Donnerstag 1. Oktober 2026

Schnellsuche auf der Website

Von Trumau in die Welt: 30 Jahre Katholische Hochschule ITI
Erzdiözese Wien/ Georg Schimmerl / Von Trumau in die Welt: 30 Jahre Katholische Hochschule ITI
01.10.2026

Von Trumau in die Welt: 30 Jahre Katholische Hochschule ITI

Theologie studieren und den Glauben gemeinsam leben: Diesen Auftrag stellte Kardinal Christoph Schönborn beim 30-Jahr-Jubiläum der Katholischen Hochschule ITI in Trumau in den Mittelpunkt. Die auf Initiative Johannes Pauls II. gegründete Hochschule zählt derzeit 120 Studenten und Studentinnen.

Mit einem persönlichen Rückblick auf die Anfänge hat Kardinal Christoph Schönborn am 1. Oktober das 30-jährige Bestehen der Katholischen Hochschule ITI in Trumau gewürdigt. Der langjährige Großkanzler, der bei der Feier den heutigen Großkanzler, Erzbischof Josef Grünwidl, vertrat, erinnerte an die Aufbruchsstimmung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Zugleich beschrieb er, was die Hochschule bis heute prägt: das Studium der großen theologischen Quellen, die Begegnung zwischen Ost und West und eine Gemeinschaft, in der der Glaube den Alltag trägt.

 

Ein Auftrag im Herzen Europas

Die Entstehung des Instituts verband Schönborn mit den politischen Umbrüchen in Europa. Mit dem Ende der Teilung habe Österreich wieder eine besondere Aufgabe im Herzen des Kontinents erhalten. Johannes Paul II. wollte hier einen Ort theologischer Bildung schaffen, der sich besonders Ehe und Familie widmet und jungen Menschen aus den ehemals kommunistischen Ländern offensteht.

 

Schönborn erinnerte auch an die praktischen Herausforderungen der Gründung. Eine frühere Einrichtung hatte aus finanziellen Gründen schließen müssen; zugleich eröffneten sich durch die Zusammenarbeit mit der Franciscan University of Steubenville neue Möglichkeiten. So fanden die Anfänge des ITI in der ehemaligen Kartause Gaming ihren Ort.

 

Entscheidend sei schließlich die Suche nach einem Gründungsrektor gewesen. Michael Waldstein kam von der University of Notre Dame nach Österreich. Schönborn würdigte ausdrücklich dessen Mut und den seiner Frau, sich auf dieses noch ungewisse Unternehmen einzulassen. In solchen Begegnungen und Entscheidungen erkannte der Kardinal rückblickend das Wirken der göttlichen Vorsehung.

 

Bei den großen Meistern lernen

Als einen zentralen Gedanken der Gründung bezeichnete Schönborn das Anliegen, „den Geschmack an den großen Meistern der Theologie zu wecken“. Die Studierenden sollten sich unmittelbar mit den Quellen auseinandersetzen und im Gespräch mit den großen Denkern der christlichen Tradition theologisches Urteilsvermögen entwickeln. Den Lehrenden komme dabei die Aufgabe zu, diese Begegnung zu begleiten.

 

Zur besonderen Berufung des ITI gehöre ebenso die Verbindung der östlichen und westlichen Traditionen der Kirche. Was Johannes Paul II. mit dem Bild der beiden Lungenflügel beschrieben habe, solle im Studium und im gemeinsamen Leben erfahrbar werden.

 

Theologische Bildung, so der Gedankengang des Kardinals, erschöpfe sich dabei nicht in der Vermittlung von Wissen. Sie wachse auch aus gemeinsamem Leben, Gebet und dem Vertrauen auf Gottes Vorsehung. Vertrauen und die verwandelnde Kraft der göttlichen Liebe bildeten deshalb wesentliche geistliche Bezugspunkte seines Rückblicks.

 

Von Gaming nach Trumau

Das ITI wurde 1996 auf Initiative Johannes Pauls II. als Internationales Theologisches Institut für Studien zu Ehe und Familie gegründet. Schönborn begleitete seinen Aufbau als erster Großkanzler und wirkte an der theologischen Ausrichtung mit. Seit 2009 befindet sich die Hochschule in Trumau, wo Schloss und Campus Raum für Studium und gemeinsames Leben bieten. Seit 2023 steht Bernhard Dolna als Rektor an ihrer Spitze.

 

Heute studieren am ITI 120 Studenten und Studentinnen. Unterrichtssprache ist Englisch; gelehrt wird vor allem in kleinen Seminargruppen. Das Angebot reicht vom einjährigen Studium Generale und einem Bachelor in Liberal Arts über das theologische Vollstudium bis zu Lizenziat und Doktorat. Hinzu kommt ein Masterstudium zu Ehe und Familie. Die Hochschule verbindet damit eine breite philosophische und theologische Bildung mit jenem Schwerpunkt, der bereits ihren Gründungsauftrag bestimmte.

 

Ihre Absolventinnen und Absolventen wirken in Seelsorge, Bildung und Wissenschaft, in kirchlichen Einrichtungen sowie in Medien, Wirtschaft und Gesellschaft. Allein zum Abschluss des Studienjahres 2025/26 erhielten 45 Absolventinnen und Absolventen ihre Diplome.

 

Die kirchliche Hochschule finanziert sich nach eigenen Angaben aus Studienbeiträgen und Spenden. Getragen wird ihre Arbeit von der Unterstützung durch Privatpersonen, Stiftungen und katholische Bischöfe; staatliche Finanzierung erhält sie nicht. Damit bleibt auch drei Jahrzehnte nach ihrer Gründung die Bereitschaft vieler Menschen, diesen Bildungsauftrag mitzutragen, eine wesentliche Grundlage ihrer Arbeit.