Dienstag 15. September 2026

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Erzdiözese Wien/Schönlaub
14.09.2026

Erzbischof Grünwidl neuer Ordinarius der katholischen Ostkirchen

Erzbischof Josef Grünwidl ist am Fest Kreuzerhöhung in sein Amt als Ordinarius für die Gläubigen der katholischen Ostkirchen in Österreich eingeführt worden. Kardinal Christoph Schönborn überreichte seinem Nachfolger die Panagia. Mehr als 20.000 Gläubige finden in den 43 Gemeinden des Ordinariats eine kirchliche Heimat.

Erzbischof Josef Grünwidl hat am Montag offiziell sein Amt als Ordinarius für die Gläubigen der katholischen Ostkirchen in Österreich angetreten. Bei einer Göttlichen Liturgie im byzantinischen Ritus im Wiener Stephansdom übergab der bisherige Ordinarius, Kardinal Christoph Schönborn, die Verantwortung an seinen Nachfolger. Zahlreiche Gläubige der verschiedenen katholischen Ostkirchen in Österreich füllten den Dom. Die Amtseinführung fand am Fest Kreuzerhöhung statt. Das Fest erinnert an die Auffindung und Erhöhung des Kreuzes Christi und gehört in den Kirchen byzantinischer Tradition zu den zwölf großen Festen des Kirchenjahres. Der Göttlichen Liturgie in deutscher Sprache stand Generalvikar (Protosyncellus) Yuriy Kolasa gemeinsam mit dem neuen Ordinarius vor.

 

Der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro López Quintana, verlas zu Beginn der Liturgie das päpstliche Ernennungsschreiben. Papst Leo XIV. hatte Grünwidl am 11. Juli zum neuen Ordinarius der katholischen Ostkirchen in Österreich ernannt. Sein Vorgänger, Kardinal Christoph Schönborn, legte ihm als äußeres Zeichen die Panagia um die Schultern. Dabei handelt es sich um ein Brustmedaillon mit einem Bild der Gottesmutter. Es gehört zu den bischöflichen Insignien der Kirchen byzantinischer Tradition und entspricht dem Brustkreuz des Bischofs im westlichen Ritus. Das Grünwidl überreichte Medaillon war in Prag von einem ukrainischen Flüchtling aus Luhansk gefertigt worden, der selbst der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche angehört. Damit symbolisiert es auch die Brückenfunktion, die die katholischen Ostkirchen zwischen der lateinischen und den unterschiedlichen östlichen Traditionen einnehmen.

 

Schönborn: Unter dem Kreuz verbunden

 

Kardinal Schönborn stellte in seiner Predigt das Kreuz als gemeinsames Zeichen aller katholischen Ostkirchen in den Mittelpunkt. Trotz ihrer unterschiedlichen Traditionen seien sie in Christus verbunden: „Jesus ist es, der uns unter dem Kreuz versammelt“, um auf den Gekreuzigten und Auferstandenen zu schauen. Die 43 Gemeinden der katholischen Ostkirchen in Österreich seien Grund zur Freude, ihre Geschichte aber auch vielfach von Schmerz geprägt. Viele ihrer Gläubigen hätten wegen Krieg, Verfolgung oder wirtschaftlicher Not ihre Heimat verlassen müssen. Sie seien „unter dem Zeichen des Kreuzes“ nach Österreich gekommen und suchten hier eine neue Heimat.

 

Schönborn erinnerte besonders an die griechisch-katholische Kirche in der Ukraine, die während der kommunistischen Herrschaft in den Untergrund gedrängt worden war. Die Geschichte der katholischen Ostkirchen sei reich an Glaubenszeugnissen und großen Opfern. Als besonderes Kennzeichen der katholischen Ostkirchen bezeichnete Schönborn ihre Verbundenheit mit dem Papst. Für diese Gemeinschaft hätten zahlreiche Gläubige, Priester und Bischöfe im Lauf der Geschichte Verfolgung und Leiden auf sich genommen. Zugleich erinnerte der Kardinal an das von Johannes Paul II. geprägte Bild von den beiden Lungenflügeln der Kirche: Erst die östliche und die westliche Tradition zusammen ließen die Kirche in ihrer Fülle sichtbar werden.

An seinen Nachfolger gerichtet sagte Schönborn: „Möge der Dienst von Erzbischof Josef gesegnet sein, und möge er die Freude erleben, die ich erleben durfte: zu sehen, wie unsere Gemeinden der katholischen Ostkirchen in Österreich blühen.“

 

„Bereit sein zu lernen“

 

In seiner Antrittsansprache am Ende der Liturgie erklärte Grünwidl, wie er seine neue Aufgabe wahrnehmen wolle: „Ein Bischof kann nur lehren, wenn er bereit ist zu lernen. Er hat nur dann etwas zu sagen, wenn er auch gut zuhören kann.“ Diesen Gedanken habe er vom Einführungskurs für neue Bischöfe in Rom mitgenommen. Von der Vielfalt der katholischen Ostkirchen könne er selbst noch vieles lernen.

„Es reicht nicht aus, Gott in nur einem Ritus zu ehren“, sagte Grünwidl. Die Melodie des Evangeliums sei umfassender, als Menschen mit ihren begrenzten Möglichkeiten wahrnehmen könnten. Erst die unterschiedlichen Sprachen, Melodien und Riten brächten ihren ganzen Reichtum zum Klingen. Für seine doppelte Verantwortung als Erzbischof von Wien und als Ordinarius bat Grünwidl um Geduld. Zugleich versprach er mit einem Augenzwinkern, beide Ämter bestmöglich „unter einen Hut – oder Pileolus – zu bringen“. Grünwidl dankte Kardinal Schönborn für dessen langjährige „väterliche Sorge“ um die katholischen Ostkirchen. Sein Dank galt ebenso Generalvikar Kolasa sowie allen Mitarbeitenden in den Gemeinden und Seelsorgestellen. Das Ordinariat bietet derzeit mehr als 20.000 Gläubigen in ganz Österreich eine kirchliche Heimat.

 

„Sie sind hier willkommen“

 

Mit Blick auf die Kriege und Konflikte in der Ukraine, im Nahen Osten und in weiteren Herkunftsländern erinnerte Grünwidl daran, dass viele der Mitfeiernden Bedrängnis, Verfolgung und Vertreibung selbst erlebt hätten. „Sie wissen, was es heißt, ein Kreuz zu tragen“, sagte der Erzbischof. Ihnen gelte die ausdrückliche Zusage: „Sie sind hier willkommen.“

Die Kirche wolle ihnen helfen, in Österreich Heimat, Wertschätzung und Hoffnung zu finden. Grünwidl dankte allen, die neu Angekommene unterstützen oder Menschen helfen, die weiterhin in den Kriegsgebieten ausharren. Ihr Einsatz bezeuge, „dass selbst durch das Dunkel des Kreuzes hindurch die Liebe stärker ist als der Hass“.

 

Schließlich griff Grünwidl seinen bischöflichen Wahlspruch „Nehmt Gottes Melodie in euch auf!“ auf. Dieser könne auch für das Miteinander von Ost- und Westkirche sowie für die Ökumene wegweisend sein. „Das Evangelium ist unsere Partitur, und der Heilige Geist unser Dirigent“, sagte der Erzbischof. Es gelte, auf den Heiligen Geist und aufeinander zu hören und mit den unterschiedlichen Stimmen der Kirchen gemeinsam „das Lied des Friedens“ anzustimmen.