Was wäre gewesen, wenn die Musikgeschichte an manchen Stellen einen anderen Weg genommen hätte? Von dieser Frage geht „UCHRONIA“ aus. Der Titel bezeichnet eine „Nicht-Zeit“ – eine Vergangenheit, die es so nie gegeben hat. Zwei musikalische Gedankenexperimente machen sie für die Dauer eines Abends hörbar.
Den klanglichen Kern bilden der gregorianische Choral und die Riesenorgel des Stephansdoms. Dazu kommen Synthesizer, elektronische Orgeln, Drum Machines, afrokaribische Trommelrhythmen und mit Autotune verfremdete Stimmen. Auch der Kirchenraum wird Teil der Aufführung: Das Publikum kann sich durch den Dom bewegen, stehen, sitzen oder liegen. So wechseln die Hörperspektiven zwischen dem großen Gesamtklang und leiseren, unmittelbaren Begegnungen mit der Musik in Seitenschiffen und Kapellen.
Hinter den beiden Klangwelten stehen unterschiedliche Vorstellungen einer möglichen Musikgeschichte. In „Monkpunk“, einer von Jorge Sánchez-Chiong entwickelten Variante des gregorianischen Chorals, geht der monastische Gesang neue Verbindungen mit anderen kulturellen Traditionen ein. Er löst sich aus seiner liturgischen Funktion und von der Bindung an lateinische Texte. Silben werden gedehnt, verschmelzen mit anderen Lauten; Atem und Biorhythmus geben dem Gesang neue Formen.
„HyperRhythmicon“ setzt im 19. Jahrhundert an: Was wäre, wenn europäische Musikautomaten an der Karibikküste von afrolateinamerikanischen Kulturen übernommen und weiterentwickelt worden wären? Der gleichmäßige Takt des Metronoms trifft hier auf vielschichtige, einander überlagernde Rhythmen und zyklische Zeitvorstellungen.
Mitwirkende sind die Choralschola St. Stephan, Valeria Lanner an der Orgel, Chloé Ryo an der Posaune, Jorge Sánchez-Chiong und Isabella Forciniti an der Elektronik sowie Brigitte Wilfing mit einer Performance.
Termine: 17., 22. und 23. September 2026, jeweils um 21 Uhr
Ort: Stephansdom, Wien
Hinweis: Teile des Stephansdoms sind nicht vollständig barrierefrei.