Maria Berchmana Leidenix widmete ihr Leben der Bildung und Begleitung junger Menschen. Die aus Niederösterreich stammende Ordensfrau wirkte jahrzehntelang in Bosnien. Ihre Hilfe galt Menschen unterschiedlicher Religion und Herkunft. Im Dezember 1941 wurde sie im Alter von 76 Jahren ermordet. Gemeinsam mit vier Mitschwestern wird sie als eine der fünf Drina-Märtyrerinnen verehrt.
Eine Berufung wächst in Wien
Karoline Anna Leidenix, so ihr Taufname, wurde in Enzersdorf an der Fischa geboren und in der Pfarrkirche zum heiligen Apostel Thomas getauft. Nach dem frühen Tod ihres Vaters geriet die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
1878 nahm Franziska Lechner, die Gründerin der Töchter der göttlichen Liebe, Karoline und ihre jüngere Schwester in das Wiener Internat ihrer Gemeinschaft auf. Während der Schulzeit reifte Karolines Wunsch, selbst Ordensfrau zu werden. 1882 trat sie in die Kongregation ein und erhielt den Namen Maria Berchmana.
Lehrerin und Begleiterin in Bosnien
Nach ihren ersten Gelübden 1883 wurde Schwester Berchmana nach Bosnien entsandt. Als Lehrerin unterrichtete und erzog sie Kinder; später übernahm sie auch Verantwortung für die Ausbildung junger Ordensschwestern.
Ihre Zuwendung überschritt konfessionelle Grenzen. Sie unterrichtete katholische, orthodoxe, muslimische und jüdische Kinder. Während des Ersten Weltkriegs half sie in einem Militärspital in Višegrad. 1919 führte sie ihr Weg vorübergehend zurück nach Wien, wo sie an der Marienanstalt in der Fasangasse unterrichtete.
Dienst bis ins hohe Alter
1939 kam Berchmana nach Pale bei Sarajevo. Trotz ihres Alters und ihrer gesundheitlichen Beschwerden blieb sie den Menschen zugewandt. Ihre Nähe zu muslimischen und orthodoxen Einwohnern blieb besonders in Erinnerung.
Als der Zweite Weltkrieg Bosnien erreichte, wurde die Hilfe der Schwestern für Bedürftige und Schutzsuchende noch dringlicher. In ihrer Gemeinschaft lebten Frauen unterschiedlicher Herkunft zusammen, verbunden durch ihren Glauben und den gemeinsamen Dienst.
Verschleppung und Tod Im Dezember 1941 überfielen Angehörige serbisch-nationalistischer Tschetnikverbände das Kloster in Pale und verschleppten fünf Schwestern. Der erzwungene Weg durch Schnee und Kälte überstieg Berchmanas Kräfte. Sie blieb in Sjetlina zurück, während ihre vier Mitschwestern nach Goražde gebracht und dort am 15. Dezember ermordet wurden.
Am 23. Dezember wurde auch Schwester Berchmana abgeholt und außerhalb von Sjetlina getötet. Ihr Grab konnte nicht gefunden werden. Die Bezeichnung „Drina-Märtyrerinnen“ erinnert an den Fluss, in den die Leichname ihrer vier Gefährtinnen geworfen wurden.
Seligsprechung und Gedenken
Am 24. September 2011 wurden Maria Berchmana Leidenix, Jula Ivanišević, Krizina Bojanc, Antonija Fabjan und Bernadeta Banja im Auftrag von Papst Benedikt XVI. in Sarajevo seliggesprochen. Ihr gemeinsamer liturgischer Gedenktag ist der 15. Dezember. Berchmanas Leben erinnert an die verbindende Kraft gelebter Nächstenliebe. Sie schenkte Kindern Bildung und begegnete Menschen anderer Glaubenstraditionen mit Hilfsbereitschaft. Ihr Zeugnis ermutigt dazu, auch unter schwierigen Bedingungen aufeinander zuzugehen und die Würde jedes Menschen zu achten.