Vier Persönlichkeiten und Initiativen, die sich auf unterschiedliche Weise für die Weltkirche und Menschen in schwierigen Lebenssituationen einsetzen, hat Missio Österreich am Donnerstagabend in Wien mit dem "Austria.On.Mission-Award" ausgezeichnet. Die Päpstlichen Missionswerke verliehen den Bronzeesel "Emil" bereits zum siebten Mal. Damit gewürdigt wurden diesmal der Steyler Missionar P. Alois Ortner, P. George Elsbett von den Legionären Christi, das Salzburger Ehepaar Alfred und Elisabeth Berghammer sowie die sambische Ordensfrau und Krankenhausleiterin Sr. Annie Chiluba.
Der "Emil", gestaltet vom Heiligenkreuzer Künstlermönch P. Raphael Statt, stehe für jene Menschen, die oft im Verborgenen und unter großen persönlichen Anstrengungen ihren Dienst leisten, hieß es seitens Missio. In vielen Ländern des Globalen Südens sei der Esel ein unbeachtetes Lasttier, das Schweres trage. Zugleich habe er in der biblischen Tradition eine besondere Würde: Er trug Jesus beim Einzug in Jerusalem. Die Auszeichnung solle daher jene würdigen, die mit Ausdauer und Bescheidenheit Verantwortung für andere übernehmen.
In der Kategorie "Missionary in Austria" ging der Preis an P. George Elsbett, Gründer des Zentrums Johannes Paul II. in Wien. Laudator Marcel Urban erinnerte an die Anfänge einer kleinen Gemeinschaft, aus der eine Glaubensinitiative mit mittlerweile rund 600 Mitgliedern geworden ist. Elsbett habe von Anfang an nicht nur jene im Blick gehabt, die bereits zur Kirche gehörten, sondern vor allem Menschen, die Jesus noch nicht kennen. Ein ehemaliges Hotel in der Praterstraße wurde zum neuen Zentrum: Kapelle, Café, Veranstaltungs- und Gemeinschaftsräume sowie Übernachtungsmöglichkeiten bieten Platz für Begegnung und Glaubensleben.
Zum Programm gehören Familienmessen, Angebote für Kinder und Jugendliche sowie die eucharistische Anbetung rund um die Uhr. Eine zentrale Überzeugung sei, Menschen zunächst willkommen zu heißen und ihnen Heimat zu geben, bevor sie sich mit Glaubensfragen auseinandersetzen. "Belonging before believing" - Zugehörigkeit vor dem Glauben - beschrieb David Schwarzbauer, Kommunikationsbeauftragter des Zentrums, im Gespräch mit Kathpress diesen Zugang. Menschen blieben nicht nur wegen der Gemeinschaft, sondern auch, weil sie sich einbringen und Verantwortung übernehmen könnten. Inzwischen engagierten sich rund 190 Freiwillige.
Elsbett konnte den Preis wegen eines Missionstermins im Ausland nicht persönlich entgegennehmen, weshalb er an Geschäftsführer Clemens Höfer überreicht wurde. In seiner Dankesrede würdigte er Elsbett als Visionär, der Menschen Vertrauen schenke und sie befähige, selbst missionarisch tätig zu werden. Das Zentrum sei ohne die Großzügigkeit vieler Unterstützer nicht möglich gewesen. Der "Emil" sei zugleich Auftrag, als Kirche mutig aufzubrechen und Orte zu schaffen, an denen Menschen willkommen seien und Glauben entdecken könnten, so Höfer.
Als "Star of Mission" wurden Alfred und Elisabeth Berghammer aus der Erzdiözese Salzburg geehrt. Laudatorin Jutta Becker hob deren langjähriges Engagement für Priesterpatenschaften und Ausbildungsprojekte in Afrika hervor. Auslöser für ihr Engagement war unter anderem ihr Sohn Michael, der in Lomé in Togo am Aufbau eines Universitätszentrums mitwirkte. Nach seinem frühen Tod im Jahr 2005 führten die Eltern sein Anliegen weiter. Besonders die Ausbildung von Priestern sei für die Entwicklung von Gesellschaften im Globalen Süden von Bedeutung, sagte Alfred Berghammer im Interview mit Kathpress - "auch für die Überwindung von Korruption und Misswirtschaft".
Der Glaube müsse weitergegeben und dürfe nicht für sich behalten werden. Bei Besuchen in Afrika hätten die Berghammers eine Glaubensfreude erlebt, von der auch Europa lernen könne. Wichtig sei ihnen, junge Menschen konkret zu unterstützen und zu wissen, was mit den Spenden geschehe. Auch in ihrer eigenen Familie hätten sie versucht, den Glauben vorzuleben. Ihre Botschaft an das Publikum lautete: "Engagiert euch!"
