Der Diakonat ist die erste der drei Stufen des Weihesakraments. Mit ihrer Weihe gehören Diakone zum Klerus und werden vom Bischof zum Dienst gesandt. Ihre Berufung hat ihr Maß an Christus, der sich den Menschen zuwendet und sein Leben für sie hingibt. Ihn als den Dienenden sichtbar zu machen, ist ihr besonderer Auftrag. Die Sorge um Arme und Kranke, um Einsame und Menschen am Rand gehört deshalb zum Kern ihres Amtes. Schon in der frühen Gemeinde von Jerusalem zeigte sich, wie eng Glaube und konkrete Fürsorge zusammengehören. Als griechischsprachige Witwen bei der täglichen Versorgung übergangen wurden, ließen die Apostel sieben Männer auswählen. Unter Gebet legten sie ihnen die Hände auf. Die kirchliche Tradition erkennt in dieser Erzählung der Apostelgeschichte einen Ursprung des diakonalen Dienstes.
Dieser Dienst beginnt mit der Bereitschaft, sich vom Leben anderer berühren zu lassen. Manche brauchen materielle Hilfe. Andere jemanden, der ihnen zuhört oder ihre Trauer mitträgt. Diakone sollen erkennen, was einem Menschen in seiner konkreten Lage hilft, und mit ihm nach Wegen suchen. Dazu gehören ein waches Urteil und die Geduld, auch in schwierigen Situationen an seiner Seite zu bleiben. Zugleich ermutigen sie andere, selbst Verantwortung zu übernehmen. Denn die Nächstenliebe ist der ganzen Kirche aufgetragen.
Der Dienst am Nächsten, die Verkündigung und die Liturgie gehören dabei zusammen. Diakone verkünden das Evangelium und predigen. Sie spenden die Taufe, leiten Begräbnisse und können mit entsprechender Beauftragung kirchlichen Trauungen assistieren. In der Messe dienen sie am Altar und teilen die Kommunion aus. Die Eucharistie zu leiten, die sakramentale Lossprechung zu erteilen und die Krankensalbung zu spenden, bleibt Priestern und Bischöfen vorbehalten.
Was am Altar gefeiert wird, soll im Alltag Gestalt annehmen. Das Evangelium, das der Diakon verkündet, soll durch sein Handeln erfahrbar werden. Sein Dienst führt ihn deshalb in Wohnungen, an Arbeitsplätze und in Spitäler. Die Begegnungen dort prägen auch sein Gebet. So finden die Sorgen und Hoffnungen der Menschen ihren Platz im Leben der Gemeinde. Für Priesteramtskandidaten führt der Weg über den Diakonat zur Priesterweihe. Ständige Diakone finden in diesem Amt ihre bleibende Berufung. Viele von ihnen sind verheiratet und üben ihren Dienst neben einem Zivilberuf ehrenamtlich aus. Auch zölibatär lebende Männer können ständige Diakone werden. Bei verheirateten Bewerbern ist die Zustimmung der Ehefrau Voraussetzung für die Weihe. Die Verantwortung für Ehe und Familie bleibt bestehen. Gerade die Erfahrungen aus Partnerschaft, Kindererziehung und Beruf geben ihrer Seelsorge eine besondere Nähe zum Alltag.
Die elf Kandidaten des heurigen Weihejahrgangs bringen unterschiedliche Erfahrungen und geistliche Prägungen mit. In ihren persönlichen Vorstellungen erzählen sie auch davon, welche Not sie besonders berührt.
Roy George wurde in Kerala in Indien geboren, arbeitet bei der Atombehörde und lebt mit seiner Frau Annie und den beiden Söhnen in Wien. Er engagiert sich im Pfarrgemeinderat der Pfarre Der Weg Jesu und begann aus dem Wunsch nach einem intensiveren Dienst in der Ortskirche ein theologisches Studium. Sein Glaube ist vom täglichen Gebet, der Eucharistie und dem Leben als Ehemann und Vater geprägt.
Christoph Hecht wuchs als Sohn eines Diakons in der Wiener Pfarre Gersthof auf und fand 2011 in Neu-Guntramsdorf eine neue pfarrliche Heimat. Beim Pfarrkaffee lernte er seine Frau Maria kennen, mit der er zwei Töchter hat. Im Pfarrverband Anningerblick möchte er kontemplatives Gebet und gelebte Nächstenliebe verbinden und sich besonders der Not von Kindern und Jugendlichen zuwenden.
Andreas Kriz-Römer fand erst spät zum Glauben und lebt mit seiner Frau Sabine in einer Patchworkfamilie mit vier Kindern. Nach vielen Jahren in Forschung und Entwicklung gilt sein besonderes Engagement der Krankenhausseelsorge und Hospizbegleitung, künftig als Diakon an den Spitälern Wiener Neustadt und Hochegg. Die Erfahrung, von Gott geliebt zu sein, trägt ihn und bestärkt ihn darin, Menschen in Krankheit und Leid mit Wertschätzung zu begegnen.
