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Erzdiözese Wien/ Schönlaub, Stephan Schönlaub
21.10.2026

Allerheiligen: Stephansdom zeigt monumentalen Totentanz von Lisa Huber

Vier großformatige Holzschnitte thematisieren Vergänglichkeit und christliche Hoffnung auf Auferstehung - Dompfarrer Faber: Einladung, dem Tod beweglich statt erstarrt zu begegnen.

Monumentale Holzschnitte der Kärntner Künstlerin Lisa Huber sind seit Mittwoch in der Vierung des Wiener Stephansdoms zu sehen. Unter dem Titel "Mitten im Tod vom Leben umfangen" thematisiert die vierteilige Darstellung eines Totentanzes die menschliche Vergänglichkeit und die Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus. Bei der Vorstellung der neuen Ausstellung betonte Dompfarrer Toni Faber die christliche Botschaft der Werke: "Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen und müssen unsere Sterblichkeit bedenken. Doch es gilt umgekehrt auch: Mitten im Tod sind wir von Hoffnung und Zuversicht umfangen."


Die vier Holzschnitte messen jeweils rund 2,60 mal 5,60 Meter. Huber greift darin das mittelalterliche Totentanzmotiv auf, das den Tod als unausweichliche Erfahrung aller Menschen unabhängig von Stand, Alter und gesellschaftlicher Stellung zeigt. Die tanzenden Skelette werden von Händen begleitet, die "fragen, tragen und Hilfe anbieten". Eine grüne Hand verweist dabei auf Segnung und Geben, es gibt auch weitere christliche Symbole wie ein wankendes blaues Kreuz und die Lanze des römischen Soldaten Longinus.


Dem Tod mit Hoffnung begegnen


Faber, der bereits mehrere Kunstprojekte mit Huber umgesetzt hat, bezeichnete die Bilder als Einladung, den Herausforderungen des Lebens und auch dem Tod nicht in Erstarrung, sondern mit Hoffnung zu begegnen. "Überall, wo wir uns bewegen lassen, ist schon der erste Schritt der Hoffnung getan", erklärte der Dompfarrer gegenüber Kathpress. Die Werke sollten "dem Leben dienen". Gerade rund um Allerheiligen und Allerseelen könnten sie dazu anregen, der Verstorbenen zu gedenken und zugleich Zuversicht zu schöpfen. Die christliche Abschiedskultur sei darauf ausgerichtet, Hoffnung zu feiern, was im Wiener Stephansdom auch bei den täglich sieben Gottesdiensten geschehe.


Die Kunsthistorikerin Elisabeth Nowak-Thaller vom Lentos Kunstmuseum Linz verwies bei der Präsentation auf die lange Tradition des Totentanz-Motivs, das in Pestzeiten, im Barock und vor dem Hintergrund der Weltkriege immer wieder aktuell geworden sei. Die Darstellungen Hubers zeichneten sich durch einen hohen Abstraktionsgrad sowie durch kühle Distanz und Zurückhaltung aus. Der Tod reduziere den Menschen auf seine äußere Hülle, nehme ihm aber nicht die Bewegung, und auch Brautstrauß, Festkleid und Schuhe deuteten in Hubers Werk auf Tanz und Übergang. Eine vom Kopf des Königs fallende Krone zeige, dass Macht und Ruhm vergänglich seien.


Auseinandersetzung mit Tod des Vaters


Huber selbst versteht ihr 1996 als Reaktion auf den Tod ihres eigenen Vaters entstandenes Werk als Aufforderung, die begrenzte Lebenszeit bewusst zu nutzen und der Welt etwas zu hinterlassen. "Wie gehen wir als Gesellschaft mit dem Tod um? So leben, Wertschätzung dem anderen gegenüber bringen, dass man am Ende der Zeit in Ruhe gehen kann", sagte sie im Interview mit Kathpress. Die Künstlerin beschäftigt sich seit Jahren mit Kreuzigung, Kreuzwegstationen und Totentanzmotiven, darunter unter anderem mit dem Kreuzweg in Sachsenburg in ihrer Kärntner Heimat.


Die Arbeit an den monumentalen Holzschnitten sei eine besondere Herausforderung gewesen, sagte die 1959 geborene Künstlerin; zumindest im deutschen Sprachraum seien ihr keine ähnlich großen Holzschnitte bekannt. Die 5,60 mal 2,60 Meter großen Holzplatten hätten sie zunächst eingeschüchtert, und sie habe lange um die passende Komposition gerungen. Der Totentanz wurde 1997 erstmals im Bischöflichen Ordinariat Klagenfurt ausgestellt und war seither u. a. in Frankfurt, am Katholikentag in Berlin 2003, im Wiener Künstlerhaus und in der Linzer Martin-Luther-Kirche zu sehen.


Erst am Dienstag waren die im Stephansdom ausgestellten Kaltnadelradierungen von Arnulf Rainer abgenommen worden. Rainers Kreuze und Hubers Holzschnitt-Totentanz seien eine stimmige Verbindung unterschiedlicher künstlerischer Zugänge zum selben Thema, befand neben Dompfarrer Faber auch Kunsthistorikerin Nowak-Thaller. Die aktuelle Schau ist über die Feiertage bis 10. November zu sehen.