Zum Jahrestag des historischen "Rosenkranzfestes" vom 7. Oktober 1938 hat die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV) am Mittwochabend zu einem Festgottesdienst in den Wiener Stephansdom geladen. Die Feier in Erinnerung an den kirchlichen Protest gegen das NS-Regime vor 88 Jahren leiteten der Hochmeister des Deutschen Ordens, Frank Bayard, und der Wiener Generalvikar Andreas Kaiser. Das Rosenkranzfest sei ein Zeichen "gegen das Vergessen und ein Erinnern an den Mut der jungen Katholikinnen und Katholiken, die die Unvereinbarkeit von Glauben und Nationalsozialismus erfassten", sagte AKV-Präsident Matthias Tschirf am Donnerstag der Nachrichtenagentur Kathpress.
Am 7. Oktober 1938 versammelten sich Tausende Jugendliche im Stephansdom, um gemeinsam mit dem damaligen Wiener Erzbischof Theodor Kardinal Innitzer das Rosenkranzfest zu begehen. Innitzer predigte in Abänderung des gedruckten Programms nicht vorne beim Altar, sondern bestieg wegen der unerwartet hohen Anzahl von Jugendlichen die berühmte Pilgramkanzel. Seine Ansprache gipfelte in den Worten: "Einer ist euer Führer, euer Führer ist Christus, wenn ihr Ihm die Treue haltet, werdet ihr niemals verloren gehen."
Die Jugendlichen versammelten sich nach der Andacht spontan vor dem Erzbischöflichen Palais, um nachdrücklich ihre Solidarität mit Kirche und Kardinal zu bekunden. Tausende ließen Innitzer hochleben. Sprechchöre mit Rufen wie "Wir wollen unseren Bischof sehen!" wurden angestimmt - eine "Provokation" in den Augen der NSDAP-Funktionäre, die natürlich die Anspielung auf die Hitler-Parolen merkten. Kardinal Innitzer winkte zögernd aus einem Fenster im ersten Stock an der Ecke der Rotenturmstraße und gab dann mit beiden Armen deutliche Zeichen, dass die Jugendlichen nach Hause gehen sollten.
"Hitler-Jugend" und Gestapo verhafteten von dieser Kundgebung weg Jugendliche, einige kamen später ins KZ. Am folgenden Tag, dem 8. Oktober, schlug das Regime mit voller Härte zurück. "Spontan", tatsächlich aber gut organisiert, stürmte die "Hitler-Jugend" (HJ) - Schlägertrupps, bestehend aus 17- bis 25-Jährigen - das Erzbischöfliche Palais und das Curhaus am Stephansplatz. Kardinal Innitzer konnte im letzten Moment in Sicherheit gebracht werden, das Palais wurde verwüstet. Am 13. Oktober fand am Heldenplatz eine Großdemonstration des Regimes mit antisemitischen und kirchenfeindlichen Parolen statt.
Quelle: kathpress