Schweigen und die "Pause der Kirche", wie Papst Franziskus es genannt hat, sind weiterhin ein heiß diskutiertes Thema unter den Journalisten hier in Rom, und das ist verständlich. Besonders in Zeiten von sozialen Medien und Livetickern stehen sie ständig unter Druck, gute Nachrichten möglichst schnell unter die Leute zu bringen. Und nun hat der Papst für die Kommunikation ausgerechnet in einer Synode, die ohnehin schon mit so vielen Hoffnungen, Erwartungen, Ängsten und Befürchtungen beladen ist, eine Art Schweigegelübde auferlegt.
Natürlich gibt es Pressekonferenzen, bei denen der Modus operandi erläutert wird und gelegentliche Eindrücke von Synodalen berichtet werden. Im Großen und Ganzen heißt es: "Schaut ins 'Instrumentum Laboris' - das öffentlich zugängliche Vorbereitungsdokument. Dann wisst ihr, worum es geht." Es ist meiner Meinung nach ein starkes Zeichen, dass eine so riesige, weltumspannende Institution es riskiert, eine Alternative zur Informationsüberfrachtung zu bieten. Ob sie sich tatsächlich durchhalten lässt und ob der Druck der weniger lauteren, freihändigen Medien nicht doch zu einer anderen Informationspolitik zwingt, wird sich zeigen. Der Versuch ist es Papst Franziskus offenbar wert.
"Innehalten und schauen", so heißt es im Psalm 46, und Papst Franziskus übersetzt dies als "Seid still und hört Gott und einander zu". Ein bemerkenswerter Aufruf in einer Welt, die oft von Lärm und Hektik beherrscht wird.
Themenwechsel: Am Vormittag findet in den Vatikanischen Gärten eine Präsentation der gestern veröffentlichten Apostolischen Exhortation "Laudate Deum" statt. Prominente Persönlichkeiten wie der Physik-Nobelpreisträger Giorgio Leonardo Parisi und die indische Wissenschaftlerin und Umweltaktivistin Vandana Shiva loben Franziskus als die weltweit wichtigste Autorität, die mit Nachdruck und präziser Analyse zum Umdenken aufruft.
Sie betonen, dass die weitverbreitete Leugnung des Klimawandels eines der Hauptprobleme darstellt und die Wurzel der halbherzigen und letztlich ineffektiven Klimapolitik ist. Es reicht nicht aus, zu wissen, wie der Klimawandel entsteht; es bedarf einer tiefgreifenden Erschütterung.
Der britische Schriftsteller Jonathan Safran Foer zieht Parallelen zum Nationalsozialismus, um den kognitiven Mechanismus des Klimaleugners zu erklären. Er erzählt von einem polnischen Juden, der aus dem Warschauer Ghetto geflohen war, um der Welt mitzuteilen, was die Nazis seinem Volk antaten. In Washington angekommen, wurde er verhört. Konfrontiert mit den berichteten Gräueln, sagte der amerikanische Gesprächspartner: "Ich kann es nicht glauben. Ich sage nicht, dass Sie lügen, ich bin es, der es nicht glauben kann". "Die Erde erzählt uns eine Geschichte“, so Foer, „die wir nicht akzeptieren können, deshalb leugnen wir sie." Andere wie Papst Franziskus haben den Willen, den Wissenschaftlern zu glauben, und das sollte unser kollektives Gewissen erschüttern. Kleine Opfer sind nötig, um eine zukünftige Katastrophe zu verhindern, und eine politische Revolution ist notwendig. Doch kollektive Revolutionen können nur durch viele kleine individuelle Revolutionen erreicht werden. "Laudate Deum" wird von Foer als Text angesehen, der diese notwendige Erschütterung bewirken kann.
Besonders berührend sind die Berichte einer Sizilianerin, die Zeugin der dramatischen Waldbrände dieses Sommers wurde, und eines jungen Libyers, der von den verheerenden Auswirkungen eines Zyklons berichtet. Diese Geschichten aus erster Hand gehen tatsächlich unter die Haut.
Mittags habe ich ein Treffen mit Gabriele Eder-Cakl, der Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts. In diesen Tagen nimmt sie an einer Konferenz teil, die kurz vor Beginn der Weltbischofssynode Laien-Seelsorgerinnen und -Seelsorger aus aller Welt zusammenführt.
Dieses erste Welttreffen dieser Art wurde vom "Berufsverband der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten Deutschlands" organisiert, mit dem Ziel, nicht geweihte, aber theologisch ausgebildete, hauptberufliche Seelsorgende zu stärken. Gabriele ist vor allem von den vielen Gemeinsamkeiten unter den Teilnehmenden bewegt. Die Erfahrungen, der Austausch ähnlicher, aber im Detail doch unterschiedlich gewichteter Herausforderungen, die gegenseitige Ermutigung und die geteilte Hoffnung, die sie in die laufende Bischofssynode setzen, waren für sie eine bereichernde Erfahrung. Ort und Zeitpunkt des Treffens waren natürlich nicht zufällig gewählt.
Kardinal Schönborn teilt eine ähnliche Perspektive. Das Schweigen, von dem oben die Rede war, bezieht sich ausschließlich auf die inhaltliche Ebene. In einem kurzen Videobeitrag drückt er erneut seine Begeisterung über die Erfahrung von Weltkirche aus. Hier kann man in einem brüderlichen, und nun sogar geschwisterlichen Rahmen Probleme, Herausforderungen und Hoffnungen teilen.
Unser Erzbischof ist auf der Synode übrigens in der französischsprachigen Arbeitsgruppe tätig, während Erzbischof Lackner in der englischsprachigen vertreten ist. Beide sind naturgemäß überaus international besetzt. Also kein deutschsprachiger Gesprächszirkel bei der Synode? Da wird mit einem Augenzwinkern gemunkelt, dass man entweder fürchtet, die deutschsprachigen Bischöfe könnten alles übernehmen, oder, dass man versucht sie zu bändigen, indem man sie quer durch Sprachgruppen verteilt. Fazit: Schweigen bedeutet nicht unbedingt, dass der Humor ausgeht.