Der oberösterreichische Steyler Missionar P. Alois "Lois" Ortner erhielt den Award in der Kategorie "Missionary from Austria". Seit 1987 wirkt er auf den Philippinen. Laudator Christoph Lehermayr zeichnete das Bild eines Missionars, der nicht nur große Projekte verwirklicht, sondern vor allem nahe bei den Menschen ist, zuhört, betet und anpackt. Ortner habe Schulen, Kapellen und insgesamt sieben Hängebrücken errichtet und damit konkrete Perspektiven geschaffen, die das Leben vieler Menschen verändert hätten.
Besonders wichtig sei ihm die Bildung junger Menschen, sagte Ortner. Eine von ihm gegründete weiterführende Schule auf der Insel Sibuyan zählt inzwischen rund 685 Schülerinnen und Schüler. Auch Hängebrücken erleichterten den Kindern den Schulweg: Früher hätten sie bei Regen häufig vorzeitig nach Hause gehen müssen. Heute könnten sie den Unterricht auch bei schlechtem Wetter besuchen. "Ich bin kein Sozialarbeiter - das sind andere", betonte Ortner gegenüber Kathpress. Er sehe auch seine Bauprojekte als Weg, um Menschen zu Christus zu führen.
Auch mit 70 Jahren denke er nicht ans Aufhören, sagte der gebürtige Mühlviertler. Auf der Insel Palawan, wo er erst kürzlich als neuen Einsatzort neu gestartet sei, wolle er eine weitere Schule für Kinder indigener Gemeinschaften errichten und die Trinkwasserversorgung verbessern. In seiner Dankesrede zeigte sich Ortner tief bewegt von der Atmosphäre bei Missio und erklärte, sein persönliches Zentrum sei die eucharistische Anbetung. Den Menschen in Österreich empfahl er, stärker zu den katholischen Glaubensformen wie Anbetung, Beichte und Rosenkranzgebet zurückzufinden.
Den Titel "Hero of Charity" erhielt schließlich Sr. Annie Chiluba aus Sambia. Die Franziskanerin leitet seit 2016 das St. Theresa Mission Hospital in Mpongwe. Laudatorin Lucia Bayer würdigte insbesondere den Einsatz für Menschen, die wegen großer Entfernungen und schlechter Straßen kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Mit mobilen Klinikeinsätzen bringt Sr. Annie Gesundheitsleistungen in entlegene Dörfer. Sie selbst berichtete von einer Patientin, der dreijährigen Josefine, die wegen schwerer Unterernährung immer wieder ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Erst ein Besuch bei ihrer Familie habe die Ursachen gezeigt: Die Mutter, selbst geistig beeinträchtigt, habe neun Kinder allein versorgen müssen. Sr. Annie organisierte daraufhin Unterstützung durch landwirtschaftliche Hilfen und bei der Arbeitssuche.
Gegenüber Kathpress beschrieb die 54-Jährige ihre franziskanische Spiritualität als Antrieb, besonders Armen, Ausgegrenzten und Schwachen zu dienen. Medizinische Versorgung allein reiche nicht aus: Es gehe auch darum, Menschen emotional und spirituell beizustehen und ihnen die Wärme Jesu zu vermitteln. "Das Normale mit außerordentlicher Zuneigung tun", fasste sie ihren Anspruch zusammen. Zu den größten Herausforderungen zählten fehlende finanzielle Mittel, Medikamente und Transportmöglichkeiten.
In ihrer Dankesrede nahm Chiluba die Auszeichnung stellvertretend für ihre Ordensgemeinschaft, Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer entgegen. Nächstenliebe bedeute nicht nur, materielle Dinge zu geben, sondern sich selbst in Liebe und Dienst anderen zu schenken. Der "Emil" erinnere daran, dass keine Tat der Nächstenliebe zu klein und kein Einsatz vergeblich sei.
Zur Gala im Ariana Eventcenter in der Wiener Seestadt waren rund 400 Gäste aus ganz Österreich sowie Ehrengäste aus Kirche, Politik, Gesellschaft und Entwicklungszusammenarbeit gekommen, darunter Weihbischof Franz Scharl, Bischof Klaus Küng, die Abgeordneten Gudrun Kugler und Norbert Sieber, der frühere Missio-Nationaldirektor P. Karl Wallner sowie Missio-Diözesandirektoren aus mehreren österreichischen Diözesen. Auch frühere Preisträger nahmen teil. Für musikalische Höhepunkte sorgte Vincent Bueno, der Österreich 2021 beim Eurovision Song Contest vertreten hatte. Der Sänger bekannte sich auf der Bühne auch persönlich zu seinem Glauben: "Ohne Jesus geht es in diesem Leben gar nicht."
Infos und Video der Gala: www.missio.at/emil
Quelle: kathpress