Papst Leo XIV. hat vor religiösem und ethnischem Hass gewarnt und die Verpflichtung der katholischen Kirche zum Kampf gegen Antisemitismus unterstrichen. „Die Kirche duldet keinen Antisemitismus und bekämpft ihn auf der Grundlage des Evangeliums selbst“, sagte er am Donnerstag vor einer Delegation des American Jewish Committee im Vatikan. Die Freundschaft zwischen Juden und Katholiken müsse sich auch im gemeinsamen Einsatz für Menschenwürde, Religionsfreiheit und Frieden bewähren. Besonders deutlich wandte sich der Papst gegen das Umschlagen von Meinungsverschiedenheiten in Vorurteile und Feindseligkeit. Diese dürften daraus niemals entstehen, „wie tiefgreifend“ die Differenzen auch seien. Denn Vorurteile und Feindseligkeiten untergrüben „die moralischen Grundlagen unserer Gesellschaft“. Konkrete politische Streitfragen oder den Gazakrieg erwähnte Leo XIV. in seiner Ansprache nicht.
Mit seiner Erklärung gegen Antisemitismus griff der Papst eine eigene Aussage vom 29. Oktober 2025 auf. Damals hatte er sich anlässlich des 60. Jahrestags der Konzilserklärung „Nostra aetate“ geäußert, mit der die katholische Kirche ihr Verhältnis zum Judentum erneuerte. Die Bekämpfung von Judenfeindlichkeit begründete er ausdrücklich mit dem Evangelium. Die Verbindung zwischen Juden und Katholiken beschrieb Leo XIV. als eine Freundschaft, die im gemeinsamen geistlichen Erbe wurzele. Daraus erwachse eine gemeinsame Verantwortung: „die Menschenwürde zu verteidigen, den Armen zu dienen, die Religionsfreiheit zu schützen sowie Gerechtigkeit und Frieden zu fördern“. Wesentlicher Bestandteil dieses Auftrags sei die Ablehnung sämtlicher Formen religiösen und ethnischen Hasses sowie von Diskriminierung.
Zu Beginn seiner Ansprache erinnerte Leo XIV. an Johannes Paul II., dessen die Kirche an diesem Tag besonders gedachte. Sein Vorgänger habe wesentlich zur Freundschaft zwischen Juden und Katholiken beigetragen. Aus einer Rede Johannes Pauls II. vor dem Leitungsgremium des American Jewish Committee von 1995 zitierte Leo die Forderung, der christlich-jüdische Dialog müsse „im Leben unserer beiden Gemeinschaften einen beredten Ausdruck finden“.
Damit verband der Papst den Dank für den langjährigen Einsatz des American Jewish Committee für Dialog und Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche. Die Beziehungen zwischen den Gemeinschaften sollten auf Aufrichtigkeit und gegenseitigem Respekt beruhen.
In einer „von Gewalt und Misstrauen verwundeten Welt“ sei das Bekenntnis zur Geschwisterlichkeit besonders dringlich, erklärte Leo XIV. Unter Verweis auf eine eigene Ansprache vom Mai 2025 äußerte er die Hoffnung, diese Verbundenheit durch „wirksame Gesten“ sichtbar machen zu können. Ein solches Zeugnis werde zum Aufbau einer friedlicheren Welt beitragen – einem Wunsch, den alle Menschen guten Willens im Herzen trügen.
Welche konkreten Gesten er sich vorstellt, führte der Papst nicht aus. Er schloss die auf Englisch gehaltene Ansprache mit der Zusicherung seines Gebets und dem hebräischen Friedensgruß: „Schalom!“