Unter dem Leitwort „Himmlischer Friede“ kamen von Freitag bis Sonntag Gläubige zu Gottesdiensten, Anbetung, Vorträgen und Workshops im Salzburger Dom zusammen. Adoratio versteht sich als Kongress zur Erneuerung der Kirche aus der Eucharistie. Zum Programm gehörten auch mehrere Beiträge aus der byzantinischen Tradition.
Das Morgengebet im Salzburger dom am Samstag wurde im byzantinischen Ritus gefeiert. In den Workshops erschlossen Danylo Kolasa und V. John Reves zwei unterschiedliche Wege ostkirchlichen Betens.Danylo Kolasa stellte den Cherubim-Hymnus aus der Göttlichen Liturgie vor. Sein Workshop trug den Titel „Legt ab alle Sorgen des Lebens“. Im gemeinsamen Singen wurde erfahrbar, wie der liturgische Gesang den Menschen aus der Zerstreuung sammelt und auf Gott ausrichtet. V. John Reves, Leiter des Byzantinischen Gebetszentrums Salzburg, führte in das Jesusgebet ein. „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner“: Die kurze Anrufung soll den Alltag durchdringen und den Betenden in Christus verankern. Reves bezeichnete sie als einen Weg zum inneren Frieden im Herrn.
Diese Spiritualität steht nicht außerhalb der bedrängenden Wirklichkeit. Für Yuriy Kolasa muss sich der Glaube gerade dort bewähren, wo Krieg, Angst und Verlust das Leben bestimmen. Der Generalvikar des Ordinariats für die Gläubigen der katholischen Ostkirchen sprach bei einem Podiumsgespräch darüber, was die Gewalt mit Menschen macht und wie verwundete Herzen heilen können. Inmitten der Angst Mensch bleiben. Zu Beginn eines Krieges stünden Fassungslosigkeit, Unglaube und Angst, schilderte Kolasa. Dann dringe die Erkenntnis durch: „Das ist kein Albtraum, aus dem wir morgen aufwachen werden. Das ist jetzt unsere Wirklichkeit.“ Gerade in dieser Situation übernähmen Menschen Verantwortung füreinander. Sie versorgten Alte und Kranke, teilten Lebensmittel und Medikamente oder nähmen andere bei sich auf. Darin liege eine konkrete Antwort des Glaubens. „Der Glaube nimmt die Angst nicht einfach weg“, sagte Kolasa. „Aber er hilft uns, inmitten der Angst Mensch zu bleiben.“
Auch Frieden beginne nicht erst mit einem Vertrag. Er beginne dort, wo Menschen dem Hass nicht das letzte Wort überließen. Das bedeute nicht, das Böse zu verharmlosen. Es gehe um die Entscheidung: „Ich werde dem Bösen nicht erlauben, mich selbst böse zu machen.“ Wie schwer das ist, zeigte Kolasa am Beispiel eines Mädchens, das seinen Vater im Krieg verloren hatte. Es begann andere Kinder zu hassen, weil sie noch einen Vater hatten. Nach einem kirchlichen Ferienlager sagte seine Mutter: „Der Krieg hat das Herz meiner Tochter in Hass verwandelt. Aber die Kirche hat ihr Herz wieder in Liebe verwandelt.“ Die Kirche könne die Verluste des Krieges nicht rückgängig machen, betonte Kolasa. Sie könne aber Menschen begleiten und verhindern helfen, dass aus ihren Wunden neuer Hass und neue Gewalt entstehen. Darin liege eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Die ostkirchlichen Beiträge knüpften damit direkt am heurigen Thema des Kongresses an. Der im Gebet gesuchte Friede bewährt sich im Umgang mit dem Nächsten. Er bedeutet nicht, der Wirklichkeit auszuweichen. Er gibt die Kraft, ihr standzuhalten.
Adoratio entstand 2019 in Altötting und wurde 2025 erstmals in Österreich veranstaltet. Die nächsten Kongresse finden vom 9. bis 11. Oktober in Altötting und vom 23. bis 25. Oktober erstmals im Stift Kremsmünster statt.