Hryhorij Chomyschyn, auch Hryhory Khomyshyn geschrieben, leitete über vier Jahrzehnte die griechisch-katholische Eparchie Stanislau. Er förderte die Ausbildung der Priester, das Ordensleben und die religiöse Bildung. Mit Wien verbanden ihn fünf Studienjahre. Unter sowjetischer Herrschaft wurde er verhaftet und starb nach monatelanger Gefangenschaft im Gefängniskrankenhaus von Kyjiw.
Hryhorij wurde in einer bäuerlichen Familie in Hadynkiwzi im damaligen österreichischen Galizien geboren. Seine Heimat liegt heute in der Westukraine. Nach dem Gymnasium studierte er Theologie in Lemberg und bereitete sich auf den Priesterdienst vor. 1893 empfing er die Priesterweihe.
Von 1894 bis 1899 setzte er seine theologischen Studien in Wien fort. Er gehörte dem höheren Priesterbildungsinstitut Augustineum, auch Frintaneum genannt, an. 1899 schloss er seine Ausbildung mit dem theologischen Doktorat ab und kehrte nach Galizien zurück.
Nach seelsorglichen Aufgaben wurde Chomyschyn 1902 Rektor des griechisch-katholischen Priesterseminars in Lemberg. Bereits 1904 übernahm er als Bischof die Leitung der Eparchie Stanislau, deren Sitz heute Iwano-Frankiwsk heißt. Die Ausbildung und geistliche Begleitung der Priester blieben ihm ein besonderes Anliegen. Ebenso unterstützte er die Entwicklung von Ordensgemeinschaften und die Vertiefung des Glaubens in den Pfarren.
Chomyschyn förderte Pfarrmissionen, den Bau von Kirchen und die Gründung religiöser Gemeinschaften. Durch Hirtenbriefe und katholische Publikationen wandte er sich an Priester und Gläubige. Er wollte Menschen befähigen, ihren Glauben zu verstehen und ihr gesellschaftliches Leben daraus zu gestalten. Dabei setzte er auf Bildung und gemeinschaftliches Engagement. Sein bischöflicher Dienst fiel in eine Epoche tiefgreifender Umbrüche: Zwei Weltkriege, wechselnde staatliche Herrschaften und politische Gegensätze erschütterten die Region.
Nach der erneuten sowjetischen Besetzung der Westukraine geriet die griechisch-katholische Kirche zunehmend unter Druck. Die Behörden zielten darauf, ihre Verbindung mit Rom zu lösen und ihre eigenständigen Strukturen zu beseitigen.
Im April 1945 wurde Chomyschyn gemeinsam mit weiteren kirchlichen Verantwortungsträgern verhaftet und nach Kyjiw gebracht. Dort erlitt der betagte Bischof schwere Verhöre und Misshandlungen. Er starb am 28. Dezember 1945 im Krankenhaus des Lukjaniwska-Gefängnisses, noch vor Beginn eines Gerichtsverfahrens. Seine genaue Grabstätte ist unbekannt.
Papst Johannes Paul II. sprach Hryhorij Chomyschyn am 27. Juni 2001 während seines Besuchs in der Ukraine mit weiteren Glaubenszeugen selig. Die ukrainische griechisch-katholische Kirche gedenkt ihrer neuen Märtyrer gemeinsam am 27. Juni.
Seine Biografie erinnert an die Menschen, deren religiöses Leben durch staatliche Gewalt unterdrückt wurde. Chomyschyn hielt auch in der Gefangenschaft an seiner kirchlichen Zugehörigkeit fest. Sein Zeugnis mahnt dazu, Glaubensfreiheit zu schützen und bedrängte Menschen nicht allein zu lassen.