Donnerstag 5. November 2026

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Familie in der Kirche
iStock/pandapix / Familie in der Kirche
05.11.2026

Bischof Turnovszky: Familie ist "Kitt der Gesellschaft"

Der neuer Familienbischof in seiner Ansprache bei der Familienkommission: Familie als "privilegierter Raum", in dem Gottes Liebe sichtbar wird.

Weihbischof Stephan Turnovszky hat am Dienstag, 3. November 2026, bei seiner ersten Ansprache vor der Familienkommission der Österreichischen Bischofskonferenz in Wien die gesellschaftliche und kirchliche Bedeutung der Familie hervorgehoben. Turnovszky hat den Vorsitz der Kommission von Bischof Hermann Glettler übernommen. Familie sei ein "privilegierter Raum", in dem Gottes Liebe sichtbar werde, zugleich aber auch "ein sensibler theologischer Ort", an dem sich die Ernsthaftigkeit kirchlicher Pastoral erweise. Seine Überlegungen stellte der neue Familienbischof unter die grundlegende Frage: "Wie wird Gottes Liebe unter uns Menschen sichtbar?"


Familie habe sowohl für die Gesellschaft als auch für die Kirche eine zentrale Bedeutung. Wo Menschen sich aufeinander einließen und Ja zueinander, zu Kindern oder zu ihren alt gewordenen Eltern sagten, werde die Liebe des dreifaltigen Gottes konkret erfahrbar. Zugleich verwies Turnovszky auf die gesellschaftliche Leistung von Familien, insbesondere bei der Pflege und Sorgearbeit. Ein Großteil dieser Leistungen werde unentgeltlich innerhalb der Familien erbracht. Angesichts des demografischen Wandels und der finanziellen Engpässe der Sozialsysteme müsse die Bedeutung dieser Arbeit stärker wahrgenommen werden. Familie sei daher ein "Riesengesellschaftsthema", betonte der Weihbischof. Sie sei der "Kitt der Gesellschaft".


Auch für die Kirche selbst sei Familie ein entscheidender Maßstab. Sie sei ein "Prüfstein, wie wir selbst Gottes Liebe leben und verkünden, und natürlich auch Gott besser zu verstehen, wenn wir uns einander zumuten". Die kirchliche Rede von Brüdern und Schwestern sowie vom gemeinsamen Vater im Himmel sei nicht zufällig gewählte Begriffe, sondern "Familienterminologien", erklärte Turnovszky. Familie sei damit nicht nur Gegenstand kirchlicher Pastoral, sondern auch ein Ort, an dem sich das kirchliche Selbstverständnis bewähren müsse.


Für die künftige Arbeit der Familienkommission nannte Turnovszky vor allem zwei Schwerpunkte: die stärkere Vernetzung der familienpastoralen Akteure in Österreich und die gemeinsame Deutung gesellschaftlicher und kirchlicher Entwicklungen. Er freue sich auf den Austausch mit den unterschiedlichen Verantwortlichen und Engagierten in der Familienpastoral. Dabei gehe es nicht allein darum, Veränderungen wahrzunehmen, sondern gemeinsam zu interpretieren und daraus Perspektiven für die Familienpastoral in Österreich abzuleiten. In einem synodalen Prozess des gemeinsamen Abwägens und Hinschauens gelte es, mögliche gemeinsame Wege zu erkennen. Die leitende Frage sei dabei: "Zeigt der Heilige Geist irgendetwas, was so für alle plausibel und Konsens ist?"


Die Familienkommission der Österreichischen Bischofskonferenz dient dem Familienbischof als Beratungsgremium in familienpastoralen Fragen. Ihr gehören Fachleute und in der Familienpastoral Engagierte aus verschiedenen österreichischen Diözesen und Gemeinschaften an. Sie soll den Austausch zwischen den Verantwortlichen fördern und gemeinsame Anliegen der Familienpastoral auf österreichischer Ebene aufgreifen.