Für P. Augustyn Bazan ist es eine neue Aufgabe an einem vertrauten Ort: Seit 2014 wirkt der Resurrektionist an der polnischen Kirche zum Heiligen Kreuz am Rennweg. Am Sonntag, 20. September, führte ihn der Bischofsvikar für Wien-Stadt, P. Dariusz Schutzki CR, im Rahmen einer festlichen Eucharistiefeier in sein Amt ein. Mit 1. September war Bazan zum Leiter der Polnischen Gemeinde und zum Kirchenrektor ernannt worden. Er folgt auf P. Zygmunt Waz CR. Zahlreiche Mitbrüder und Gläubige begleiteten die Einführung. Mit am Altar standen unter anderem der polnische Provinzial der Resurrektionisten, P. Mariusz Mazur CR, P. Jan Soroka CR, Pfarrer der Pfarre Zur Göttlichen Liebe, und P. Andrzej Jagiełka CR, der seit neun Jahren an der polnischen Kirche tätig ist. Die Gemeinschaften und Gruppen der Gemeinde gestalteten die Liturgie mit. Für den musikalischen Rahmen sorgte der Chor der Wiener Polonia „Gaudete“ unter der Leitung von Michał Kucharko. Bazan bringt langjährige seelsorgliche Erfahrung mit: Vor seinem Wechsel nach Wien war er jeweils neun Jahre in der Ukraine und in Polen tätig. Am Rennweg übernimmt er nun die Leitung einer Gemeinde, deren Menschen und Alltag er seit zwölf Jahren kennt.
Wie lebendig diese Gemeinde ist, zeigt sich weit über festliche Anlässe hinaus. Acht Eucharistiefeiern in polnischer Sprache stehen sonntags am Rennweg auf dem Gottesdienstplan. Dazu kommen die Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung, Ehevorbereitung, Kinder- und Jugendgruppen sowie unterschiedliche geistliche Gemeinschaften. Die Hochschulseelsorge „Przystań“ feiert heuer ihr 25-jähriges Bestehen; „Genezaret“ richtet sich an junge Erwachsene nach der Studienzeit. Der Kinder- und Jugendchor „Małe Gaudete“ besteht seit zehn Jahren. Hier finden Menschen einen Ort, an dem sie in ihrer Muttersprache beten, ihren Glauben vertiefen und Beziehungen knüpfen können. Die Gemeinde begleitet Familien über Generationen und eröffnet zugleich jungen Menschen eigene Möglichkeiten, Kirche mitzugestalten. Im Treffpunkt „Emaus“ gehören auch Kaffee, polnisches Gebäck, Bücher und katholische Zeitungen zum Gemeindeleben.
Das Gotteshaus gegenüber dem Unteren Belvedere entstand zunächst für einen anderen Zweck. Zwischen 1755 und 1763 wurde es nach Plänen des Hofarchitekten Nikolaus Pacassi als Kirche des Kaiserspitals errichtet. Hinter der zurückhaltenden Fassade öffnet sich ein annähernd ovaler Kuppelraum mit reicher Rokokoausstattung. Der Name „Gardekirche“ erinnert an die spätere Nutzung des Gebäudekomplexes: Nach der Aufhebung des Spitals unter Joseph II. wurde dort 1782 die polnische beziehungsweise galizische Leibgarde untergebracht. Zur dauerhaften Heimat der polnischen katholischen Gemeinde wurde die Kirche Ende des 19. Jahrhunderts. Nach Bemühungen polnischer Vereinigungen und Persönlichkeiten erfolgte 1897 die Übergabe an die Resurrektionisten. Seither betreuen sie die polnische Seelsorge am Rennweg. Im kommenden Jahr wird dieses Wirken seit 130 Jahren bestehen.
Die Geschichte der Resurrektionisten ist selbst eng mit dem Leben fern der Heimat verbunden. Die Gemeinschaft entstand 1836 in Paris im Umfeld polnischer Emigranten. Zu ihren Gründergestalten gehören Bogdan Jański, Piotr Semenenko und Hieronim Kajsiewicz. Ihr Name bezeichnet die „Kongregation von der Auferstehung“ und verweist auf die Mitte ihrer Spiritualität: Die Hoffnung auf neues Leben durch Christus soll Menschen verändern und im Zusammenleben wirksam werden. Besonders wichtig sind der Gemeinschaft die Seelsorge an Jugendlichen und Familien sowie der Aufbau christlicher Gemeinden. In Wien betreuen die Resurrektionisten seit 1906 auch die Josefskirche auf dem Kahlenberg, einen bedeutenden Wallfahrts- und Erinnerungsort für Menschen aus Polen. Ihr Wirken reicht zugleich weit in die örtliche Pfarrseelsorge hinein. Dass auch der Bischofsvikar für Wien-Stadt, P. Dariusz Schutzki, dieser Gemeinschaft angehört, macht ihre Verankerung in der Erzdiözese besonders sichtbar.
