Wie Verantwortung in der Kirche angesichts knapper werdender Ressourcen und komplexer werdender Leitungsaufgaben künftig neu verteilt werden kann, stand im Mittelpunkt der jüngsten Tagung der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Priesterräte. Die Delegierten aus den Diözesen berieten am Dienstag 6. und Mittwoch 7. Oktober 2026, in Graz über "Geteilte Verantwortung" als "Modell für die Kirche von morgen" und tauschten sich über Erfahrungen mit neuen Leitungsformen sowie gelungene Modelle aus.
Dabei ging es auch um die Frage, "wie Leitungsaufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden können, ohne an Klarheit und Verbindlichkeit zu verlieren", hieß es in einer Aussendung am Donnerstag.
Im Rahmen der Tagung wurde Gerald Gump (Erzdiözese Wien) für eine dritte Amtsperiode als Vorsitzender der ARGE Priesterräte bestätigt. Zu Stellvertretern wurden Werner Grad (Diözese Linz) und Johannes Biedermann (Diözese Gurk) gewählt.
Einen zentralen Impuls gab der Grazer Weihbischof und Generalvikar Johannes Freitag, der bis zu seiner Bischofsweihe selbst Mitglied der Arbeitsgemeinschaft war. Als Generalvikar berichtete er über das in der Diözese Graz-Seckau praktizierte Modell gemeinsamer Leitung, bei dem er die Verantwortung seit 1. September im Duo mit dem "Diözesandirektor für Ressourcen, Steuerung und Organisation" Lukas Grangl teilt.
Mit dem Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl tauschten sich die Teilnehmer über diözesane und bundesweite Fragen zu Kirche, Gesellschaft und Politik aus. Weitere Themen waren aktuelle Entwicklungen in den einzelnen Diözesen sowie die Planung gemeinsamer Initiativen. Die Beratungen hätten gezeigt, dass sich viele Herausforderungen der Kirche nicht mehr allein bewältigen lassen. "Geteilte Verantwortung wurde daher nicht nur diskutiert, sondern von vielen Teilnehmern als ein Schlüssel für die Kirche von morgen verstanden", hieß es.
Entscheidende Rolle spiele auch das gelebte Evangelium. Beim Besuch im Grazer Marienstüberl der Caritas, wo täglich Hunderte Menschen Unterstützung erfahren, "konnten wir erneut erleben, wie das Evangelium Tag für Tag ganz konkret in die Tat umgesetzt wird", berichtete Gump.
Die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Priesterräte ist die von der Bischofskonferenz offiziell eingerichtete Plattform der diözesanen Priesterräte. Jede österreichische Diözese sowie auch die Diözese Bozen-Brixen ist durch Delegierte vertreten, die Bischofskonferenz durch den St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried.
Die Aufgaben der ARGE umfassen die gegenseitige Information über die Arbeit der diözesanen Priesterräte, die Koordination, die Beratung von Fragen und Anliegen der Priester von gesamtösterreichischer und weltweiter Bedeutung sowie die Beratung der Österreichischen Bischofskonferenz. Die ARGE ist der offizielle Kontakt zu Institutionen und Initiativen, deren Anliegen die internationale Wahrnehmung der in den Priesterräten behandelten Themen betrifft.
Quelle: kathpress