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03.10.2024

Offene Arme in Rom: Die Synode beginnt

Auftakt einer historischen Synode am Gedenktag der Schutzengel, Synodenblog von Georg Schimmerl

Rom, 2. Oktober 2024: Ich wollte den Tag still beginnen, in einer meiner Lieblingskirchen, Santa Maria sopra Minerva. Normalerweise beten die Dominikaner hier frühmorgens das Stundengebet, wenn die Stadt gerade erwacht. Doch heute ist die Kirche wie eine Festung verschlossen.

Stattdessen empfängt mich der Petersplatz mit offenen Armen. Von der Höhe der linken Kolonnaden aus verfolge ich die Liturgie zur Eröffnung der Synode. Ein Satz von Papst Franziskus geht mir durch den Kopf: Man dürfe nur in einem einzigen Fall auf jemanden herabsehen – nämlich, um ihm aufzuhelfen. Ob mein Blick von oben da dazugehört? Den Zweifel übertönt der kräftige Choralgesang zum Einzug der Bischöfe, die feierlich über den Petersplatz einziehen: die „Laudes Regiae“, ein antiker römischer Triumphgesang, der angeblich erstmals zur Krönung Karls des Großen christlich redigiert wurde. Siegesstimmung kommt auf: *Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat*. Theoretisch könnte man jetzt vortrefflich über diesen triumphalistischen Gesang diskutieren. Doch die schlichte und dichte Ästhetik hält dagegen, und der immer wiederkehrende Vers wird den restlichen Tag über zum Ohrwurm. Schwer vorstellbar, wie sich ihm jemand entziehen kann.

Papst Franziskus geht auf das Schutzengelfest und seine Lesungen ein. Von der Stimme Gottes ist die Rede, von der Zuflucht unter Gottes Flügeln, die sowohl emporziehen als auch schützend niederlassen. Schließlich spricht er vom Kind, das Jesus als seinen persönlichen Repräsentanten in die Mitte der Jünger stellt. Es sei kein Widerspruch, groß zu denken und dabei in Demut zuzuhören, was andere zu sagen haben: „Think big, stay humble.“

Mittags treffe ich unseren Erzbischof, der dem ORF auf dem Petersplatz ein Interview gibt. Er kennt die Fragen, die viele beschäftigen: Warum dauert die Synode so lange? Was kann daraus entstehen? Auf meine Frage, ob er die Müdigkeit und die gesunkenen Erwartungen verstehe, kommt eine überraschende Antwort: "Ehrlich, ich hatte auch nicht viel Lust, für einen ganzen Monat nach Rom zu kommen, aber schon am ersten Tag habe ich innerlich eine Bekehrung erlebt." Ihm sei klar geworden, dass das zentrale Thema der Synode die Inklusion ist – sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche. Besonders beeindruckt ihn, dass 60 % der Teilnehmenden aus dem globalen Süden kommen und nur 40 % aus dem reichen Norden. Diese Verschiebung spiegele einen tiefen Wandel wider.

"Es schmerzt, diesen Wandel zu sehen", sagt der Kardinal. "Europa wird, wenn es so weitergeht, in absehbarer Zeit nur noch 4 % der Weltbevölkerung ausmachen." Das entspreche auch dem Wandel in der Kirche. Und schließlich: "Wir Europäer haben lange dominiert, aber jetzt müssen wir lernen, auf unsere Schwestern und Brüder im globalen Süden zu hören. Das Evangelium sagt uns, dass der Erste der Diener aller sein soll."

Am Nachmittag erlebe ich zum ersten Mal die feierliche Eröffnung einer Synode in der Aula Paolo VI. „Veni Creator Spiritus“ wird gesungen, gefolgt von Psalm 136, der an den Exodus des Gottesvolkes und den Zug durch die Wüste erinnert. Höhepunkt ist die Inthronisation des Evangeliars – so war es schon in den Synoden der Antike: Christus übernimmt den Vorsitz. Es geht auch auf dieser Synode um Ihn und die Frohe Botschaft.

Dann folgen Berichte von Gruppen, die seit dem ersten Teil der Bischofssynode im vergangenen Jahr an zahlreichen Themen gearbeitet haben: Es geht um den Schrei der Armen als konkreten Anruf an uns, die Herausforderung, im digitalen Raum zu evangelisieren, um die Ausbildung der Priester, das Verhältnis von Charismen, Amt und Leitung in der Kirche und die Rolle von Männern und Frauen dabei. Auch die Rolle des Bischofs und die Frage seiner Bestellung werden diskutiert, ebenso das Miteinander von Ortskirche, Orden und neuen Gemeinschaften.

Afrikanische Bischöfe suchen nach Wegen, pastoral mit dem kulturellen Phänomen der Polygamie umzugehen. Es geht auch darum, wie man in Zukunft synodal dogmatische, ethische und pastorale Fragen löst und natürlich um neuen Schwung in der Ökumene. Eine der ersten Früchte dafür ist das beachtenswerte Dokument „Der Bischof von Rom“, das im vergangenen Juni erschienen ist und Wege aus der Sackgasse eines zugespitzten Amtsverständnisses des Papstes aufzeigt, das für Christen anderer Konfessionen als unüberwindliches Hindernis gilt.

 

Kurz: Es ist schon viel geschehen, und vieles ist noch im Aufbruch. Das Wesentliche an dieser Synode ist, wie Franziskus nicht aufhört zu betonen: Die 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer repräsentieren das ganze Volk Gottes, das im durch die Taufe geschenkten Glauben nicht irren kann. Klar und deutlich weist er alle Kritik an der Teilnahme von Nicht-Bischöfen zurück. Es mag sein, dass das vielen immer noch zu wenig ist, insgesamt ist es aber ein riesiger Schritt, der weit über die offenen Arme des Petersplatzes hinausreicht.