Seit 13 Jahren ist Sandra Hons in der Pfarrverbandskanzlei des Pfarrverbands Poysdorf im Weinviertel tätig. Mit viel Leidenschaft ist sie die organisatorische Drehscheibe des Pfarrverbands und kümmert sich um die verschiedensten Anliegen der Menschen, die in ihre Pfarrverbandskanzlei kommen. In all den Jahren hat sie die Erfahrung gemacht: Bei der Vereinbarung von Taufen, Hochzeiten und Begräbnissen ist viel seelsorgliches Fingerspitzengefühl gefragt. Einer von mehreren Gründen, wieso die 45-Jährige künftig auch als Pastoralassistentin tätig sein wird, wie sie im Interview erzählt.
Ein ungewöhnlicher Schritt: Es kommt kaum vor, dass die Pfarrsekretärin eines Pfarrverbandes die neue Pastoralassistentin wird. Wie kam es dazu?
Ich bin seit 2013 in Poysdorf in der Pfarrverbandskanzlei tätig. Der seelsorgliche Teil meiner Arbeit hat für mich über die Jahre immer mehr Stellenwert bekommen. Denn der administrative Teil allein hat mich nicht erfüllt. In mir ist der Wunsch gereift, mich noch mehr in den Dienst an den Menschen zu stellen. Denn die Begegnung mit Menschen erfüllt mich. Ich wohne und lebe in unserem Pfarrverband und kenne die Menschen hier. Gleichzeitig möchte ich weiterhin Sekretärin bleiben – denn da würde mir etwas fehlen, wenn ich es nicht mehr wäre. Pfarrsekretärin sein ist für mich mehr als ein Beruf – es ist Berufung.
Was ist für Sie das Spannende daran, künftig beide Berufe auszuüben?
In der Pfarrverbandskanzlei ist der Grat zwischen administrativer Tätigkeit und seelsorglichen Gesprächen sehr schmal. Darauf bin ich über die Jahre immer mehr draufgekommen. Man ist als Pfarrsekretärin das erste Gesicht in der Kanzlei – ob jemand geboren oder gestorben ist. Die Menschen kommen zu einem, schütten ihr Herz aus, suchen Trost und ein offenes Ohr. Da kommt man schnell ins Seelsorgliche. Diese Erfahrungen möchte ich gerne einbringen, um mein Seelsorgeteam zu unterstützen.

In mir ist der Wunsch gereift, mich noch mehr in den Dienst an den Menschen zu stellen. Denn die Begegnung mit Menschen erfüllt mich.
Was sind die Herausforderungen, zugleich Pfarrsekretärin und Pastoralassistentin zu sein?
Es ist für mich neu, zwei Rollen zu haben. Ich bin gespannt, wie die Menschen mich dann sehen werden und ob sie meine Rollen unterscheiden können. Und auch, in welcher Rolle ich mich jeweils befinden werde. Da muss ich reinwachsen und mal schauen, wie es sich entwickeln wird. Auf jeden Fall muss ich mich abgrenzen können und auch klar festlegen, dass zum Beispiel Büroarbeiten nur am Vormittag gemacht werden.
Was ist Ihnen als Seelsorgerin in der Begleitung von Menschen wichtig?
Das Zuhören-Können und Hinhören. Das wird in unserer schnelllebigen Zeit immer weniger. Mir ist es wichtig, meinem Gegenüber 100 Prozent meiner Aufmerksamkeit zu schenken. Ich möchte Menschen auf ihrem Glaubensweg begleiten – dass sie ihren Alltag als Ort der Gottesbegegnung wahrnehmen können. Seelsorge bedeutet auch, Menschen zu befähigen, ihre Talente und Charismen zu erkennen und dafür zu sorgen, dass sie diese in unseren Pfarrverband einbringen können.
Gab es eine berührende Begegnung in Ihrer bisherigen Tätigkeit?
Wir haben immer am ersten Adventwochenende die Aktion „ Stay and Pray“ am Poysdorfer Christkindlmarkt. Da laden wir Menschen in die Barbarakapelle ein, wo man Kerzen anzünden und verschiedene Stationen machen kann. Einmal ist ein vierjähriges Mädchen gekommen, ist von Station zu Station gegangen und war eine Stunde mit ihrer Oma in der Kapelle. Das war sehr außergewöhnlich. Am nächsten Tag hat das Mädchen Mama, Papa und ihre Schwester zur Kapelle gebracht. Dass sich dieses vierjährige Mädchen so von Christus berühren hat lassen und auch noch andere mitreißt, da bekomme ich noch heute Gänsehaut. Ich bin mit ihr und ihrer Familie weiterhin in Kontakt.

Mir ist es wichtig, meinem Gegenüber 100 Prozent meiner Aufmerksamkeit zu schenken. Ich möchte Menschen auf ihrem Glaubensweg begleiten – dass sie ihren Alltag als Ort der Gottesbegegnung wahrnehmen können.
Welches Erlebnis in Ihrer Biografie hat Sie in Ihrem Glauben besonders geprägt?
Ein großartiges, einzelnes Erlebnis habe ich in meiner Biografie nicht. In meinem Leben gab es immer wieder Menschen, die mein Glaubensleben geprägt haben. Was mich antreibt, sind Begegnungen mit anderen Menschen. Ich mag es, in Gemeinschaft zu sein und mich über den Glauben auszutauschen, miteinander zu Essen und zu beten.
Welche Schwerpunkte wollen sie im Pfarrverband Poysdorf setzen?
Den Pfarrverband Poysdorf gibt es schon sehr lange, aber noch immer steht für viele die eigene Pfarre im Mittelpunkt. Ich möchte dazu beitragen, dass der Pfarrverband zusammenwächst. Und ich möchte innovative pastorale Formate entwickeln für die Menschen in meiner Umgebung. Dafür stelle ich mir die Frage: Wo würde Jesus hingehen? Das Motto unserer Sendungsfeier lautet „Aufbrechen zu den Fernen“. Die Fernen möchte ich in den Blick nehmen und die Balance zwischen einer „Geh-hin-Kirche“ und einer „Komm-hin-Kirche“ finden.
Das Interview führte Oliver Steinringer