Johannes Paul II. am Rennweg und auf dem Kahlenberg
Ein besonderer Höhepunkt in der Geschichte der Gardekirche war der Besuch Johannes Pauls II. am 12. September 1983 während seiner ersten Österreichreise. Der polnische Papst besuchte damit auch die geistliche Heimat vieler seiner Landsleute in Wien. Die Statue vor dem Kirchenportal hält die Erinnerung an ihn bis heute wach. Am folgenden Tag kam Johannes Paul II. auf den Kahlenberg. Dort gedachte er des Entsatzes Wiens 300 Jahre zuvor, bei dem der polnische König Jan III. Sobieski eine entscheidende Rolle gespielt hatte. Sein Besuch verband die historische Erinnerung mit der Würdigung der geistlichen Beziehungen und der Freundschaft zwischen Österreich und Polen.
Die Gardekirche ist ein zentraler Ort der polnischen Seelsorge, deren Leben sich jedoch über die ganze Stadt erstreckt. Polnischsprachige Gottesdienste und Gemeinschaften gibt es unter anderem Am Schüttel, in Mariahilf, Maria Namen in Ottakring, St. Severin in Währing und St. Martin in Aspern. Auch in St. Brigitta besteht eine polnische Gemeinde.
Im Umland versammelt sich etwa die polnische Gemeinde in der Mödlinger Spitalkirche monatlich zur Eucharistie. Maria Gugging ist während der Wallfahrtssaison ein regelmäßiges Ziel polnischer Pilgergruppen. So verbindet die Seelsorge Menschen über Pfarr- und Ortsgrenzen hinweg. Zugleich gestalten polnische Katholikinnen und Katholiken ihre örtlichen Pfarren aktiv mit. In Mariahilf engagieren sie sich beispielsweise bei Pfarrfesten, im Pfarrgemeinderat und für die Erhaltung der Kirche. Die Pflege der eigenen Sprache und Tradition geht hier mit einer selbstverständlichen Mitverantwortung für das gemeinsame kirchliche Leben einher.
Radio Droga trägt den Glauben in den Alltag
Eine eigene Stimme hat dieses lebendige kirchliche Umfeld mit Radio Droga. Das polnischsprachige katholische Internetradio ist bei St. Severin angesiedelt, wo die Lazaristen, die Missionare des heiligen Vinzenz von Paul, seelsorglich wirken. Sein Name bedeutet „Weg“; als zentrales Anliegen nennt der Sender die Verkündigung des Evangeliums.
Radio Droga verbindet Gebet und Glaubensvermittlung mit Reportagen, kulturellen Themen sowie Angeboten für Kinder und Jugendliche. Die Website macht Predigten zugänglich und informiert über Exerzitien, Wallfahrten und Veranstaltungen. Auch die Einführung des neuen Rektors am Rennweg fand hier ihren Niederschlag: Veröffentlicht wurde die Predigt von Provinzial P. Mariusz Mazur vom 20. September. Das Radio schafft damit Verbindungen zwischen den Gemeinden und begleitet Menschen über den Kirchenbesuch hinaus in ihrem Alltag.
Die polnische Präsenz in Wien reicht weit vor die Gründung der Gemeinde am Rennweg zurück. Schon von 1564 bis 1567 besuchte der spätere heilige Stanislaus Kostka das Wiener Jesuitenkolleg. Im 19. Jahrhundert intensivierten sich die Beziehungen durch die Zugehörigkeit Galiziens zur Habsburgermonarchie und die wachsende Mobilität zwischen den Regionen. Anfang 2025 lebten nach Angaben der Stadt rund 55.000 Menschen polnischer Herkunft in Wien, darunter mehr als 44.000 mit polnischer Staatsangehörigkeit. Eine aktuelle, öffentlich belegte Gesamtzahl polnischer Katholiken lässt sich daraus nicht ableiten. Einen Eindruck von der Bedeutung der Gemeinde vermittelt jedoch eine ältere Schätzung: 2019 berichtete der damalige Rektor von rund 2.500 Gläubigen, die wöchentlich die Gottesdienste am Rennweg mitfeierten.
Die Stärke der Gemeinde zeigt sich vor allem in den Menschen, die sie tragen: in Familien und Jugendgruppen, Chören und Gebetsgemeinschaften, in der Seelsorge und im ehrenamtlichen Engagement. P. Augustyn Bazan übernimmt seine neue Aufgabe in einer Gemeinschaft, die ihre Wurzeln pflegt und die Kirche in Wien tatkräftig mitgestaltet.