Ein eindringlicher Aufruf zu Frieden, Versöhnung und persönlicher Umkehr sowie Gebete für die Genesung von Papst Leo XIV. von seiner Krebserkrankung haben das diesjährige Medjugorje-Friedensgebet "Message for You" am Mittwochabend im Wiener Stephansdom geprägt.
Zur 19. Auflage der Veranstaltung versammelten sich über 4.000 Gläubige, um angesichts weltweiter Konflikte gemeinsam für Frieden zu beten. Höhepunkt der fünfstündigen Veranstaltung war eine Eucharistiefeier mit dem neuen Wiener Erzbischof Josef Grünwidl, der das Gebet als wesentliche Aufgabe der Christen bezeichnete und zugleich zur konkreten Friedensarbeit im Alltag ermutigte.
"Das Gebet um Frieden ist das Wichtigste, was wir tun können", leitete Grünwidl seine Predigt ein. Der Dom sei nur selten so voll wie bei den Medjugorje-Friedensgebeten, die der Erzbischof als "Hoffnungszeichen" und "geistig-geistliche Kraft" bezeichnete. Spürbar sei eine "Gebetsgemeinschaft des Friedens, die etwas bewirkt und die die Welt verändern kann". Es gehöre zu den "Früchten von Medjugorje", dass viele Menschen dort das Beten begonnen oder neu begonnen hätten. Dies sei wichtig, da dauerhafter Frieden nicht allein durch politische Verhandlungen oder militärisches Gleichgewicht geschaffen werden könne: "Der Friede ist und bleibt ein Geschenk Gottes", so Grünwidl. Grundlage sei das "Wachsen des inneren Friedens im Herzen der Menschen".
Die Jungfrau Maria sei darin ein Vorbild, weil sie Gottes Aufruf angenommen, mit ihrem "Ja" darauf geantwortet und sich so als "Werkzeug des Friedens" zur Verfügung gestellt habe, so der Erzbischof weiter. Wer den Frieden als Geschenk annehme, dürfe nicht untätig bleiben, denn Beten und Handeln gehörten zusammen: Christen müssten bereit sein, zu verzeihen, sich zu entschuldigen und Versöhnung zu suchen. Zwischen Liturgie und Alltag dürfe es keine Trennung geben: "Der Friede sei mit euch" sei kein bloßer liturgischer Gruß, sondern beinhalte den Auftrag, selbst Frieden zu stiften. "Wer um Frieden betet, braucht Geduld und einen langen Atem der Hoffnung", so Grünwidl.
Einen weiteren geistlichen Impuls gab Ivan Dragicevic, einer aus jener Gruppe der "Seher" aus dem herzegowinischen Wallfahrtsort Medjugorje, die seit 1981 von regelmäßigen Marienerscheinungen berichten. Nach seinen Angaben erlebte er auch während des Friedensgebets im Stephansdom eine Begegnung mit der Gottesmutter. Dragicevic schilderte nach Ende der Eucharistiefeier davon und betonte ihre besondere Liebe, ihre Rolle als Wegbegleiterin zu Jesus und als Fürsprecherin. Nach seinen Angaben habe die Mutter Jesu im Wiener Dom insbesondere für Papst Leo XIV., sowie über die anwesenden Gläubigen, die Priester und Bischöfe sowie für den Frieden in der Welt gebetet.
Laut der von Dragicevic wiedergegebenen Botschaft habe Maria die Gläubigen dazu aufgerufen, ihre "Herzen für Gott zu öffnen" und zum Gebet, zur heiligen Messe und zur Beichte zurückzukehren. Die Welt sei "verwundet", viele Menschen hätten den inneren Frieden verloren, viele Familien beteten nicht gemeinsam, "und viele Menschen leben, als gäbe es Gott nicht". Weiter hieß es wörtlich: "Lasst nicht zu, dass die Angst stärker ist als der Glaube, dass der Hass stärker ist als die Liebe. Der Friede beginnt nicht in den großen Palästen der Welt, sondern in euren Herzen, in euren Familien, in eurer Vergebung und in eurem Gebet".
Die Gläubigen sollten die Änderung des eigenen Lebens nicht auf die Zukunft verschieben oder "darauf warten, dass die Welt besser wird", so die von Dragicevic wiedergegebene Botschaft weiter, sondern selbst "Hände der Liebe, wo Menschen leiden" sein. Die "Gospa" (Kroatisch für: Herrin) habe zum Gebet insbesondere für die Familien, die Jugendlichen, die Priester, die Kirche und den Frieden aufgerufen und dazu, sich nicht vor der Zukunft zu fürchten. "Verliert nicht die Hoffnung, wenn ihr die Kreuze des Lebens seht. Mein Sohn hat den Tod besiegt. Danke, dass ihr dem Ruf zum Frieden und zum Gebet gefolgt seid", hieß es abschließend.
