Als „Hotspot für die Verbindung mit Gott“ hat der Krakauer Theologe und Regens Robert J. Wozniak den heiligen Papst Johannes Paul II. gewürdigt. Bei einer Gedenkmesse am Donnerstag im Wiener Stephansdom bezeichnete er ihn als Priester, der Menschen durch seine Menschlichkeit einen Zugang zum Göttlichen eröffnet habe. Anlass waren der liturgische Gedenktag am 22. Oktober und der bevorstehende 80. Jahrestag der Priesterweihe Karol Wojtylas am 1. November 1946.
Unter dem Leitmotiv „Gabe und Geheimnis“ beschrieb der Rektor des Krakauer Priesterseminars das Priestertum als Berufung zur Selbsthingabe. Wojtyla habe darin einen Weg zur Erfüllung des Menschseins gesehen. „Das Priestertum ist eine Gabe Gottes. Eine Gabe, die uns befähigt, uns selbst zu verschenken“, sagte Wozniak. Diese Perspektive gelte es auch jungen Menschen zu vermitteln. Die weltweiten Reisen des Papstes hätten dessen universales Verständnis des Priestertums verdeutlicht. Er habe Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen erreichen wollen, getragen von der Botschaft: „Gott liebt dich“.
Als bedeutendstes Vermächtnis Johannes Pauls II. bezeichnete Wozniak dessen Zeugnis für das Geheimnis Gottes und die Zusammengehörigkeit von Glaube und Vernunft. Dafür stehe besonders die Enzyklika „Fides et ratio“ von 1998. Das Geheimnis widerspreche der Vernunft nicht, sondern rege zum Weiterfragen und tieferen Erkennen an. Angesichts von Wahrheitszweifeln und zunehmend dominanten technologischen Denkweisen bleibe diese Verbindung wesentlich. Zum priesterlichen Auftrag gehöre es, Menschen vor Lügen und falschen Ideologien zu schützen und zur Wahrheit zu führen. Glaube und Denken dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden; davon hänge auch der Weltfrieden ab. Mit Wozniak konzelebrierten der Wiener Pfarrer Robert Rys und 20 weitere Priester. Rys erinnerte an Wojtylas Aufruf „Habt keine Angst!“ und dessen Aussage „Der Weg der Kirche ist der Mensch“ als bleibende Aufträge. An der Feier nahmen auch die polnische Konsulin Agnieszka Krawczyk und die Wiener Stadträtin Katarzyna Greco teil. Thomas Dolezal an der Orgel und Mezzosopranistin Alina Mazur gestalteten die Musik; dabei erklang auch das als Lieblingslied des Papstes bekannte „Barka“.
Der 1920 in Wadowice geborene Wojtyla wurde 1978 als erster Pole zum Papst gewählt. Sein Pontifikat dauerte fast 27 Jahre. Er starb am 2. April 2005 und wurde 2014 heiliggesprochen. Quelle:kap