Zum 40. Mal lädt die Gemeinde St. Ruprecht gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen zu „Mechaye Hametim – Der die Toten auferweckt“ ein. Vorträge, Gespräche, Musik, Film und ein Gedenkspaziergang verbinden die Erinnerung an die Novemberpogrome 1938 mit Fragen an die Gegenwart. Im Mittelpunkt steht der ökumenische Gedenkgottesdienst am Montag, 9. November 2026, um 19 Uhr in der Ruprechtskirche, mit anschließendem Schweigegang zum Mahnmal auf dem Judenplatz.
Wie lässt sich die Erinnerung an die Schoah bewahren, wenn immer weniger Überlebende selbst erzählen können? Was braucht der Dialog zwischen Judentum und Christentum? Und welche Verantwortung erwächst daraus für die Kirchen heute? Diesen Fragen widmen sich die heurigen Bedenktage.Am 3. November um 19 Uhr spricht die Holocaust-Bildungsexpertin Rivka Rosenberg im Otto-Mauer-Zentrum über die Zukunft des Gedenkens und die Möglichkeiten und Grenzen digitaler Technologien. Der Vortrag findet auf Englisch statt. Am 4. November um 19 Uhr diskutieren dort Regina Polak und Jasmin Freyer über Chancen und Fallstricke des christlich-jüdischen Dialogs; Brigitte Krautgartner moderiert das Gespräch.
Die historische Verantwortung der Kirche steht am 5. November von 18 bis 20 Uhr in der Akademie am Dom im Fokus: Hubert Wolf stellt gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Schottengymnasiums das Forschungsprojekt „Asking the Pope for Help“ über jüdische Bittbriefe an Pius XII. vor. Ein Gedenkspaziergang durch Liesing am 7. November um 10 Uhr macht Spuren jüdischen Lebens und seiner Zerstörung sichtbar. Am selben Tag richtet der Gottesdienst in St. Ruprecht um 17 Uhr den Blick auf antijüdische Deutungen biblischer Texte.
Beim ökumenischen Gedenkgottesdienst am 9. November spricht die evangelische Religionspädagogin Julia Spichal die Worte des Gedenkens. Weitere Veranstaltungen widmen sich dem Vermächtnis Elie Wiesels am 11. November und dem Film „Der Passfälscher“ am 16. November im Votivkino. Zum Programm gehören außerdem eine Buchpräsentation über die Wiener Komponistin Hilde Loewe und der musikalisch-literarische Abend „Bei Einbruch der Wirklichkeit“ am 30. Oktober in der Ruprechtskirche.
Den Rahmen bildet die Erinnerung an die jüdischen Menschen, die im November 1938 in Wien beraubt, misshandelt und verschleppt wurden. Das weitgehende öffentliche Schweigen der Kirchen bleibt eine gemeinsame ökumenische Herausforderung. Der katholischen Kirche kam aufgrund ihrer Größe eine besondere gesellschaftliche Verantwortung zu, die Auseinandersetzung mit christlichem Antijudaismus betrifft jedoch alle Konfessionen.
Der Name „Mechaye Hametim“ stammt aus der Amida, einem zentralen jüdischen Gebet im Synagogengottesdienst, das im Stehen gesprochen wird und Gotteslob, Bitten und Dank verbindet. Die Worte preisen dabei auch Gott als den, der die Toten auferweckt. Für das Gedenken eröffnen sie einen Raum für Klage und Hoffnung. Gedenken verpflichtet aber auch dazu, jüdischem Leben heute mit Aufmerksamkeit und verlässlicher Solidarität zu begegnen.
Informationen zur Reihe und zu den einzelnen Veranstaltungen bieten St. Ruprecht, der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, das Forum Zeit und Glaube und die Theologischen Kurse.