Franz Knittelfelder stammt aus der Südsteiermark, leitet die Bildungsakademie Weinviertel und gehört zum Pfarrverband Rund um Laa. Der Vater von vier erwachsenen Kindern und Großvater ist seit über 30 Jahren mit Verena verheiratet und fühlt sich den Salvatorianern seit seiner Jugend verbunden. Kirche erlebt er in der Familie und der betenden Gemeinde als Heimat, besonders beschäftigen ihn die Not psychisch kranker Menschen und die Verantwortung für die Schöpfung.
Hans Georg Mößner ist Bautechniker, engagiert sich in Wopfing im Pfarrverband Mittleres Piestingtal und hat mit seiner Frau Karin zwei Söhne. Ein Cursillo-Glaubenskurs und die Wallfahrten nach Medjugorje haben seinen Glauben vertieft, bei einer dieser Reisen lernte er auch seine Frau kennen. Im heiligen Josef findet er ein Vorbild für Demut und tatkräftiges Handeln und schöpft aus dem Gebet und der Eucharistie Kraft für seinen Dienst.
Igor Ostojic kam als Achtjähriger aus Bosnien und Herzegowina nach Österreich und arbeitet heute als Kundenbetreuer bei der Erste Bank. Der verheiratete Vater dreier Kinder engagiert sich in Deutsch-Wagram in der Sakramentenvorbereitung, der Kinderliturgie und als Wortgottesdienstleiter. Seine Großmutter hat ihm das Rosenkranzgebet und die Verbundenheit mit Maria vermittelt, besonders beschäftigt ihn die geistliche Armut von Menschen ohne Halt im Glauben.
Nikolas Proch ist selbstständiger Hotelberater, verheiratet und in der Wiener Schottenpfarre beheimatet. Nach benediktinischem Vorbild sucht er ein Gleichgewicht zwischen Gebet, Schriftlesung und Caritas, wobei ihn neben materieller Armut besonders die zunehmende Einsamkeit vieler Menschen berührt. Als Herausforderung für die Kirche sieht er, mit ihrer Heilsbotschaft auch in einer Gesellschaft Gehör zu finden, in der viele ihr fremd geworden sind.
Thomas Stock leitet seit 2014 als Geschäftsführer und wirtschaftlicher Leiter die Universitätszahnklinik Wien. Nach seiner Ausbildung zum Krankenhaus- und Pflegeheimseelsorger engagiert er sich ehrenamtlich in der Unfallchirurgie des AKH und wird als Diakon auch in der Pfarre Währing tätig sein. Der leidenschaftliche Gitarrist schreibt christliche Pop- und Rocksongs und erlebt in der Musik einen Zugang zu Gott.
Oskar Strauss ist selbstständig, Vater zweier Kinder und Großvater und engagiert sich in der Caritasarbeit der Pfarre Altsimmering. Gott begegnet er besonders dort, wo Menschen gemeinsam essen, miteinander reden und einander als gleichwertig erleben. Die Armut im wohlhabenden Wien beschäftigt ihn ebenso wie die Frage, ob die Kirche selbst glaubwürdig lebt, was sie verkündet.
Michael Tolstiuk ist Jurist, verheiratet und Vater dreier Kinder und hat seine geistliche Heimat in der Minoritenpfarre Neunkirchen gefunden. Seine Spiritualität prägen die Suche nach Sinn, Verbundenheit und einer tieferen Wirklichkeit, wobei ihn neben materieller Not auch die Armut im Glauben an einen Schöpfer berührt. Sein Anliegen ist es, einzelne Menschen für das Evangelium und eine davon geprägte Lebensweise zu gewinnen.
Bernhard Zölß ist Softwareentwickler, ledig und in der Pfarre Aspern beheimatet. Gebet, Liturgie und Schriftlesung prägen seinen Glauben ebenso wie die Begegnung mit anderen Menschen, deren zunehmende Vereinsamung ihn besonders beschäftigt. Er wünscht sich eine Kirche, die die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils umfassend lebt und den Menschen von heute offen begegnet, ohne grundlegende Glaubensinhalte aufzugeben.
Zum Livestream am 10.Oktober ab 15.00 Uhr
In der Erzdiözese Wien gibt es den ständigen Diakonat seit 1970. Am 26. Dezember jenes Jahres weihte Kardinal Franz König im Stephansdom die ersten neun Männer. Das Zweite Vatikanische Konzil hatte die Wiederherstellung dieses eigenständigen Weiheamtes in der lateinischen Kirche ermöglicht. Dort war der Diakonat über Jahrhunderte weitgehend eine Stufe auf dem Weg zum Priesteramt gewesen. Die zuletzt veröffentlichte Kirchenstatistik nennt für die Erzdiözese Wien 213 ständige Diakone. Die Zahl bezieht sich auf das Jahr 2024.