Schon zuvor hatte Dragicevic zentrale Elemente der Botschaften aus Medjugorje zusammengefasst. Maria fordere stets eine "Umkehr" - dahingehend, "Gott den ersten Platz im Leben zu geben" und sich von ihm verändern zu lassen. "Wir beten oft: Gott warum änderst du nicht die anderen, die Welt, die Kirche oder den Partner. Die Gospa lehrt uns aber zu beten: Herr, ändere mich", so der 61-jährige in Medjugorje und den USA lebende Familienvater. Wo sich Menschen oder erst recht Familien bekehrten, würden sie zu Hoffnungsträgern und könnten eine Veränderung der Gesellschaft und der Welt bewirken. Wichtig sei dafür das Gebet, das eine "Begegnung" sei und "freudig, nicht mechanisch" verrichtet werden solle.
In Richtung Eltern sagte Dragicevic, sie sollten "für die Seele ihrer Kinder kämpfen" und ihnen durch ihr Glaubensleben ein Vorbild geben. Jugendlichen riet er zu Misstrauen gegenüber Versprechungen von Freiheit durch ein Leben ohne Gott, da es vielmehr dieser sei, "der euch erst den Sinn der Freiheit gibt" und selbst die Liebe sei. Gläubige sollten zudem die Eucharistie als "Zentrum des Lebens" verstehen: "Die Gospa sagt oft, wenn ihr euch entscheiden könnt, einer Erscheinung mit den Sehern beizuwohnen oder in die Messe zu gehen, dann geht nicht zu mir, sondern zur Begegnung mit Jesus." Entsprechend sei auch in Medjugorje "die Eucharistie wichtiger als der Erscheinungsberg".
Begonnen hatte das Friedensgebet am Nachmittag mit Lobpreis, Gebet und persönlichen Glaubenszeugnissen. Eine Studentin berichtete, in Medjugorje bei Anbetung, Beichte, Rosenkranz und Kreuzverehrung Gottes Nähe sehr unmittelbar erfahren zu haben. "Wenn man sich fern von Gott fühlt, hilft es, sich an Maria zu wenden, denn sie hilft wie eine Mutter", riet die Jugendliche. "Gott nahe gespürt" hat auch der Journalist Karl Hohenlohe auf der "beeindruckendsten Reise meines Lebens", wie er sagte, die ihn nach Malawi zu einer vom Ernährungsprojekt "Marys Meals" versorgten Schule führte. Er rief dazu auf, Kindern für 22 Euro ein Jahr Schulmahlzeit zu spenden, "das geht sich für jeden aus". Ein Mitglied der Gemeinschaft Cenacolo, das seine Drogenabhängigkeit überwunden hat, appellierte, "Hilfe zu suchen und zu geben". Seine eigene Geschichte zeige, dass es Hoffnung gebe: "Ich war tot und bin wieder lebendig."
Um das Thema geistliche Berufung ging es im Zeugnis des vor einem Jahr zum Priester geweihten Ordensmanns Bernhard Schwarz. "Ich bin eine Frucht dieses Abends", sagte er zu Beginn seines Beitrags. 2011 habe ihn als damals 22-jährigen Rockmusiker die Einladung, beim Friedensgebet musikalisch mitzuwirken, auf die Spur des Glaubens gebracht. "Gebt euch nicht mit weniger zufrieden als wonach sich euer Herz sehnt!", so sein Appell an die hunderten im Dom anwesenden Jugendlichen. Zudem ermutigte der Kalasantinerpater auch, anderen Menschen vom eigenen Glauben - "dem Wirken Gottes im eigenen Leben" - zu erzählen und Angebote zum "Kloster auf Zeit" stärker zu nutzen: "Ich habe noch von keinem Teilnehmer gehört, das wäre verschwendete Zeit gewesen. Man geht dabei kein Risiko ein", so Schwarz.
Das Friedensgebet im Stephansdom ist von der Spiritualität Medjugorjes geprägt. In dem Wallfahrtsort in Bosnien-Herzegowina wird seit 1981 von Erscheinungen der Jungfrau Maria berichtet; Frieden, Gebet, Umkehr und die Hinwendung zu Jesus zählen zu den zentralen Themen der damit verbundenen Botschaften. Im September 2024 erkannte das vatikanische Dikasterium für die Glaubenslehre mit einem "Nihil obstat" die positiven geistlichen Früchte von Medjugorje an, ohne damit eine Entscheidung über den übernatürlichen Charakter der berichteten Erscheinungen zu treffen. Bereits 2019 hatte Papst Franziskus offizielle Wallfahrten an den Ort ermöglicht.
Aus der Bewegung der Medjugorje-Pilger bildeten sich auch in ganz Österreich Gebetsgruppen, aus deren Umfeld 2008 das seither jährlich stattfindende Friedensgebet in Wien ins Leben gerufen wurde. "Message for You" zählt zu den größten regelmäßigen kirchlichen Ereignissen in Österreich. Veranstalter waren auch heuer die Gebetsgemeinschaft "Oase des Friedens" und die Johannesgemeinschaft des Souveränen Malteser-Ritterordens in Zusammenarbeit mit religiösen Gemeinschaften und geistlichen Erneuerungsbewegungen der Erzdiözese Wien.
Quelle: kathpress