Vor 50 Jahren, am 3. Juni 1963 und damit mitten im Zweiten Vatikanischen Konzil, starb Papst Johannes XXIII. Er ging als "Konzilspapst" in die Geschichte ein, wiewohl sich auch sein Nachfolger Paul VI. (1963-78) nicht minder große Verdienste um das Gelingen des Konzils erworben hatte. Doch es war Johannes XXIII. gewesen, der mit der Einberufung des Konzils 1959 Kirchengeschichte geschrieben hat.
"Gewiss ein wenig zitternd vor Bewegung, aber zugleich mit demütiger Entschlossenheit im festen Vorsatz sprechen Wir vor euch den Namen und das Vorhaben einer doppelten feierlichen Veranstaltung aus: einer Diözesansynode der Stadt Rom und eines Ökumenischen Konzils für die Gesamtkirche". - Mit diesen Worten kündigte Papst Johannes XXIII. am 25. Jänner 1959 im Benediktinerkloster St. Paul vor den Mauern in Rom das Konzil an. Am 11. Oktober 1962 kamen schließlich 2.540 Konzilsväter zur Eröffnungssitzung des 21. und bisher mit Abstand größten Konzils der Kirchengeschichte zusammen. Der Papst war bis zu seinem Tod der unermüdliche Promotor der Kirchenversammlung, ließ sie sich aber in vollkommener Freiheit entfalten.
Johannes XXIII. wurde am 25. November 1881 als Angelo Guiseppe Roncalli in Sotto il Monte bei Bergamo in Italien geboren. Der Sohn einer einfachen Bauernfamilie wurde 1904 zum Priester und 1925 zum Bischof geweiht. Er war Gesandter des Vatikans in Bulgarien tätig, ab 1933 Nuntius in der Türkei und in Griechenland mit Sitz in Istanbul. Diese Zeit war prägend für Roncalli, der seither zur Orthodoxen Kirche ein besonders gutes Verhältnis pflegte.
Ab 1937 residierte Roncalli in Athen, wo er im zweiten Weltkrieg die Bevölkerung gegen die deutsche Besetzung unterstützte. 1945 wurde er zum vatikanischen Nuntius in Paris und 1953 schließlich zum Kardinal und Patriarchen von Venedig ernannt. Schließlich wurde er am 28. Oktober 1958 zum Papst gewählt.
Mit Roncalli zog ein frischer Wind in den Vatikan ein. Der Papst besuchte seine Pfarren in Rom, unternahm Pilgerfahrten, er ging in Gefängnisse und Waisenhäuser und suchte den Kontakt mit den Menschen. Persönlich überzeugte Johannes XXIII. durch seine Herzlichkeit, seinen Humor bei gleichzeitig tiefster Frömmigkeit sowie seine Bescheidenheit. So schaffte er beispielsweise den Fußkuss und die bis dahin vorgeschriebenen drei Verbeugungen bei Privataudienzen ab.
Johannes XXIII. schrieb insgesamt sieben Enzykliken, darunter 1961 "Mater et Magistra" über die katholische Soziallehre sowie 1963 "Pacem in Terris". In letzterer, die er "an alle Menschen guten Willens" richtete, rief er zur internationalen Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit auf.
Mit zunehmender Amtsdauer wurde immer deutlicher, dass Johannes XXIII. an einem schweren Krebsleiden litt. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt rund zehn Tage vor seinem Tod sagte er zu den Hunderttausenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom: "Sorgt euch doch nicht so sehr um mich. Ich bin bereit, die große Reise anzutreten. Meine Koffer sind gepackt. Ich kann jederzeit abfahren."
Sein letztendlicher Todeskampf dauerte schließlich 91 Stunden, in denen nicht nur die katholische Kirche sondern die ganze Welt den Atem anhielt. Johannes XXIII. starb schließlich am Pfingstmontag, 3. Juni 1963, um 19.49 Uhr im Apostolischen Palast im Vatikan. Sein Pontifikat dauerte vier Jahre, sieben Monate und sechs Tage. Am 3. September 2000 wurde Johannes XXIII. von Johannes Paul II. selig gesprochen.
Fünf Minuten nach dem Tod des Papstes gab der vatikanische Rundfunk, dem sich der italienische Rundfunk angeschlossen hatte, die Trauernachricht in 30 Sprachen bekannt. In besonderer Weise würdigte Radio Vatikan schon damals die Verdienste des Papstes um das Konzil. Zugleich wurde aber auch deutlich, dass die Welt mit Angelo Roncalli einen bescheidenen wie auch herzlichen Hirten und Seelsorger verloren hatte.
Die im Radio verlesene Botschaft über den Tod des Papstes endete mit folgendem Wortlaut: "Er besuchte die Gefangenen, die Kranken, die Kinder, die Demütigen und begab sich mitten unter das Volk. Er schenkte der Menschheit die Enzykliken 'Mater et Magistra' und 'Pacem in Terris'. Für ihn, der in der Kirche den ökumenischen Geist neu belebte und unter den Menschen Gefühle der Güte und Brüderlichkeit weckte, erflehen die Gläubigen und die gesamte Christenheit die ewige Glückseligkeit, die Christus den Erbauern des Friedens verheissen hat."