Die Erzdiözese Wien steuert auf ihr zweitstärkstes Jahr bei den Erwachsenentaufen zu. Im Frühjahr wurden 142 Menschen zur Taufe zugelassen, weitere 64 am Donnerstagabend in der Wiener Canisiuskirche. Mit mehr als 20 Sonderzulassungen, etwa für Menschen in Pflegeeinrichtungen oder Gefängnissen, liegt die Gesamtzahl bei knapp 230. Nur im Rekordjahr 2017 waren es mit 294 Erwachsenentaufen mehr.
Die Herbstzulassungsfeier leitete Pastoralamtsleiter Markus Beranek in Vertretung des erkrankten Erzbischofs Josef Grünwidl. In seiner Predigt würdigte er die persönlichen Glaubenszeugnisse der Taufbewerber. Sie berichteten von Gotteserfahrungen, innerem Frieden und tragender Gemeinschaft. Der christliche Glaube löse nicht alle Probleme, bezeuge aber Gottes Liebe zu jedem Menschen. Zugleich ermutigte Beranek dazu, Frieden zu stiften und Brücken über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg zu bauen.
Unter den heuer zugelassenen Taufbewerbern bilden Österreicher mit 73 und Iraner mit 72 Personen die größten Gruppen. Bei der Herbstfeier waren 14 Nationen vertreten; 34 Bewerber stammten aus dem Iran, 14 aus Österreich. Die meisten Kandidaten sind zwischen 21 und 50 Jahre alt, weitere 50 zwischen 14 und 20. Der Männeranteil liegt bei 56 Prozent. Die Bewerber kommen aus 27 Pfarrgemeinden, überwiegend im Wiener Stadtgebiet.
Nach einem Rückgang während der Corona-Pandemie auf rund 100 Erwachsenentaufen jährlich steigen die Zahlen wieder deutlich. 2025 wurden 189 Menschen ab 14 Jahren getauft, heuer wird ein Zuwachs von rund 20 Prozent erwartet. Auch die bisherigen Anmeldungen für 2027 lassen einen weiteren Anstieg erkennen, erklärte Daniel Vychytil, Verantwortlicher für das Erwachsenenkatechumenat. Ähnliche Entwicklungen gebe es in anderen Diözesen: In Graz werde für die Zulassungsfeier im Frühjahr 2027 bereits mit doppelt so vielen Teilnehmern gerechnet.
Mit Zulassungsfeiern im Frühjahr und Herbst nimmt Wien laut Vychytil europaweit eine besondere Stellung ein. Die zusätzliche Feier ermöglicht eine Begleitung unterschiedlicher Lebenswege. Zulassungen und Taufen fallen allerdings nicht immer ins selbe Kalenderjahr: Einige der zuletzt zugelassenen Bewerber werden erst Anfang 2027 getauft.
Als Erwachsenentaufen gelten in der katholischen Kirche Taufen ab dem 14. Lebensjahr. Ihnen geht ein mindestens einjähriger Glaubenskurs voraus. Mit der Taufe empfangen die Kandidaten üblicherweise auch Firmung und Erstkommunion. Anschließend sollen die Pfarrgemeinden die Neugetauften weiter begleiten und beim Hineinwachsen ins kirchliche Leben unterstützen.