelthemen und "heiße Themen" wie LGBT, Abtreibung oder die Frage der Sterbehilfe sollten beim Marsch bewusst außen vor bleiben. Im Mittelpunkt stehe die Ökumene und damit die Frage, was Christen trotz aller Unterschiede gemeinsam verbindet und was sie gemeinsam zum Ausdruck bringen können. Wenn unterschiedliche christliche Gruppen in der Lage seien, sich zu einigen und eine gemeinsame Sicht zu entwickeln, sei das ein positives Vorbild für die österreichische Gesamtgesellschaft und auch andere Länder.


Im Blick auf die Entwicklungen weltweit sei die Einheit der Christen eine "Frage des Überlebens", betonte Michael Cech von Key2Life und Chefredakteur des katholischen YOU! Magazins. Er räumte ein, dass Christen trotz unterschiedlicher Sichtweisen leicht bei gegenseitiger Kritik und Vorurteilen stehen bleiben könnten. Entscheidend sei daher, miteinander ins Gespräch zu kommen, Beziehungen aufzubauen und den anderen kennenzulernen. "Ich glaube, das brauchen wir in unserer Welt nicht nur in der Christenerziehung, sondern allgemein, dass wir nicht nur über den anderen kritisieren, Urteilen reden, sondern dass man eben gemeinsam was tut." Der "Marsch für Jesus" könne so ein Zeichen für Einheit und ein gutes Miteinander sein.


Vielfalt sichtbar machen

Die Vielzahl der christlichen Kirchen in Wien, Freikirchen und internationalen Gemeinden sei ein "unheimlich großer Reichtum", der beim "Marsch für Jesus" sichtbar gemacht werden solle, betonte Thomas Topplinger, evangelischer Pfarrer der Wiener Gnadenkirche. Trotz unterschiedlicher Traditionen wolle man das feiern, "was uns verbindet".


Claudia Krupensky, Generalsekretärin der Freikirchen in Österreich und Andrea Sturm-Lauter, Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Allianz Österreich, bezeichneten die Veranstaltung als wichtiges Zeichen für die Glaubensfreiheit in Österreich. Krupensky verwies auf den Weltverfolgungsindex von Open Doors. Die Christenverfolgung steige weltweit. Umso wichtiger sei es, die in Österreich mögliche Glaubensfreiheit auch öffentlich sichtbar zu machen und als Christen gemeinsam aufzutreten. Dass Christen heute in dieser Breite gemeinsam auftreten könnten, sei auch eine Frucht einer langjährigen guten Zusammenarbeit.


Erhöhte Beteiligung von Katholiken

Die Zahl der katholischen Beteiligung habe sich in den letzten Jahren erhöht, so Fichtenbauer über die größte ökumenische Einzelveranstaltung in Österreich. Auf der langen Unterstützerliste des Marsches finden sich neben freikirchlichen und evangelischen Gemeinden auch katholische Organisationen wie die Charismatische Erneuerung in der katholischen Kirche, die Jugendpastoral-Koordinierungsstelle JAKOB, die Katholische Pfadfinderschaft Europas, Schönstatt, missio, der Malteserorden, einzelne Pfarren und "Kirche in Not". Zu den Unterstützern der Veranstaltung zählen auch der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler und der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky, der in der Bischofskonferenz zuständiger Referatsbischof für Beziehung, Ehe und Familie und religiöse Bewegungen ist.


In einem Video lud auch der Wiener Weihbischof Franz Scharl alle kirchlichen Bewegungen und Vereine ein, sich der Initiative anzuschließen. Es sei heute "wichtig, dass man ein Statement abgibt" für den Glauben an Jesus, "bunt und mit einem glaubwürdigen Lebenszeugnis", so Scharl. Er wird neben dem neuen Wiener Generalvikar Andreas Kaiser am Marsch teilnehmen. Kaiser wird zusammen mit Peter Zalud, Pastor der Freikirchen in Österreich, Thomas Topplinger, Pfarrer der Evangelischen Gnadenkirche Wien, und Christian Hofreiter, Vertreter der Anglikanischen Kirche, ein Gebet sprechen.


Programm

Der Tag beginnt um 12 Uhr am Schwarzenbergplatz mit gemeinsamem Lobpreis. Von 13.30 bis 16.30 Uhr ist ein rund sechs Kilometer langer Marsch entlang der Wiener Ringstraße und zurück zum Schwarzenbergplatz vorgesehen. Dabei sollen mehr als 1.000 handbemalte Banner mitgeführt werden. Gospel-Drummer mit brasilianischen Samba-Rhythmen und eine christliche Rockband auf einem Lkw sorgen für musikalische Begleitung. Wer die Strecke nicht zu Fuß bewältigen kann, kann in einem der beiden offenen Doppeldeckerbusse mitfahren, in denen ebenfalls Lobpreis angeboten wird.


Zurück am Schwarzenbergplatz ist ab 16.30 Uhr erneut gemeinsamer Lobpreis geplant. Ab 17.30 Uhr folgt das "Fest für Jesus" mit Kinderprogramm, Auftritten des Kinderchors KISI und der überkonfessionellen Lobpreisinitiative "Himmelstürmer" sowie drei Konzerten. Neben der österreichischen Band Solarjet treten der deutsche christliche Rapper Copain und der britische Musiker Martin Smith auf. Zwischen den Konzerten sollen junge Menschen persönliche Zeugnisse über ihren Glauben geben. Das abschließende Gebet mündet in eine Zeit der Stille. Das Gesamtprogramm endet gegen 21.30 Uhr.


Bereits am Vorabend, dem 18. September, ist ein Jugend-Pre-Event mit Worship, christlicher Rockmusik, Rap und Gebet geplant. Die Veranstalter erwarten dazu mehrere hundert Jugendliche. Das Event beginnt um 20 Uhr im Novum Wien (Lerchenfelder Straße 35) bei freiem Eintritt.


Tradition von Jesus-Märschen

Der Marsch knüpft an eine internationale Bewegung mit Anfängen im Jahr 1987 in London an. In Österreich gab es seit Ende der 1980er Jahre Fackelläufe, Jesus-Märsche und überkonfessionelle Großveranstaltungen, darunter in Wien 1992 mit rund 4.000 Teilnehmenden, 2014 mit etwa 12.000 und 2016 mit bis zu 18.000. Nach der längeren Pause seither wird nun für die Neuauflage 2026 österreichweit mobilisiert, etwa mit eigenen Ansprechpartnern in den Bundesländern und organisierten Bus- und Zugreisen nach Wien, hieß es.

www.marschfuerjesus.com

 

Quelle: kathpress