Der Orden der Caritas Socialis feiert den 80. Todestag seiner Gründerin Hildegard Burjan, die vor einem Jahr selig gesprochen wurde. Die Sozialpionierin starb am 11. Juni 1933. Hildegard Burjan war Österreichs erste Parlamentarierin und zugleich als Ehefrau und Mutter. Die ehemalige Jüdin gründete und leitete die katholische Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis.
Hildegard Burjan wurde im sächsischen Görlitz in einer liberalen jüdischen Familie geboren und studierte in Zürich und Berlin Literatur, Philosophie und Sozialwissenschaft, ehe sie 1907 den gebürtigen Ungarn Alexander Burjan heiratete. Nach der Heilung einer schweren Krankheit übersiedelte das Paar nach Wien. Hildegard konvertierte zur katholischen Kirche und setzte sich entschieden für die Gleichberechtigung der Frau, für die Bekämpfung der Kinderarbeit und für die Überwindung sozialer Missstände ein. Viele soziale Rechte für Frauen und Kinder, die heute selbstverständlich sind, gehen auf ihre Initiative zurück. Zu ihren wichtigsten politischen Forderungen zählte schon damals "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" für Frauen.
1912 gründete Burjan den "Verband der christlichen Heimarbeiterinnen" und 1918 den Verein "Soziale Hilfe". Als Frauen 1919 erstmals das aktive und passive Wahlrecht ausüben konnten, zog Burjan als erste christlich-soziale Abgeordnete in das österreichische Parlament ein. Obwohl sie nur kurze Zeit dem Parlament angehörte, galt sie schon bald als dessen "Gewissen". Die tief religiöse Hildegard Burjan stellte sich dem Elend großer gesellschaftlicher Schichten und verschloss vor Jugendkriminalität, Verwahrlosung und Prostitution nie die Augen. Dadurch erwarb sie sich auch den Respekt sozialdemokratischer Politiker.
Am 4. Oktober 1919 gründete sie die religiöse Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis", mit dem Auftrag, soziale Not der Zeit zu erkennen und zu lindern. Als große Ausnahme in der neueren Ordensgeschichte war Hildegard Burjan zugleich Oberin ihrer Gemeinschaft, Ehefrau und Mutter einer Tochter. Zugleich war sie die Beraterin führender Politiker der Ersten Republik, darunter etwa von Bundeskanzler Prälat Ignaz Seipel. Als im Jahr 1920 Neuwahlen anstanden, zog sich Burjan aus Rücksicht auf ihre stark angeschlagene Gesundheit und wegen der zunehmenden antisemitischen Strömungen auch innerhalb ihrer Partei aus dem Parlament zurück, blieb aber weiter politisch aktiv. Hildegard Burjan starb am 11. Juni 1933 an einem schweren Nierenleiden.
Die Caritas Socialis engagiert sich mit 900 Mitarbeiterinnen der CS und 300 ehrenamtlich Engagierten gesellschaftlichen Bereichen wie Hospiz, Pflege und Demenz, Kinder und Familien. In drei Pflege- und Sozialzentren in Wien wird alten und chronisch kranken Menschen professionelle Pflege und Betreuung angeboten - stationär, in Tageszentren, im CS Hospiz Rennweg, in Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz und zu Hause. Die CS führt Kindergärten und Horte, ein Wohnheim für Mutter und Kind und eine Sozialberatungsstelle und engagiert sich auch gegen Menschenhandel. CS-Schwestern sind außer in Österreich auch in Brasilien, Deutschland, Südtirol und Ungarn vertreten.