Vor 300 Jahren, am 31. Dezember 1726, wurde Stanislaus Kostka (1550–1568), ein polnischer Novize der Gesellschaft Jesu, von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen. Das Jubiläum steht im Mittelpunkt der diesjährigen Stanislaus-Oktav in Wien. Vom 13. bis 20. November wird in der historischen Stanislauskapelle in der Kurrentgasse 2 mit Gottesdiensten und Gebeten des jungen Heiligen gedacht. Höhepunkt ist die Festmesse mit Erzbischof Josef Grünwidl am 18. November um 7.30 Uhr.
Die Kapelle befindet sich im ehemaligen Wohnraum des Heiligen im ersten Stock eines Bürgerhauses im Zentrum Wiens. Der damals 14-jährige Stanislaus war 1564 nach Wien gekommen, um am Jesuitenkolleg zu studieren. Hier reifte sein Entschluss, Jesuit zu werden. Während einer schweren Krankheit bestärkten ihn mystische Erfahrungen in seiner Berufung. 1567 verließ er Wien und trat in Rom ins Noviziat ein. Knapp zehn Monate später starb er im Alter von 17 Jahren.
Schon 1582, nur 14 Jahre nach seinem Tod und lange vor seiner Seligsprechung im Jahr 1605, wurde sein ehemaliges Zimmer in eine Kapelle umgewandelt und vom Wiener Bischof Johann Caspar Neubeck geweiht. Ihre heutige barocke Gestalt erhielt sie 1742 durch eine Neugestaltung nach Plänen von Franz Anton Pilgram. Die Stifterin Barbara Koller von Mohrenfels sicherte durch ihr Testament den Erhalt der Kapelle und die Fortführung der Verehrung des Heiligen, indem sie ihr Vermögen für deren Finanzierung und die seelsorgliche Betreuung durch die Jesuiten bestimmte. Trotz ihres privaten Charakters finden in der Kapelle bis heute regelmäßig liturgische Feiern statt. Seit 2021 gehören das Haus und die Kapelle der österreichischen Jesuitenprovinz.
Die Stanislaus-Oktav wird seit fast 300 Jahren gefeiert. Die Mitte des 18. Jahrhunderts entstandene Tradition beginnt jährlich am 13. November, dem liturgischen Gedenktag des Heiligen, und dauert bis zum 20. November. Bereits 1748 berichtete das Wienerische Diarium über die Abschlussfeierlichkeiten, an denen Kaiserin Maria Theresia gemeinsam mit Prinzessin Charlotte von Lothringen teilnahm. Bis heute wird die Oktav mit deutschsprachigen Gottesdiensten sowie Angeboten für die polnische und kroatische Gemeinschaft fortgeführt. Seit 2021 gibt es zudem eine eigene polnischsprachige Oktav. Die diesjährige Feier wird am 13. November um 18 Uhr von Weihbischof Grzegorz Olszowski aus der Erzdiözese Katowice eröffnet.
Am 18. November feiert Erzbischof Josef Grünwidl um 7.30 Uhr die heilige Messe. Damit setzt er die Tradition der Besuche Wiener Erzbischöfe fort, zu denen auch die Kardinäle Theodor Innitzer, Franz König und Christoph Schönborn zählten.
Für Kapellenrektor P. Michael Zacherl SJ, der die Kapelle seit mehr als zwei Jahrzehnten betreut, ist Stanislaus gerade für junge Menschen ein wichtiges Vorbild: „Vor allem junge Leute sollten Stanislaus neu entdecken.“ Seine Entschiedenheit, trotz des Widerstands seiner Eltern dem Ruf Gottes zu folgen, sei „heldenhaft“. Die Kapelle sei dabei mehr als ein historischer Ort: „Noch heute erfahren Besucher der Kapelle, dass von dort eine große Kraft ausgeht.“ Sein Wunsch: „Mögen immer wieder Leute zum ersten Mal den Weg in diese Kapelle finden und in ihrer Entschlossenheit gegenüber dem Willen Gottes bestärkt werden.“
Adresse: Kurrentgasse 2, 1010 Wien.
Öffnungszeiten während der Oktav von 13. bis 20. November
Heilige Messen in deutscher Sprache:
Außerhalb der Stanislaus-Oktav öffnet die Kapelle im Rahmen der „Langen Nacht der Kirchen“ ihre Türen für die Öffentlichkeit. Zudem wird dort am 13. jedes Monats eine heilige Messe in deutscher Sprache gefeiert.
Eine weitere Jubiläumsmesse findet am 31. Dezember um 8 Uhr statt.