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16.01.2026

17. Jänner: Tag des Judentums

Kirchen in ganz Österreich begehen den Tag des Judentums mit Gottesdiensten und Veranstaltungen, die den jüdischen Ursprung des christlichen Glaubens in den Mittelpunkt stellen. Der zentrale Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen wird in der Wiener armenisch‑apostolischen Kirche St. Hripsime gefeiert.

Der Tag des Judentums erinnert die christlichen Kirchen an ihre bleibende Verwurzelung im Judentum. Er macht deutlich, dass christlicher Glaube ohne den Bezug zu Israel, zur Hebräischen Bibel und zur jüdischen Glaubenstradition nicht zu verstehen ist. Zugleich ruft er dazu auf, das historisch gewachsene Unrecht an jüdischen Menschen und ihrem Glauben ehrlich zu benennen und Verantwortung dafür zu übernehmen. In Österreich wird der Tag seit dem Jahr 2000 und damit heuer zum 27. Mal begangen. Er wurde vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich bewusst als fester Gedenktag im Kirchenjahr eingeführt.

 

Der Termin des 17. Jänners ist bewusst gewählt. Der Tag des Judentums steht am Beginn der weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen, die von 18. bis 25. Jänner begangen wird. Damit wird ein theologisches Zeichen gesetzt. Die Suche der Christen nach Einheit beginnt bei dem, was sie trotz aller konfessionellen Unterschiede verbindet. Alle Kirchen teilen die gemeinsame Wurzel im Judentum. Der Tag des Judentums lädt ein, diesen Ursprung neu wahrzunehmen und aus ihm ökumenische Verantwortung zu entwickeln.

 

Wie kann man den Tag des Judentums in den Gemeinden konkret feiern?

Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit Sitz in Wien bietet auch u.a. liturgische Behelfe zur Feier dieses Tages in unseren Gemeinden  an, darunter auch einen empfehlenswerten Auszug aus dem Dokument: "Hinweise für eine richtige Darstellung von Juden und Judentum in der Predigt und in der Katechese der katholischen Kirche", der in unseren Pfarren und Gemeinschaften noch zu wenig bekannt ist, aber auch einzelnen Glauben das rechte Verständnis der Schriften des Neuen Bundes erschließen kann. 

 

Tag des Gedenkens am 16. Jänner

In Wien wird der Tag des Judentums durch Gedenk- und Gottesdienstveranstaltungen begangen. Den Beginn bildet am Donnerstag, 16. Jänner, der Tag des Gedenkens. Er ist heuer dem Müllnertempel im Alsergrund und der Schwedischen Israelmission in Wien gewidmet. Die Synagoge in der Müllnergasse war bis zu ihrer Zerstörung im November 1938 religiöses und kulturelles Zentrum der jüdischen Gemeinde des neunten Bezirks. Die Schwedische Israelmission unterstützte während der NS-Zeit tausende verfolgte Jüdinnen und Juden bei der Ausreise aus Österreich.

 

Die Gedenkveranstaltung findet um 19 Uhr in der Bezirksvorstehung Alsergrund in der Währinger Straße 43 statt. Grußworte sprechen der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Benjamin Nägele, sowie Bezirksvorsteherin Saya Ahmad. Historische und kirchliche Beiträge kommen unter anderem von Willy Weisz vom Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit und vom evangelischen Kirchenhistoriker Leonhard Jungwirth. Vertreterinnen und Vertreter mehrerer christlicher Kirchen sowie ein Vertreter der schwedischen Botschaft wirken an der Veranstaltung mit. Totengebet und Friedensbitten sind fester Bestandteil des Gedenkens. Bereits ab 17.45 Uhr lädt der Historiker Mitchell Ash zu einer Führung durch die Jüdische Universität Wien ein.

 

Gottesdienst in der armenisch-apostolischen Kirche in Wien-Landstraße

Der zentrale ökumenische Gottesdienst zum Tag des Judentums findet am Freitag, 17. Jänner, um 18 Uhr in der armenisch-apostolischen Kirche St. Hripsime in der Kolonitzgasse 11 im dritten Wiener Gemeindebezirk statt. Der Gottesdienst steht unter dem biblischen Leitwort "Lasst uns Gott lernen" aus dem Buch Hosea. Die Predigt hält der Wiener Dechant und Pfarrer Ferenc Simon. Mitfeiernde sind unter anderem der frühere reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler sowie Regina Polak, Präsidentin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Der Gottesdienst wird von Radio Maria übertragen.

 

Der Tag des Judentums will in Wien Raum schaffen für Lernen, Erinnern und gemeinsames Gebet. Er versteht sich als bewusster Auftakt zur Gebetswoche für die Einheit der Christen und als Einladung, christliche Identität aus der Verbundenheit mit dem Judentum neu zu reflektieren.

 

Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist ein zentrales Forum des Dialogs zwischen jüdischen Gemeinden und christlichen Kirchen in Österreich. Er wurde im Oktober 1956 auf Initiative von Kardinal Franz König und auf Anregung des Judaisten Kurt Schubert gegründet und leistete nach der Shoa einen entscheidenden Beitrag dazu, dass ein neues, von Respekt und theologischer Klarheit geprägtes Verhältnis zwischen Judentum und Christentum entstehen konnte.
 
Heute wirkt der Ausschuss vor allem in den Bereichen Wissenschaft, Bildung und öffentlicher Dialog. In Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems oder dem Jüdischen Institut für Erwachsenenbildung werden Seminare, Vorträge und Tagungen durchgeführt, ergänzt durch Exkursionen, kulturelle Veranstaltungen und persönliche Begegnungen.
 
Darüber hinaus vermittelt der Koordinierungsausschuss Referentinnen und Referenten und trägt durch seine Netzwerkarbeit wesentlich zur Stabilität und Vertrauensbildung in den interreligiösen Beziehungen in Österreich bei. Seine Vorstandsstruktur spiegelt diesen Anspruch wider und setzt sich zu gleichen Teilen aus jüdischen, evangelischen und katholischen Mitgliedern zusammen.