Dienstag 15. September 2026

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Wolfgang Moser/EDW
15.09.2026

Zurück nach Mumbai – mit Wien im Herzen

25 Jahre lang haben drei indische Ordensfrauen das Leben im Wiener Bischofshaus mitgeprägt. Am Dienstagmorgen wurde ihr Dienst bei der heiligen Messe im Stephansdom gewürdigt. Kardinal Schönborn dankte ihnen sichtlich bewegt: Sie hätten aus dem Bischofshaus ein Heim gemacht.

Viele kennen sie vom Sehen, viele sind ihnen regelmäßig begegnet: Sr. Violet Coutinho PSOL, Sr. Joanna Baptista PSOL und Sr. Stella Rebello PSOL. Seit 2001 haben die drei Schwestern den Haushalt im Wiener Bischofshaus geführt. Während Sr. Violet bereits vor einigen Monaten nach Indien zurückgekehrt ist, wurden Sr. Joanna und Sr. Stella nun bei der heiligen Messe am Dienstag um 8 Uhr im Stephansdom offiziell verabschiedet. Der Feier stand Erzbischof Josef Grünwidl vor.

 

Kardinal Christoph Schönborn zeigte sich in seiner Predigt bewegt vom Abschied der Schwestern, die ein Vierteljahrhundert lang seinen Haushalt betreut hatten. Er habe sich selbst immer wieder gefragt – und sei auch von anderen gefragt worden –, ob es noch zeitgemäß sei, dass Ordensfrauen den Haushalt eines Erzbischofs führten. Dabei sei ihm stets neu bewusst geworden, dass die Schwestern weit mehr geleistet hätten als das, was man gewöhnlich unter Haushaltsführung verstehe. „Ökonomie“ bedeute ursprünglich das Haushalten. Die Schwestern aber hätten aus dem Bischofshaus ein Heim gemacht und eine familiäre Atmosphäre geschaffen, die weit über seine Mauern hinaus spürbar gewesen sei. Besonders die vielen Gäste des Hauses hätten diese herzliche Gastfreundschaft erfahren. Als Mitte des gemeinsamen Lebens bezeichnete er die Feier der Eucharistie und die Gemeinschaft am Tisch. Gerade in der Coronazeit sei diese Tischgemeinschaft für alle besonders wichtig geworden.

 

Als Beispiel für den stillen und herzlichen Dienst der Ordensfrauen erinnerte Schönborn an Adria, eine Überlebende des Genozids in Ruanda. Sie war dem Kardinal und dem ganzen erzbischöflichen Team eng verbunden. Als sie im Alter pflegebedürftig wurde, zog sie ins erzbischöfliche Palais, wo die Schwestern sich ihrer annahmen. Auf die Frage, ob dies nicht eine zusätzliche Belastung für sie sei, habe Schwester Joanna geantwortet: „Das ist nicht zu viel. Im Gegenteil: So haben wir jemanden im Haus, der ständig für uns betet.“ Für den Kardinal zeigte sich darin, wie umfassend die Schwestern ihre Sendung verstanden hätten: als Dienst an einer Gemeinschaft, in der Menschen Aufnahme, Geborgenheit und ein Zuhause fanden.

 

Die Geschichte einer Familie

 

Wie viel ihnen diese Gemeinschaft selbst bedeutet, hatten uns Sr. Joanna und Sr. Stella schon bei einem Treffen wenige Tage vor der Verabschiedung erzählt. Im Gespräch fiel immer wieder das Wort „Familie“. So haben sie das Bischofshaus erlebt. Mehr als dreißig Jahre haben die Schwestern in Europa verbracht. Begonnen hat ihr Ordensleben allerdings in einer ganz anderen Umgebung. Sr. Joanna und Sr. Stella sind beide sehr jung in die Kongregation der Poor Sisters of Our Lady eingetreten. Der indische Priester George Fernandes hatte die Gemeinschaft in Bombay, dem heutigen Mumbai, gegründet. Sie ist vergleichsweise klein, wirkt aber neben Indien auch in Afrika und Europa. Schulen, Kinderbetreuung, Sozialarbeit und Krankenpflege gehören ebenso zu ihren Aufgaben wie der Aufbau und die Begleitung von Pfarrgemeinden.

 

Sr. Joanna und Sr. Stella haben in den Slums von Mumbai und in armen Gebieten im Umkreis der Metropole gearbeitet. Dort galt es vor allem, Frauen und Kindern grundlegende Bildung zu vermitteln und Familien in ihren alltäglichen Sorgen zu unterstützen. Sie halfen, seelsorgliche Strukturen aufzubauen, und waren in der Jugendpastoral und in der Ehevorbereitung tätig. Vieles war erst im Entstehen und brauchte Menschen, die anpackten. Ihr Weg nach Europa führte die Schwestern zunächst nach Lugano im Schweizer Tessin. Im dortigen Bischofshaus arbeiteten sie für Bischof Eugenio Corecco, den sie auch während seiner schweren Erkrankung bis zu seinem Tod betreuten. Corecco war mit Kardinal Christoph Schönborn seit ihrer gemeinsamen Zeit an der Universität Fribourg befreundet.

 

2001 lud Schönborn die drei nach Wien ein. Ihre Gemeinschaft war hier schon bekannt: Bereits unter Kardinal Franz König waren die ersten Schwestern gekommen und hatten in der Pfarre Sievering gewirkt. Die drei selbst sahen dem Wechsel allerdings mit etwas Bangen entgegen. In der Schweiz hatte man ihnen offenbar ein wenig freundliches Bild von Wien und den Wienern vermittelt. Umso mehr überraschten sie die Liebenswürdigkeit und die familiäre Stimmung im Bischofshaus. Vom ersten Tag an fühlten sie sich willkommen. Aus dem freundlichen Empfang wurde über die Jahre eine tiefe Verbundenheit mit Kardinal Schönborn und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Stephansplatz.

 

Mit ihrer Ordensgemeinschaft und deren Aufgaben blieben sie auch in Wien verbunden. Mit der Vergütung für ihren Dienst unterstützten sie über all die Jahre die Aufbauarbeit ihrer Mitschwestern in Afrika. Was nehmen sie nun aus Wien mit? Besonders die Predigten von Kardinal Schönborn, sagen die beiden. In der Coronazeit predigte er für sie auf Englisch und erschloss ihnen dabei die Kirchenväter. Daran erinnern sie sich mit großer Dankbarkeit. Vieles davon wird sie auch in Indien weiter begleiten. Und natürlich die Verbundenheit mit den Menschen: mit Kardinal Schönborn und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit denen sie so viele Jahre den Alltag geteilt haben, aber auch mit Erzbischof Josef Grünwidl. Sie alle sind ihnen ans Herz gewachsen.

 

In Mumbai könnte nun die Betreuung älterer, pflegebedürftiger Mitschwestern im Mutterhaus ihre nächste Aufgabe sein. Oder eben das, was ihre Generaloberin für sie vorgesehen hat. Sie freuen sich darauf, wieder zu Hause zu leben. Wien und die hier gefundene Familie nehmen sie im Herzen mit.