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EDW/GeorgSchimmerl
20.10.2026

Eine Ikone, die Brücken baut: Wien feiert mit Máriapócs

Aus einer Wallfahrt wurde eine Einladung: Nach dem Besuch des Wiener Domkapitels in Máriapócs feiern Wien und der ungarische Wallfahrtsort gemeinsam 330 Jahre Tränenwunder. Am 7. und 8. November sind im Stephansdom besonders auch römisch-katholische Gläubige eingeladen, die byzantinische Tradition kennenzulernen.

Wer im Stephansdom vor der Ikone von Maria Pócs eine Kerze entzündet, bringt oft ein ganz persönliches Anliegen mit. Zugleich verbindet dieses beliebte Marienbild Wien mit einer lebendigen Glaubenstradition in Ungarn. Dieser Verbindung gingen im April Vertreter des Wiener Domkapitels sowie Mitarbeitende des Doms und der Erzdiözese nach: Sie besuchten Máriapócs, den Ursprungsort des vertrauten Marienbildes. Begegnungen, gemeinsames Gebet und der Eindruck vom Engagement der Menschen vor Ort prägten die Reise. Als Zeichen der Verbundenheit überbrachten die Gäste Reliquien der heiligen Leopold und Klemens Maria Hofbauer.

 

Dort entstand auch die Idee, das Jubiläum in Wien groß zu feiern, erzählt Markus Beranek. Was ihn dabei besonders bewegt, ist die Möglichkeit, durch die Ikone Brücken zwischen unterschiedlich geprägten kirchlichen Kulturen zu bauen: „Begegnung, Austausch, Miteinander – auch das ist ein sehr konkretes und ich meine auch wirkungsvolles Stück Synodalität.“

 

Eine gemeinsame Geschichte mit schmerzlichen Anfängen

 

Am 4. November 1696 sollen während eines Gottesdienstes in der griechisch-katholischen Kirche von Pócs Tränen aus den Augen der dargestellten Gottesmutter geflossen sein. Nach Untersuchungen ließ Kaiser Leopold I. die Ikone nach Wien bringen – gegen den Widerstand der örtlichen Bevölkerung. Seit 1697 befindet sie sich im Stephansdom. In Pócs wurde eine Kopie verehrt, von der später ebenfalls Tränenwunder berichtet wurden.

 

Zur gemeinsamen Geschichte gehört damit auch die Erfahrung eines Verlustes. Umso bedeutsamer ist die Begegnung heute: Menschen aus beiden Orten kommen zusammen, hören einander zu und feiern miteinander. Das Jubiläum bietet Gelegenheit, die Geschichte auch aus der Perspektive jener Gemeinde wahrzunehmen, aus deren Mitte die Ikone stammt.

 

Für Betende in Wien ist Maria Pócs ein vertrauter Ort für Sorgen, Dank und Hoffnung. Für die Gläubigen in Máriapócs gehört sie zur eigenen geistlichen Heimat. Beide Perspektiven können einander bereichern. Und Maria selbst weist im Bild auf Christus: In ihm findet das gemeinsame Gebet seine Mitte.

 

Eine Einladung, sich auf Neues einzulassen

 

Gerade wer gewöhnlich die Messe im lateinischen Ritus besucht, ist herzlich eingeladen, an diesem Wochenende mitzufeiern. Die Begegnung mit Katholiken der byzantinischen Tradition eröffnet einen Zugang zur Vielfalt der eigenen Kirche.

 

Manches mag zunächst ungewohnt sein. Sich darauf einzulassen, braucht keine besonderen Vorkenntnisse: zuhören, mitbeten und sich vom gemeinsamen Feiern tragen lassen. Beranek wünscht sich ausdrücklich, dass viele Gläubige des lateinischen Ritus kommen. Die Liturgie wird größtenteils auf Deutsch gefeiert; Texte zum Mitfeiern erleichtern die Teilnahme.

 

So bekommt sein Anliegen eine konkrete Gestalt: Synodalität wächst auch dort, wo Menschen den vertrauten Rahmen erweitern und die Glaubenserfahrung anderer kennenlernen. Das Jubiläum lädt dazu ein, diese Gemeinschaft selbst zu erleben.

 

Gemeinsam feiern im Stephansdom

 

Samstag, 7. November 2026, 19.30 Uhr: Friedensgebet mit dem marianischen Hymnus Akathistos und anschließender Lichterprozession um den Dom. Erzbischof Josef Grünwidl und Kardinal Christoph Schönborn feiern mit.

 

Sonntag, 8. November 2026, 10.15 Uhr: Göttliche Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomus mit Metropolit Fülöp Kocsis und weiteren griechisch-katholischen Bischöfen, vorwiegend auf Deutsch. Anschließend lädt das Domkapitel zur Agape in den Hof des Erzbischöflichen Palais.

 

Wer Maria Pócs bereits kennt, kann an diesem Wochenende ihre geistliche Heimat näher kennenlernen. Wer der byzantinischen Tradition zum ersten Mal begegnet, ist ebenso willkommen. Die Einladung gilt allen, die gemeinsam beten, feiern und einander begegnen möchten.